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Unterzent aktuell Wochenzeitung für Höchst und Lützelbach
Ausgabe 26/2026
Rathausnachrichten
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Aktuelles

„Heraus aus Zurückgezogenheit und Scham!“

Therapeutin und Facharzt klären beim DRK Eltern über Depressionen bei Jugendlichen auf

Die ernst zu nehmende Erkrankung tritt auch häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Dabei gibt es verschiedene Schweregrade. „Allen gemeinsam ist, dass man die betreffenden Patienten in ihrem seelischen Leid nicht alleine lassen darf“, untermauerte Theresa Nußbauer-Tietz jüngst bei einem Vortrag beim Roten Kreuz in Erbach. Zur Erläuterung: Schlechte Laune, eine kurze Verstimmung oder vorübergehende anlassbedingte Traurigkeit sind etwas völlig anderes. Bei einer schweren Depression verliert man den Mut, grübelt und verfällt dem hoffnungslosen Zweifeln an sich selbst.

Die studierte Sozialpädagogin arbeitet schon lange als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Zurückziehen und Teilnahmslosigkeit können Symptome sein. Depressionen sind belastend und können gefährlich werden, unter Umständen auch lebensgefährlich. Freude wird zum Fremdwort. „Häufig gibt es eine genetische Veranlagung. Moderne Medikamente können helfen, die Erkrankten sich wieder spüren zu lassen und ihre verlorengegangenen Emotionen zu reaktivieren. Das Krankheitsbild ist oft sehr gut behandelbar“, ergänzte Dr. Stefan Ries, Facharzt für Neurologie mit viel praktischer Erfahrung in der Psychiatrie.

Dabei müsse man, entgegen landläufiger Ansichten, wissen, dass diese Mittel nicht abhängig machen und auch die Persönlichkeit keinesfalls verändern. „Die schwere Depression ist eine der furchtbarsten Krankheiten und tut wesentlich mehr weh als ein Beinbruch. Denn man sieht sie nicht immer.“

Kinder und Jugendliche seien häufig betroffen und benötigten Fachpersonal für eine Besserung der Symptome. Dabei plädierten beide für eine zweigleisige Behandlung aus unterstützender Psychotherapie und Medikamenten, um die Biochemie wieder zu richten. „Sollten Selbstmorddrohungen geäußert werden, bedarf es eines Klinikaufenthaltes. Auch sollte man sich in einer Akutphase nicht scheuen, die Notrufnummer 112 zu wählen“, sagte die Therapeutin, die auch an Schulen unterwegs ist, um Schüler und Lehrpersonal für das wichtige Thema zu sensibilisieren. Bei dem Verdacht auf eine Depression könne man auch gerne zur ersten Einschätzung den Kinderarzt informieren.

Jeder könne an einer Depression erkranken, niemand sei gefeit davor. Wichtig sei, dass man darüber spreche, sich kundtue und sich nicht in Scham verkrieche. Schließlich sei die Depression ein Leiden, das aus der Verborgenheit an die Öffentlichkeit treten müsse. Dies sei ein Schritt, um die Patienten aus der Dunkelheit wieder ins Licht zu führen.

In der neu gegründeten Selbsthilfegruppe für Eltern depressiver und suizidaler Kinder beim Roten Kreuz werden Warnsignale thematisiert und die Teilnehmer erfahren Unterstützung und Austausch. Schließlich leiden sie in erheblichem Maße mit.

Man trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat von 19 bis 20:30 Uhr im DRK-Selbsthilfezentrum an der Bahnstraße 43 (Eingang Alte Poststraße) in Erbach. Die Teilnahme ist unverbindlich und kostenfrei. Die besprochenen Inhalte werden streng vertraulich behandelt. Infos unter Tel. 0162 2578112 oder der E-Mail: selbsthilfe@drk-odenwaldkreis.de. Im Internet: www.selbsthilfe.drk-odenwaldkreis.de