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Ausgabe 19/2019
Helmbrechts/Schauenstein -USR-
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Kulturwelten nach wie vor mit einer absolut hohen Qualität

Helmbrechts. Mit dem ausgezeichneten Gastspiel von Bernd Stelter nahmen die diesjährigen Kulturwelten einen hervorragenden Anfang – und mindestens in dieser Qualität ging es dann auch mit den unterschiedlichsten Künstlern flüssig weiter. Hundertprozentig musikalisch wussten auch die Woodstock-Legenden zu gefallen. Es zeigt sich einmal mehr, dass das von Organisator Heinz König zusammengestellte Programm nach wie vor die hohe Qualität besitzt, die es schon seit Jahren auszeichnet und die von Kulturliebhabern sowohl der Region als auch weit darüber hinaus sowie wegen ihrer Vielfalt besonders geschätzt wird.

Helene Blum

Nordländische Künstler haben seit jeher bei den Kulturwelten für ganz besondere Hochgenüsse gesorgt. Auch Helene Blum mit der Harald Haugaard Band machten hier keine Ausnahme. Die Dänen gelten als eines der besten Folk-Ensembles in Europa. Auf der Bühne im Multivisionsraum des Textilmuseums wurden sie diesem vorauseilenden Ruhm dann auch mehr als gerecht.

So wie Helene Blum und Harald Haugaard mit seiner Violine miteinander harmonieren, merkt man sehr schnell, dass diese beiden zum einen nicht nur musikalisch miteinander verbunden sind, sondern auch seit zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. Sie kreierten einen Musikstil, der ins Blut geht. Sie haben viele Aspekte der traditionellen dänischen Volksmusik aufgenommen, übernommen und vielfach auch im Stil verbessert. Sie begeistern ein Publikum, das sich mit stehenden Ovationen für einen beeindruckenden Abend bedankt.

Zervas & Pepper

Künstler von der britischen Insel haben bei den Kulturwelten schon immer mit ihrem eigenen Stil auf sich aufmerksam gemacht. Das gilt auch für Zervas & Pepper, das Folkrock-Duo aus der walisischen Hauptstadt Cardiff, das in Helmbrechts verstärkt durch ein Quartett mit Simon Kingman (Gitarre und Gesang), Erik Stamms (Schlagzeug), Andrew Brown am Bass und Charlie Piecey (Gitarre, Keyboards und Gesang) auftritt.

Paul Zervas und Kathryn Pepper sind jung und trotzdem haben sie sich der Musik der Vergangenheit verschrieben, die in ihren Wurzeln wahrscheinlich noch ein wenig musikalischer daherkommt als das, was gegenwärtig als so genannte Moderne geboten wird. Sie interpretieren mit ihrer Band diese Musik so hervorragend, dass man meinen könnte, sie würden schon Jahrzehnte für diese Musik leben.

Das Kulturwelten-Publikum ist einmal mehr begeistert, was sich auch am minutenlangen Beifall festmachen lässt. Den Künstlern gefällts und sie legen sich auch bei den Zugaben nochmals mächtig ins Zeug.

Trio Elf

Trio Elf gehört zu den international am meisten beachteten Jazz-Formationen Deutschlands. Der Pianist des Trios, Walter Lang, war bereits mehrfach bei den Kulturwelten zu Gast, unter anderem mit dem World Percussion Ensemble oder mit Mulo Francel und Lisa Wahland. Er versteht sich hervorragend mit Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und auch der junge Bassist Sebastian Gleck fügt sich hervorragend in dieses Duo ein.

Der Jazz hat bekanntlich viele Facetten und bietet so kreativen Musikern die Gelegenheit, auch einmal abseits von gängigen Pfaden zu wandeln, selbst auf eine eigene, besondere Weise künstlerisch tätig zu werden. Natürlich gehört dann dazu, dass sich die Partner voll verstehen, dass sie auch die Parts des anderen in sich aufnehmen und gemeinsam ein Stück der Vollendung zuführen.

Deshalb kennt auch die Begeisterung des Publikums an diesem Abend im Textilmuseum keine Grenzen und die Musikfreunde verlassen den Multivisionsraum einmal mehr mit dem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.

Ten Years After und Canned Heat

Sie wurden mit besonderer Spannung in Helmbrechts erwartet – die Gruppen Ten Years After und Canned Heat, welche unter diesem Namen bereits vor fünfzig Jahren bei dem legendären Konzert in Woodstock mit von der Partie waren und die auch noch Zeitzeugen in ihren Reihen besitzen.

Bei Ten Years After sind dies Chick Churchill an den Keyboards und Rick Lee am Schlagzeug. Sie haben sich verstärkt durch gleichermaßen hervorragende Künstler wie Marcus Bonfanti (Gesang und Gitarre) sowie die Bass-Ikone Colin Hodgkinson. So wie es einen gewissen Altersunterschied zwischen den Protagonisten gibt, kommt auch die Musik der Band daher: „Alte“ Stücke, die teilweise bereits zu Ohrwürmern geworden sind, welchseln sich ab mit jugendlicher Power-Musik, die trotzdem klanglich vollkommen im Stil der Truppe daherkommt. Die Begeisterung des Publikums kennt keine Grenzen mehr, als sich die Musiker mit dem Song „I`m going home“ verabschieden, der schon in Woodstock zu einem Hit wurde.

Ein etwas anderes Programm präsentiert Canned Heat – gleichermaßen eine der erfolgreichsten Bluesbands überhaupt. Denn die Künstler lassen erstmals auf sich warten und geben die Bühne frei für den 14-jährigen Kroaten Frano Zivkovic, der durchaus mit seinen Gitarren-Soli begeistern kann.

Der folgende musikalische Querschnitt wird geprägt von gängigen, vielfach bekannten Melodien, angespielt von Dale Spalding, dem „Chef“ von Canned Heat und vor allem unter der Assistenz von Schlagzeuger und Sänger Fito de la Perra, der schon vor fünfzig Jahren in Woodstock mit von der Partie war. Sein damaliger kongenialer Partner Larry Tayler, ursprünglich mit als Akteur angesagt, war nicht mit aktiv.

Musikalisch überzeugt die Band absolut und stellt hervorragend unter Beweis, warum sie zum Beispiel die einzige Blues-Band ist, die weltweit drei Nummer-Eins-Singles in die Charts gebracht hat, von denen „On the Road again“ und „Coing up tot he Country“ auch im Bürgersaal ihren Eindruck nicht verfehlten. Das einzige Manko für manche Besucher – sie hätten dieser hervorragenden Band gerne noch etwas länger zugehört.

Henrik-Freischlader-Band

Es ist die Liebe zu handgemachter Musik, besonders zu Blues und Soul, welche die fünf Musiker der Henrik-Freischlader-Band verbindet. Dem Quintett eilt ein ganz besonderer Ruf voraus, dem viele Fans nach Helmbrechts folgen und den Bürgersaal bis auf den letzten Platz füllen. Einmal mehr - man mag es schon fast gar nicht mehr erwähnen - hat Organisator Heinz König mit ihrer Verpflichtung ein ganz besonderes Händchen bewiesen.

Eines wird bei diesem Auftritt wie auch bei vielen anderen im Rahmen der Kulturwelten deutlich: Die Künstler fühlen sich in Helmbrechts wohl, genießen die individuelle Betreuung, die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter und vor allem den Sachverstand des Publikums. Sie entwickeln eine besondere Spielfreude, die von innen heraus kommt und die der Musik eine ganz besondere Note verleiht.

Das Publikum ist begeistert von diesem beeindruckenden Auftritt, tut das auch durch entsprechenden Beifall und Bravo-Rufe kund und entlässt – schon fast gewohnt – die Musiker erst, als sie mit den nötigen Zugaben aufwarten.

Jamaram

Beim zweiten Aufritt von Peter Karp und seiner Truppe betritt – was normalerweise äußerst selten ist – Kulturwelten-Organisator Heinz König die Bühne des Multivisionsraumes im Textilmuseum. Karp hat zwar schon seit einiger Zeit das Geschehen im Foyer beobachtet - aber seine Band fehlt noch. Weil es Heinz König interessiert, fragt er unter den Anwesenden nach, wer von ihnen am Vortag die Gruppe „Jamaram“ erlebt hat. Das ist nicht nur eine ganz schöne Anzahl von Besuchern, die damit gleich zwei Veranstaltungen hintereinander „auf sich nehmen“, sondern sie zeigen auch ihre restlose Begeisterung über das, was sie am Vortag erlebt haben.

Es wird ein grandioses Feuerwerk von Songs aus Stilrichtungen wie Pop, Latin oder Reggae, das die acht Musiker aus München an diesem Abend im Bürgersaal entzünden. Da brennt im wahrsten Sinne des Wortes die Luft, da gehen die Melodien gleich in die Beine, da werden die Songs mitgesungen und im Rhythmus geklatscht. Und wäre das nicht schon genug, führt die insgesamt beeindruckende Bühnenshow zu einem rundum absoluten Spitzenerlebnis. Auch diese Band sorgt durch ihre Spielfreude, angespornt durch die begeisterten Besucher, dafür, dass dieser Abend wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Vielleicht kommen die tollen Musiker ja in absehbarer Zeit wieder nach Helmbrechts.

Peter Karp

Wenn er auf der Bühne steht, macht er den Eindruck eines Gitarre spielenden Cowboys, der schon viel erlebt hat. Aber Peter Karp stammt aus Memphis in Tennessee, dieser sagenhaften Stadt, die schon viele großartige Musiker hervorgebracht und Musikgeschichte geschrieben hat. Der „Cowboy“ mit der großartigen Stimme reiht sich unproblematisch in diesen Reigen ein.

Peter Karp liebt das Helmbrechtser Publikum, das er bereits im vergangenen Jahr kennengelernt hat und er liebt Helmbrechts als Musikstadt. Er kann sogar einigermaßen deutlich „Helmetz“ sagen, als er im Rahmen eines Songs, immer wieder angekündigt durch einen Tusch seiner Band, deutsche Städtenamen von München über Berlin oder Stuttgart und Frankfurt von sich gibt. Und auch das Publikum darf Vorschläge machen, die auf der Bühne „verarbeitet“ werden. Passen muss der spitzbübische Sänger dann allerdings bei Orten wie „Oddengrej“ oder auch „Glaaschwerzaboch“.

Peter Karp ist nicht nur ein grandioser Sänger und Geschichtenerzähler, er handhabt ebenso grandios seine E-Gitarre und ruft mit seinen unwiderstehlichen Solis immer wieder Beifallsstürme hervor. Dabei wird er von kongenialen Partnern unterstützt. Gleichermaßen begeistert Paul Carbonara mit seinem tollen Gitarrensound die Besucher, vor allem auch dann, wenn Peter Karp ans Keyboard wechselt. Zum Publikumsliebling avanciert jedoch Schlagzeuger Mike Katapano, der seine Instrumente gefühlvoll und kräftig gleichermaßen handhabt. Die Bassgitarre von Niles Terrat vervollständigt einen unter die Haut gehenden Sound.

Während des Auftrittes sucht Peter Karp immer wieder den Kontakt mit dem Publikum. Dass er überwiegend die weiblichen Besucher „bespielt“, liegt vielleicht auch an seiner Ansicht, dass die deutschen Frauen die schönsten in der Welt sind. Dem gleich kommt wohl dann das deutsche Bier. Er liebt es und genießt es auch auf der Bühne, allerdings nimmt er nur immer einen kleinen Schluck. Und so blickt er nach der ersten Zugabe noch auf ein halbvolles Glas, wollte aber nicht von der Bühne, bevor dieses nicht ausgetrunken ist, Aber dann hätte dieses grandiose Konzert, das er gleich an zwei Abenden präsentiert, wohl bis weit nach Mitternacht dauern müssen.

Andreas Rebers

Er gehört zu den absoluten Spitzenkräften des deutschen Kabaretts, aber er polarisiert gleichermaßen und ist von seiner Art her auch ein gewisser Satiriker. Jedoch ist es vielleicht gerade diese Mischung, welche die Besucher lieben, wenn er mit scharfer Zunge aber auch alles über die Klinge springen lässt, was ihm so in den Sinn kommt.

Vor allem die Politik hat es Rebers angetan und er setzt sich in seiner ihm eigenen Sprachformulierung sehr deutlich mit den aktuellen Schlagzeilen auseinander, ganz gleich, ob es sich jetzt um die AfD, den Klimawandel oder um „Dieselgate“ handelt. Dabei macht sich Rebers zum Sprachrohr der unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten und konkretisiert ihre Anliegen, aber auch ihre Sorgen. Er hält die Besucher jederzeit in Hochspannung, die erst ein wenig nachlässt, als der Musiker im Kabarettisten mit besinnlichen Liedern auf dem E-Piano aufwartet.