Frau, Mutter, Herzogin – Die Bayerische Schlösserverwaltung gedenkt Luise von Sachsen-Coburg-Saalfelds (1800–1831)
Die Bayerische Schlösserverwaltung erinnert an eine bedeutende Frau des Coburger Herzogshauses: Vor 225 Jahren, am 21. Dezember 1800, erblickte Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg in Schloss Friedenstein in Gotha das Licht der Welt. Als Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld prägte sie für einige Jahre von 1817–24 das höfische Leben in Coburg und ist zugleich eine zentrale Figur der europäischen Dynastiegeschichte: Als Mutter von Prinz Albert, dem Gemahl der britischen Königin Victoria, wurde sie zur Ahnfrau des heutigen britischen Königshauses.
Luises Mutter verstarb kurz nach ihrer Geburt; ihr Vater, Erbprinz August, heiratete 1802 erneut und trat 1804 die Regentschaft des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg an. Luise wuchs am Gothaer Hof in einer vergleichsweise unkonventionellen Umgebung auf. Der Vater, mehr Mäzen und Sammler als Landesherr, bestach durch Extravaganz und Exzentrik. Einen Tag vor ihrem 16. Geburtstag verlobte sich Luise mit einem Verwandten aus dem weitverzweigten Haus Wettin, mit dem in Coburg residierenden Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Er war etwa doppelt so alt wie Luise. Im Sommer 1817 fand in Gotha die Hochzeit statt. Das Herzogspaar bekam zwei Kinder: 1818 Ernst, der seinem Vater als Herzog in Coburg nachfolgte; und 1819 Albert, der seine Cousine Victoria ehelichte, die Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland. Luise ist hierdurch die Ururururgroßmutter des heutigen britischen Königs Charles III.
Die junge Braut war ihrem Gemahl mit starken Gefühlen zugetan. Hierauf gründende Hoffnungen nach seelenverwandter Nähe, einer Partnerschaft auf Augenhöhe und ehelicher Treue erfüllten sich nicht. Das Eheleben mit Ernst, der nicht abließ, eigene Wege zu gehen, trübte sich nach wenigen Jahren ein. Die Hofgesellschaft brachte Luise zudem mit unschicklichen Vertraulichkeiten in Verbindung, deren Wahrheitsgehalt unklar blieb. Als 1824 beim Aufkommen des Gerüchts, das Herzogspaar wolle sich trennen, die Coburger Bevölkerung Partei für Luise ergriff und auf die Straße ging, war Ernst alarmiert und reagierte mit einem drastischen Schritt: Er schickte Luise fort aus Coburg nach St. Wendel in das Fürstentum Lichtenberg im heutigen Saarland, das ihm beim Wiener Kongress zugesprochen worden war. Dort begründete Luise einen neuen Alltag. Ihre beiden in Coburg zurückgebliebenen Söhne Ernst und Albert durfte sie nach dem Willen des Vaters zeitlebens nie mehr kontaktieren und wiedersehen.
Luises Ehe mit Ernst wurde 1826 geschieden. Sie behielt den Titel einer Herzogin. Noch im selben Jahr bekam Ernst im Zuge einer ernestinischen Landesteilung Gotha zugesprochen, denn Luises Familienzweig war im Mannesstamm erloschen und sie als Frau nicht zur Regentschaft befähigt. Fortan führte der Coburger Herzog den Namen Sachsen-Coburg und Gotha. Auch für Luise begann ein neuer Lebensabschnitt. Sie heiratete ihren Lebensgefährten Maximilian von Hanstein, Graf von Pölzig und Beiersdorf. Das Paar lebte in St. Wendel, engagierte sich sozial und unternahm viele Reisen. Bei einem Aufenthalt in Paris verstarb Luise am 30. August 1831 mit nur 30 Jahren an einer Krebserkrankung.
Luises Lebensweg berührt Orte, die heute von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut werden: In Schloss Ehrenburg in Coburg ist die Erinnerung an die Herzogin, die hier von 1817 bis 1824 lebte, bis heute präsent: Sei es anhand Bildnissen, die sie darstellen, sei es anhand der Räumlichkeiten, die Ernst eigens für seine Frau einrichten ließ. Luises Appartement ist ein erlesenes Beispiel der Dekorationskunst jener Jahre und im Rahmen einer Schlossführung zu besichtigen. Auch Schloss Rosenau in Rödental bietet Begegnungen mit Luises Lebensgeschichte. In dem Landsitz vor den Toren der Residenzstadt fühlte sich Luise in ihrer Anfangszeit in Coburg so wohl, dass sie einer Freundin begeistert schilderte: „Wir fuhren hin, ich sah, staunte und war entzückt.“ Bei einer Führung erleben die Besucherinnen und Besucher unter anderem Luises Salon, Schlafzimmer und Ankleidekabinett und erfahren vom Leben einer bemerkenswerten Frau, Mutter und Herzogin.
Die Bayerische Schlösserverwaltung
Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich ein Millionenpublikum aus aller Welt an.