Es fällt mir manchmal schwer.
Nach Monaten voller Kontrollen, Honigernte, Ablegerbildung und Pflege möchte man als Imker am liebsten noch einmal nachsehen. Sitzt die Königin noch im Volk? Sind genügend Vorräte vorhanden? Ist wirklich alles in Ordnung?
Doch gerade im September lerne ich jedes Jahr dieselbe Lektion.
Irgendwann kommt der Moment, an dem gute Imkerei bedeutet, die Beute wieder zu schließen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Denn jedes unnötige Öffnen stört die Ordnung im Volk. Die Bienen wissen längst, was zu tun ist. Sie ordnen ihre Vorräte, verkleinern ihr Brutnest und bereiten sich auf den Winter vor – ganz ohne unsere Anweisungen.
Vielleicht fällt uns Menschen genau das manchmal schwer.
Wir möchten alles kontrollieren, überall eingreifen und jede Unsicherheit sofort beseitigen. Doch nicht jede Situation wird besser, weil wir noch einmal nachsehen oder noch einmal eingreifen. Manches braucht einfach Zeit. Manches wächst nur, wenn wir ihm die Ruhe dazu lassen.
Die Imkerei hat mich gelehrt, dass Fürsorge nicht bedeutet, ständig präsent zu sein. Gute Fürsorge heißt oft, den richtigen Moment zu erkennen, in dem Hilfe nicht mehr nötig ist.
Vertrauen ist dabei kein Zeichen von Nachlässigkeit. Es entsteht aus Erfahrung. Wer seine Bienenvölker das ganze Jahr aufmerksam begleitet hat, darf darauf vertrauen, dass sie ihren Weg weitergehen.
Vielleicht gilt das nicht nur für Bienen.
Vielleicht zeigt sich Verantwortung manchmal gerade darin, einen Schritt zurückzutreten und Entwicklung zuzulassen.
Die Natur erinnert mich jedes Jahr daran: Nicht alles braucht unsere Hand. Manches braucht einfach unsere Geduld.