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Oberleichtersbacher Nachrichten
Ausgabe 1/2026
Vereine und Verbände
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TEIL 1

Wenn Musik keinen Raum mehr findet – und doch alles erfüllt

(Text und Bilder von Karina Kirchner)

Die St.-Jakobus-Kirche in Modlos war wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Zuhörer mussten auf Stehplätze ausweichen, denn der Kirchenraum schien an diesem Abend kaum groß genug – weder für all jene, die gekommen waren, um zuzuhören, noch für die Vielzahl an Musikerinnen und Musikern. Das traditionelle Weihnachtskonzert des MSV Modlos war einmal mehr ein bewegender Höhepunkt der Adventszeit. Und selten zuvor wurde so deutlich, dass diese Kapelle wächst, und zwar Jahr für Jahr. So sehr, dass der eigens aufgebaute Bühnenraum in der Kirche erneut erweitert werden musste – und selbst das kaum ausreichend war. Ein Bild, das für sich sprach.

Eröffnet wurde der Abend mit dem festlichen Klang von „Sweet Bells Phantasy“, der den Raum sofort in eine vorweihnachtliche Stimmung tauchte. Anschließend begrüßte Moderatorin Anna Reith das Publikum herzlich und führte wie gewohnt mit persönlichen Worten durch das Programm. Mit dem zweiten Stück „Respicere“ – übersetzt „Rückblick“ – schlug der Abend eine emotionale Brücke: Zehn Jahre Weihnachtskonzerte mit Dirigent Michael, zehn Jahre gemeinsames Musizieren, Wachsen und Zusammenhalten. Reith erinnerte daran, wie sehr Musik von gemeinsamen Momenten lebt, von Erinnerungen, von Gänsehaut, von Augenblicken, die bleiben. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass all dies nur möglich ist, weil immer wieder junge Musiker nachrücken.

Und genau diese rückten anschließend in den Mittelpunkt. Die Nachwuchsmusiker der Bläserklasse „Tutti Fruttis“ nahmen vorne Platz und spielten sichtlich stolz „Freude schöner Götterfunken“ sowie „Aus der neuen Welt“. Dirigiert wurden sie von Manuela Möller, die schon seit vielen Jahren mit viel Herzblut und Engagement den musikalischen Nachwuchs der Großgemeinde unterrichtet. Manuela Möller richtete sich direkt an das Publikum: „Wir freuen uns sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder dabei sein dürfen. Ich bin wirklich beeindruckt – in Modlos scheint etwas sehr gut zu laufen, wenn ihr die Bühne jedes Jahr weiter anbauen müsst. Herzlichen Glückwunsch dazu!“ Sie fügte hinzu: „Man hat mir im Vorfeld schon gesagt, dass es auf der Bühne eng werden wird – aber dass es so eng wird, hätte ich nicht erwartet.“

Einen besonderen Dank richtete sie auch an die Eltern der Nachwuchsmusiker und betonte, dass ohne deren Unterstützung dieses Hobby nicht möglich wäre.

Im weiteren Verlauf nahm die Kapelle das Publikum mit auf eine musikalische Reise. „Musik kann Bilder, Handlungen und Emotionen transportieren oder sogar eine Geschichte erzählen“ kündigte Reith das Stück „La Storia“ – „Die Geschichte“ an, das seinem Namen alle Ehre und machte. Für ruhige, besinnliche Momente sorgte der Chor „Belcanto“ aus Sulzthal mit „Ganz still ist das Land“. Die Kirche wurde spürbar leiser, die Hektik der Vorweihnachtszeit rückte für einen Moment in weite Ferne. Einen ganz eigenen Klangraum schufen Petra und Thomas Schmitt mit ihren Alphörnern. Die warmen, tiefen Töne füllten die Kirche vollständig aus und Reith nutzte in ihrer Moderation die Chance, daran zu erinnern, wie wertvoll das Engagement dieser beiden Musiker auch hinter den Kulissen für die Kapelle ist.

Ein besonderer Gänsehautmoment folgte mit Mathilda Klug, die singend und sich selbst auf der Gitarre begleitend den Song „An alle da draußen“ vortrug. Ihre klare, ehrliche Stimme berührte tief – und wurde mit langanhaltendem Applaus belohnt.

Mit einem schwungvollen Medley von Robbie Williams bewies die Kapelle noch einmal ihre Vielseitigkeit, bevor die Vorstandsvorsitzende Isabell Schürlein mit einer Geschichte den Kern des Abends auf den Punkt brachte: Weihnachten lebt von Gemeinschaft. Vom Miteinander. Vom Dasein füreinander. Worte, die nachdenklich machten und nachhallten.

Gospelklänge, irische Musicalmusik aus „Lord of the Dance“ samt Nebelstimmung, weitere Chorbeiträge und klassische Weihnachtswerke wie „Mary’s Boy Child“ und „Der Nussknacker“ machten den Abend zu einem begeisternden Wechselspiel aus leisen, kraftvollen und mitreißenden Momenten.

Zum Ende richtete Reith noch persönliche Dankesworte an den Dirigenten Michael Heinlein, der die Kapelle seit über einem Jahrzehnt mit Kompetenz, Humor und Empathie prägt. Worte, die deutlich machten, was diese Gemeinschaft auszeichnet.

Den offiziellen Abschluss bildete „Oh du fröhliche“, gemeinsam gespielt mit der Bläserklasse – einmal mehr ein logistisches Kunststück angesichts der vielen Musiker auf engstem Raum. Doch das Publikum wollte mehr. Und es bekam mehr – auf eine Weise, die wohl niemand erwartet hatte. Zur Zugabe kamen alle musikalischen Mitwirkenden des Abends zusammen nach vorne auf und vor die Bühne: die Musiker der Kapelle, die Sängerinnen des Chors, Mathilda Klug, die Alphornspieler und natürlich der Bläserklassen-Nachwuchs. Instrumente traten in den Hintergrund, denn diesmal stand der gemeinsame Gesang im Mittelpunkt. Mit „Oh happy day“ erfüllten sie die Kirche mit spürbarer Weihnachtsstimmung. Energie, Begeisterung und Dankbarkeit lagen in der Luft. Es war ein echter Gemeinschaftsmoment – mit einem Schlussbild, das man nicht planen kann, sondern erleben muss.