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Amtsblatt der VG Kötz und der Mitgliedsgemeinden
Ausgabe 11/2026
Bekanntmachungen der Verwaltungsgemeinschaft Kötz
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Tourismus für Alle – Impulse für mehr Barrierefreiheit

Beim Tourismusforum in Leipheim wurde deutlich: Barrierefreiheit beginnt oft schon bei kleinen Veränderungen – und bei guten Informationen

Burgau, 11. Mai 2026. Wie kann Tourismus so gestaltet werden, dass möglichst viele Menschen unkompliziert reisen, einkehren und Freizeitangebote nutzen können? Mit dieser Frage beschäftigte sich die touristische Netzwerkveranstaltung der Landkreise Dillingen, Günzburg und Neu-Ulm im Zehntstadel Leipheim. Unter dem Titel „Tourismus für Alle – Impulse für mehr Barrierefreiheit“ kamen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Gastronomie, Hotellerie, Freizeitwirtschaft, Kommunen und Tourismus zusammen, um sich auszutauschen und neue Perspektiven mitzunehmen.

Leipheims neuer Bürgermeister Dr. Raphael Gerhardt freute sich darüber, seine Amtszeit mit einer Veranstaltung zu einem so wichtigen Thema zu beginnen, und begrüßte die Teilnehmenden herzlich. Auch Landrat Dr. Hans Reichhart hieß die Gäste willkommen und betonte die Bedeutung eines möglichst barrierearmen touristischen Angebots für die gesamte Region.

Die Veranstaltung fand innerhalb des Projektes „Tourismuskonzept 2.0“ statt – ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023-2027 gefördertes LEADER-Projekt im Freistaat Bayern.

Urlaub statt Barrieren

Welche Möglichkeiten es entlang der gesamten touristischen Servicekette gibt, zeigte Stefanie Schleich, freie Beraterin der Beratungsstelle Barrierefreiheit, in ihrem Vortrag „Urlaub statt Barrieren“. Vom ersten Planungsschritt über Anreise und Übernachtung bis hin zu Gastronomie und Freizeitangeboten gebe es zahlreiche Stellschrauben, die oft einfacher umzusetzen seien, als viele vermuten.

Unterfahrbare Tische, mobile Rampen, ausreichend Bewegungsflächen, Akustikpaneele in belebten Räumen, gute Beleuchtung, kontrastreiche Gestaltung oder farblich markierte Schwellen – viele Maßnahmen könnten bereits mit überschaubarem Aufwand einen großen Unterschied machen.

Barrierefreiheit beginnt bei Information

Wie wichtig verständliche und verlässliche Informationen für Gäste sind, machte Benjamin Suthe von panorama361 deutlich. Über eine interaktive Mentimeter-Abfrage nannten die Teilnehmenden Begriffe wie „Verständlichkeit“, „Sichtbarkeit“, „einfach“ und „Umsetzung“ – und trafen damit genau den Kern seines Vortrags zum Thema barrierefreies Marketing.

Denn nicht die Anbieter entscheiden letztlich, ob ein Angebot geeignet ist, sondern die Gäste selbst – vorausgesetzt, sie erhalten ausreichend Informationen. Genau darin liege ein zentraler Schlüssel für mehr Teilhabe. Gleichzeitig profitiere eine deutlich größere Zielgruppe von Barrierefreiheit, als oft angenommen werde: Menschen mit Einschränkungen ebenso wie Familien oder ältere Gäste. Oder anders formuliert: Für rund 10 Prozent der Bevölkerung ist Barrierefreiheit unentbehrlich, für 40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel.

Persönliche Erfahrungen, die nachwirken

Besonders eindrücklich wurde die Veranstaltung in der anschließenden Gesprächsrunde. Dort berichteten Niklas Schütte, Vater von Kindern mit Beeinträchtigungen, Martina Pilz mit Sehbeeinträchtigung, Max Hieber mit Mobilitätseinschränkung sowie Alexander Böse von der Caritas Dillingen e. V. aus ihrem Alltag und ihren persönlichen Erfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass oft bereits vermeintliche Kleinigkeiten große Wirkung entfalten können – etwa gut lesbare Speisekarten mit ausreichendem Kontrast, beidseitige Handläufe oder ermäßigter Eintritt auch für Begleitpersonen. Gleichzeitig appellierten die Gesprächsteilnehmenden dafür, auch nicht sichtbare Einschränkungen stärker mitzudenken und sensibel damit umzugehen.

Alexander Böse stellte zudem den Begegnungsgarten der Caritas Dillingen mit seinem „Schaukelparadies für Alle“ vor – ein Ort mit verschiedenen Schaukeln für unterschiedliche Bedürfnisse und ein gelungenes Beispiel dafür, wie Teilhabe ganz konkret aussehen kann.

Austausch, neue Projekte und konkrete Ansätze

Zum Abschluss informierte Kristin Dohalt über aktuelle Aktivitäten der Tourismusorganisationen der drei Landkreise im Bereich Barrierefreiheit. Seit Januar 2025 erscheint der monatliche Newsletter „Let’s talk about Barrierefreiheit“ für touristische Leistungsträger. Außerdem wurde kürzlich eine Machbarkeitsstudie zu barrierearmen Wanderwegen in der Region abgeschlossen, während eine weitere Untersuchung zu barrierearmen Radwegen bereits vorbereitet wird. Wer sich für den Newsletter anmelden oder eigene Erfahrungen zu barrierearmen Radtouren in der Region einbringen möchte, kann sich unter k.dohalt@landkreis-nu.de melden.

Charmant moderiert wurde die Veranstaltung von Judith Zacher, die im Anschluss zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken einlud.

Das wohl wichtigste Fazit des Nachmittags: Barrierefreiheit beginnt oft mit Offenheit – und mit guten Informationen.