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Unterzent aktuell Wochenzeitung für Höchst und Lützelbach
Ausgabe 50/2022
Ankündigungen und Berichte
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Vor Hundert Jahren 1922

20 Jahre - Aus dem Centralanzeiger für den Odenwald - Vor Hundert Jahren

Seit 20 Jahren wird vom Heimat- und Geschichtsverein Lützelbach „vor Hundert Jahren - aus dem Centralanzeiger für den Odenwald“ herausgegeben. Der Band zu 1922 wurde nun, wegen der großen Nachfrage, nachgedruckt.

Das erste „Büchelsche“ zu 1903, wie der damalige Vorsitzende des HGV, Wilhelm Gieg, es nannte, hatte den bescheidenen Umfang von 30 Seiten, war selbst kopiert und geheftet – eine reine Handarbeit. Er schrieb in seinem Vorwort: nach den mündlichen Berichten in den Odenwald-Foren liegen die Forschungsergebnisse jetzt in schriftlicher Form vor. Allen Interessenten bietet sich somit die Möglichkeit, geschichtliche Daten aus dem Jahre 1903 jederzeit nachzulesen. Heute - 20 Jahre später - hat das Büchelsche 60 Seiten, ist professionell gestaltet und gedruckt, mit farbigem Umschlag. Es ist bereit zum Nachlesen der Daten zu 1922:

Im Januar breitet sich „die Grippe auch bei uns im Odenwald täglich weiter aus. Die Fälle verlaufen meistens gutartig, doch fehlt es auch nicht an Erkrankungen mit schweren Komplikationen wie Lungenentzündung usw.“

Auf der Strecke Höchst – Aschaffenburg kommt es wegen Kohlemangel zu Zugausfällen.

Außerdem wird berichtet, dass das älteste allgemein bekannte Zeugnis für die „geputzte“, gezierte Tanne als Weihnachtsbaum aus Straßburg stammt (um 1600): im alemannischen Gebiet, am Oberrhein zwischen Straßburg und Basel ist, wie es scheint, der heute übliche Weihnachtsbaum zuerst aufgekommen und hat sich von hier aus über Stadt und Land, über Deutschland und die ganze Welt verbreitet…

Im März wird an Carl Weyprecht und die Auffindung einer von seiner Nordpolarexpedition im Eis ausgesetzten Flaschenpost erinnert, mit beeindruckenden Farbfotos aus dem Fundus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, auf den Umschlagseiten.

Im April trägt man sich in Michelstadt mit dem Gedanken ein öffentliches Volksschwimmbad einzurichten.

Der Stadtvorstand von Erbach „hat – was zur Beruhigung der Konsumenten des elektrischen Stromes hiermit mitgeteilt wird – beschlossen, daß der Preis für Licht und Kraft für Mai derselbe bleibt wie bisher“.

Im Juni wird aus Ober-Sensbach berichtet, dass ein über die „Gemarkung niedergegangenes Gewitter, begleitet mit Hagelschlag, an den Fluren bedeutenden Schaden angerichtet hat. Die gut gedüngte Ackererde vieler an unseren Abhängen liegenden Felder ist abgeschwemmt und hat im Tal die Heuernte teilweise vernichtet, bzw. das Futter zugeschwemmt.“

Im Juli wird von einer Papierpreis-Erhöhungen berichtet.

In Rimbach hat ein Landwirt „es verstanden, durch geschickte Manipulation elektrischen Strom aus dem Leitungsnetz der Heag zu entnehmen, ohne daß der Verbrauch durch den Zähler angezeigt worden ist“.

Im August erfahren wir, dass „Infolge der sprunghaften Entwertung der Reichsmark und der damit zusammenhängenden fortwährenden Steigerung der Kosten des Lebensunterhaltes sich der Bevölkerung große Erregung bemächtigt, die sich in Angstkäufen auswirkt.“

Im September stellt der im 43. Jahrgang in Höchst im Odenwald erscheinende „Mümlingbote“ sein Erscheinen ein. – Das ist das erste Lokalblatt des Kreises Erbach, das dem Drucke der Zeit erliegt, die anderen werden wahrscheinlich folgen.“

Im Oktober wird „im Dampfsägewerk der Gebrüder Weber aus einem Treibriemen das schönste Stück Leder im Werte von mehreren tausend Mark gestohlen. Dem Dieb ist man auf der Spur.“

Unter der Überschrift Zwanzigtausend Mark für ein Goldstück lesen wir im November, dass von der Reichsbank 20.000 Mark für ein 20-Gold-Markstück und 10.000 Mark für ein 10-Markstück gezahlt werden.

Eine böse Nachricht kommt im Dezember „… von Berlin, was nicht weiter verwunderlich ist, denn gute sind von dort nicht mehr zu erwarten: der Brotpreis soll im Januar wieder verdoppelt werden.“

Dies alles ist nachzulesen im diesjährigen „Büchelsche“: „Vor 100 Jahren – aus dem Centralanzeiger 1922“. Es wird wieder vom Heimat- und Geschichtsverein Lützelbach herausgegeben und kann über den örtlichen Buchhandel und über hgv@ourewald.de zum Preis von 6 Euro bestellt werden.