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Reichelsheim aktuell - Amtsblatt der Gemeinde Reichelsheim(Odenwald)
Ausgabe 14/2026
Aus der Gemeinde
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Aus der Gemeinde

Unser Bild zeigt Heidemarie und Bernd Mehnert im Gespräch mit den Lernenden der Jahrgangsstufe Q4 und Studienrat René Beck (rechts).

Der Geschichtsgrundkurs der Jahrgangsstufe Q4 der Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim hat im Unterricht ein Zeitzeugengespräch mit Heidemarie und Bernd Mehnert durchgeführt. Begleitet wurde der Kurs von Studienrat Tim Scholz. Ziel der Veranstaltung war es, die im Unterricht behandelte Fluchtgeschichte aus der DDR - konkret die Flucht der beiden in der Nähe von Mödlareuth - durch persönliche Berichte zu vertiefen. Die Geschichte wurde im Vorfeld unter dem Titel „Über Mödlareuth in den Odenwald – Die Geschichte von Heidi und Bernd Mehnert" durch den Kurs aufgearbeitet und in Form von Social-Media-Posts dargestellt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie es sich anfühlt, alles hinter sich zu lassen, um in Freiheit zu leben. Die Zeitzeugen berichteten von ihrer geglückten Flucht aus der DDR und gaben Einblicke in ihre Erfahrungen. Das Gespräch fand in offener Atmosphäre statt, in der die Lernenden bei Kaffee und Kuchen Fragen stellen konnten.

Besonders eindrücklich war die Schilderung der Fluchtsituation. Heidi Mehnert musste zunächst allein einen Grenzzaun überwinden, ohne zu wissen, ob Bernd Mehnert folgen konnte. Erst später gelang es ihm, ebenfalls einen Weg über den Zaun zu finden. Die Situation verdeutlichte die Unsicherheit und Gefahr der Flucht.

Zur Veranschaulichung brachten die Zeitzeugen persönliche Gegenstände mit, darunter Bilder, selbst angefertigte Fluchtpläne und Auszüge aus ihrer Stasi-Akte. Dabei wurde deutlich, dass trotz aller Vorbereitung vieles ungewiss blieb – die Flucht sei „zu etwa 70 Prozent geplant und zu 30 Prozent Glück" gewesen, so Bernd Mehnert.

Im Gespräch zeigte sich zudem die enge Zusammenarbeit der beiden. Während Bernd Mehnert die strategische Planung übernahm, setzte Heidi Mehnert die Flucht mit entsprechendem Durchhaltevermögen um.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Alter der beiden zur Zeit der Flucht: Sie waren jeweils 19 Jahre alt. Dadurch entstand ein direkter Bezug zur Lebenswelt des Kurses. Eine Person aus dem Kurs beschrieb es als besonders eindrücklich, dass die beiden „in unserem Alter waren und solche Entscheidungen treffen mussten".

Das Zeitzeugengespräch verdeutlichte die Bedeutung persönlicher Begegnungen für den Geschichtsunterricht. Aus dem Kurs wurde hervorgehoben, dass Geschichte durch das direkte Gespräch „viel greifbarer wird als nur durch den Unterricht". Damit wird deutlich, welchen Mehrwert und welches Potenzial solche Projekte für Schülerinnen und Schüler besitzen.

 

Bericht und Fotocredit: Tim Scholz