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Fränkisch-Crumbacher Nachrichten
Ausgabe 5/2024
Vereine und Verbände
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Der Verein „Crumbacher Denk-Mal“ berichtet über Crumbacher Zeitgeschichte

Die “Raal” mit Hans Hans Schlegel, Wilhelm Scholl, Werner Grimm, Karl-Heinz Spuck und Heinz Zörgiebel

Die Klassiker der Cumbacher Fastnacht in den 80 Jahren die “Raal”

Monika Schlegel (Born) und Birgit Zörgiebel

Werner Grimm erhielt den Orden von der Abordnung der Mainzer Ranzengarde für seinen Solovortrag

Die Kultformation der “Raal” 1981 mit Heinz Zörgiebel, Werner Grimm, Wilhelm Scholl und Hans Schlegel

Vom 12. Feb. 1981 Odenwälder Echo

Fünf Stunden Spaß im Fastnachtsschloss

Eine leibhaftige Wutz, haufenweise Girls und sechs Richtige beim Turnverein Fränkisch-Crumbach (khs)

Vor zwei Jahren stellte das ECHO in seinem Bericht über die Fastnachtsitzungen des Turnvereins fest, sie seien zotenfrei, lebten von Urwüchsigkeit und lokalen Kolorit, stünden dabei trotzdem auf höherem Niveau als das Angebot manches Karnevalvereins. Nach der Premiere 1981 (die zweite Sitzung am Samstag, 14., ist bereits ausverkauft wie die erste) lassen sich die Crumbacher Tugenden erneut anführen.

In der von Willi Rauth, Horst Emrich, Karl-Peter Denger und Karl Jost gleich zweiseitig zum Narrhalla- Schloss aufwendig und gekonnt um dekorierten Turnhalle der Rodensteinschule brannten die Hobbyfastnachter im Stil von Professionals ein fünfstündiges Feuerwerk der guten Laune ab. Einige Stimmungsbremsen hatten sich allerdings auch mit eingebaut. Die Ordensverleihung nach dem hervorragenden Protokoll von Hans Schlegel ist schlichtweg überflüssig und nichts als ein Jahrmarkt der Eitelkeit. Im Parkett fragt sich übrigens so mancher nach dem Grund der Belohnung. Gibt es Orden auch dafür, nur dass einer zufällig mal dem Verein die Ehre seiner (vielleicht sogar Freikarten-) Anwesenheit gibt?

Dieser Vollbremsung der guten Laune stand die regelmäßige Stotterbremsung vom Präsidentenstuhl herunter nicht weniger schlecht zur Seite. Philosophische Trivialerkenntnisse in Hochdeutsch und vom Blatt passen nicht zum Schema der Urwüchsigkeit dieser Crumbacher Vollblutfastnachter. Zu fragen ist, warum sich der Präsident nicht der so erfolgreichen Methode seiner Mitstreiter anschließt und babbelt, wie ihm der Ourewäller Schnawwel gewachsen ist. Den Ernst des Lebens erleben die Besucher anderswo, Fastnacht ist dafür nicht der richtige Ort.

Zum Guten zurück : Unbestrittenes As in der Bütt ist auch in diesem Jahr Hans Schlegel, ein Schote, dem im Format so leicht weit und breit keiner das Wasser reichen kann; der Mann bereitet Zwerchfellschmerzen. Dies Lob wertet andere nicht ab, etwa die Zungenflinken Damen vom Schlage der Margret Schlegel (der Eheapfel liegt ganz dicht am Stamm) oder der Irmgard Zörgiebel und Giesela Jost.

Heiko Ban versuchte sich im Zwiegespräch mit Marianne Eitenmüller, Achim Weidmann mit Jürgen Jost. Als Solist brachte ersterer mit der Empfehlung, im Turnverein eine Saurennabteilung einzurichten, eine leibhaftige Wutz mit auf die Bühne- ein ausgesprochenes schönes Tier.

Nicht zu vergessen natürlich Werner Grimm, wie Schlegel ein wahrer Vortragskünstler und- wie andere auch- leider allzu oft durch die Kapelle mit Tuschs an falscher Vortragsstelle unterbrochen; eine Koordinationsfrage, die zu lösen möglich scheint.

Eine Stärke der Gersprenztaler Narren sind die Gruppen, wobei beim Duett der Birgit Zörgiebel und Monika Schlegel (Born) anzufangen ist: gesanglich wie pantomimisch erste Klasse. Nahmen die „Sechs Richtigen“ vornehmlich Kommunales aufs Narrenkorn, warf das TV- Ballett unter von Monika Schlegel (Born) vor allem zum Can-Can die gymnastikertüchtigen Beine. Die TV- Girls, flotte siebzehn an der Zahl, zogen eine bis ins Detail ausgestandene und ausgefeilte Westernshow ab, dass die Zugaberufe überhaupt kein Ende nehmen wollten.

Mittendrin im Programm eine Meisterleistung in Ausstattung, Mimik und Musik: „Die Raal“, was so viel wie etwa olwerte Bauern bedeutet, lieferte im Quintett (Hans Schlegel, Heinz Zörgiebel, Wilhelm Scholl, Werner Grimm und Karl-Heinz Spuck) eine fastnachtliche Groteske solcher Güte, dass die andernsorts an diesem Programmpunkt offerierten Männerballette gleich reihenweise die Flucht ergreifen würden. Dies vergnügen allein waren die allerdings stolzen 12,50 Mark Eintritt für das große Vergnügen wert.

Hans Schlegel und Karl Rauth haben es mit der Erfahrung vieler Jahre (und doch immer wiederkehrendem Lampenfieber) brillant in Szene gesetzt, Werner Rauth und Werner Katzenmeier vertont und beleuchtet. Eine Fülle von Mitwirkenden vor und hinter der Bühne trägt den Crumbacher Humor 1981; sie alle achtzig zu nennen, ist nicht möglich. Zur fulminanten Freudenbringerleistung aber darf ihnen allen, mit den eingangs genannten Einschränkungen gratuliert werden.