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Amtsblatt der Gemeinde Wenzenbach
Ausgabe 10/2018
Informationen der Gmeindeverwaltung
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Bürgerbefragung: Ein breites Meinungsbild

Wie bereits im letzten Amtsblatt berichtet, hat die Gemeinde Wenzenbach im Sommer eine Bürgerbefragung zu verschiedenen Themen der Kommunalpolitik durchgeführt. An dieser nahmen insgesamt 902 Bürgerinnen und Bürger teil.

Nachdem das Thema Verkehr bereits eingehend in einen vorhergehenden Artikel beleuchtet wurde, sollen nun vor allem die Wohnmarktsituation, die Nahversorgung und das Freizeit- und Bildungsangebot in den Fokus rücken.

Bekanntlich erschließt die Gemeinde derzeit selbst ein Baugebiet bei Gonnersdorf und wird noch in diesem Herbst zu sozialverträglichen Konditionen merklich unter den üblichen Baulandpreisen in Wenzenbach Wohnbauparzellen vergeben. Dies wird anhand eines sozialen Kriterienkatalogs erfolgen. Um auch dem Mangel an bezahlbaren Mietswohnungen entgegen zu wirken, hat sich die Gemeinde zudem dazu entschlossen, in Irlbach ein Bauprojekt zum sozialverträglichen Wohnungsbau umzusetzen. Hierzu wurde bereits vor zwei Jahren eine Fläche direkt an der Bayerwaldstraße erworben und mittlerweile städtebaulich ansprechend überplant, sodass der Bauausschuss in seiner Sitzung am 4. September 2018 den dazugehörigen Bauantrag mit gemeindlichem Einvernehmen versehen konnte. Solche Maßnahmen kommen, wie die Bürgerbefragung aufzeigt, innerhalb der Bevölkerung sehr gut an:

Interessant ist dabei im Übrigen auch, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vor allem von Bürgerinnen und Bürger zwischen 25 und 29 und ab dem 60. Lebensjahr gewünscht wird. In den freien Textfeldern des Fragebogens haben die Befragte dieser beiden Altersgruppen demnach auch häufiger angegeben, dass sie gern in Wenzenbach wohnen bleiben würden, sich aber hier keinen Bauplatz leisten können bzw. keine kleinere Wohnungen für sich finden. Hier solle die Politik künftig verstärkt ansetzen. „In einer Wachstumsregion wird man ohne zusätzlichen Flächenverbrauch wohl nicht auskommen, dieser sollte aber so gering wie möglich ausfallen“, so Sebastian Koch. Gelingen könne das nach Auffassung des Bürgermeisters, indem man versucht, für ältere Mitbürgerinnen und –bürger attraktive und barrierefreie Wohnungen zu realisieren und gleichzeitig die dadurch freiwerdenden (für Ältere häufig zu unterhaltsintensiven) Immobilien an junge Familien mit reichlich Wohnflächenbedarf zu vermitteln.

Bei den freien Textfeldern ergab sich zum Thema Baulandausweisung ansonsten eher ein recht ambivalentes Bild. Nicht wenige wünschen sich, dass Wenzenbach nicht mehr weiter wächst, sondern sich seinen Charme als mittelgroße Vorwaldgemeinde bewahrt. Andere wiederum würden eine noch dynamischere Entwicklung Wenzenbachs mit mehr Einkaufsmöglichkeiten, einer besseren Busanbindung usw. begrüßen und dabei auch in Kauf nehmen, dass weitere Grünflächen zur Baulandgewinnung umgewandelt werden. „Um eine möglichst flächensparende Baulandpolitik betreiben zu können, braucht man eine innerörtliche Nachverdichtung“, so der Bürgermeister. Wer also Flächenfraß verhindern möchte, sollte für kleinere Bauparzellen in neuen Wohngebieten bzw. ergänzende Baumaßnahmen an Bestandsimmobilien empfänglich sein.

Insbesondere Grünthaler/innen merkten an, die Gemeinde würde zu viel mit Großinvestoren entwickeln. Entgegen dieser Befürchtungen konzentriert man sich im Gemeinderat derzeit aber vor allem auf eigene Großprojekte und deren Bauleitplanung. Für Bürgermeister Koch sind diese Einlassungen daher nicht ganz nachvollziehbar. „Jeder Bürger, der eine halbwegs realistische Vorstellung davon hat, wie aufwendig größere Bauleitplanverfahren sind, dürfte doch mittlerweile erkannt haben, dass sich die Gemeinde in näherer Zukunft vor allem auf die Bauleitplanungen zur Westumfahrung oder dem sogenannten interkommunalen Gewerbegebiet beim Thanhof konzentrieren muss“, so Koch.

Besonders lebendig wird derzeit wohl über das mögliche Nahversorgungszentrum an der Westumfahrung diskutiert! Hier zeigte sich jedenfalls eine große Meinungsvielfalt in der Bürgerbefragung.

59 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein Nahversorgungszentrum mit Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemarkt im Ort begrüßen würden. 41 Prozent sehen das indes eher kritisch.

Besonders großen Zuspruch fand das Nahversorgungszentrum bei jungen Wenzenbachern bis 40. In der Altersgruppe von 30 bis 39 sprachen sich sogar 69 Prozent für ein Nahversorgungszentrum aus. Bei den Bürgerinnen und Bürgern ab dem 60. Lebensjahr überwiegt indes die Skepsis (55 % Ablehnung).

In den freien Textfeldern wurde von dieser Personengruppe regelmäßig angegeben, dass man eine Verödung der Ortsmitte durch ein Nahversorgungszentrum an der Westumfahrung befürchten würde. Bürgermeister Koch versicherte, dass man sich dieser Gefahr durchaus bewusst sei, weshalb man derzeit mit Spannung auf die konkrete Ausarbeitung eines innerörtlichen Versorgungskonzepts von Edeka warte. Die Befürworter des Nahversorgungszentrums argumentierten indes mit der hohen Kaufkraftabwanderung von etwa 50 Prozent, die unsere Gemeinde nicht einfach hinnehmen dürfe. Es sei höchste Zeit, die Nahversorgung im Ort zukunftsfähig aufzustellen.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang im Übrigen auch, dass sich die Bewohner mancher Ortsteile (z. B. Fußenberg oder Probstberg) ganz offensichtlich auch Vorteile durch die Ansiedlung eines Nahversorgungszentrums zwischen Roith und der Unterlindhofstraße erhoffen:

In den freien Textfeldern zu diesem Themenkomplex wurde im Übrigen auch mehrfach angemerkt, dass ein Bauern- oder Wochenmarkt für die Gemeinde interessant sei. Diesen Gedanken wird die Gemeinde gerne aufgreifen und in den nächsten Monaten eruieren, ob sich hierzu genügend Marktbeschicker finden lassen.

Erfreulich ist für Koch, dass sich die Bürgerinnen und Bürger sehr zufrieden mit der Verwaltung zeigen. Natürlich haben gerade hier einige Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit genutzt, ihren Unmut über Vorfälle von anno dazumal Ausdruck zu verleihen. Im Großen und Ganzen stimmen die Werte aber. 89 Prozent der Befragten empfinden die Gemeindemannschaft als bürgerfreundlich.

Die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte von Wenzenbach wird indes etwas kritischer bewertet. 43 Prozent der Befragten gaben jedenfalls an, dass für sie die Ortsmitte keine Aufenthaltsqualität aufweist.

Dass eine ansprechendere Ortsmitte angenommen werden würde, lässt folgendes Befragungsergebnis vermuten:

Wie hinreichend bekannt sein dürfte, ringt die Gemeinde seit vielen Jahren um eine Generalsanierung des in die Jahre gekommenen Mittelschulbaus am Roither Weg. Hierfür müssten vor Abzug der Förderung bis zu acht Millionen Euro für eine komplette Generalsanierung aller Gebäudeteile investiert werden. Knapp die Hälfte des Schulhauses wird allerdings aufgrund der stark reduzierten Schülerzahl von derzeit nur noch ca. 130 Schülerinnen und Schülern als solches nicht mehr benötigt. Hier könnten auf Kosten der Gemeinde Wenzenbach Raumkapazitäten für die Volkshochschule, die Musikschule oder einige Vereine geschaffen werden. Bei der Sanierung der restlichen und weiterhin benötigten Schulhausfläche kommt es aber auf das finanzielle Zutun der Gemeinde Bernhardswald an. Als Mitglied des Schulverbands müsste sich Bernhardswald eigentlich entsprechend der Schülerzahlen (derzeit 42 Prozent) an den Sanierungskosten beteiligen. Nachdem die Regierung der Oberpfalz einen Antrag auf „Umsprengelung“ (Bernhardswalder Mittelschüler an die MS Regenstauf) sehr entschieden abgelehnt hat, ist man nun in Bernhardswald grundsätzlich bereit, trotz größerer Standortvorteile für die Gemeinde Wenzenbach, an einem Sanierungskonzept mitzuwirken. Diese Sanierung würde auch von der Mehrheit der Wenzenbacherinnen und Wenzenbacher begrüßt werden:

Um der finanziell schwächer gestellten Nachbargemeinde entgegenzukommen, wäre für Bürgermeister Koch hinsichtlich der Schulsanierungskosten übrigens auch denkbar, bei einer Schulverbandsauflösung das vorhandene Schulverbandsvermögen (hauptsächlich Realvermögen des Schulgebäudes und der Gebäude) so aufzuteilen, dass die Gemeinde Wenzenbach guten Gewissens und haushaltsrechtlich vertretbar einen merklich größeren Anteil in die Generalsanierung des Schulhauses investieren könnte. In diesem Zuge müsste die Gemeinde Bernhardswald dann aber vertraglich zusichern, weiterhin entsprechend des fortbestehenden Sprengels Schülerinnen und Schüler nach Wenzenbach zu schicken und sich anteilig an den laufenden Aufwendungen für den Schulbetriebs zu beteiligen. Laut Koch werde man auf dieses Thema in den nächsten Wochen ein besonderes Augenmerk legen. „Derzeit würden bereits Wertgutachter das Vermögen des Schulverbands bewerten. Ob man allerdings bis zur diesjährigen Förderantragsfrist Ende November 2018 eine tragfähige und durch beide Gemeinderäte beschlossene Konsenslösung mit Bernhardswald finden könne, sei fraglich. Wir versuchen unser Bestes, aber Politik per Fingerschnips ist bei solch komplexen Sachverhalten eben nicht möglich“, so Sebastian Koch

Das Freizeitangebot für Kinder- und Jugendliche wird überwiegend positiv gesehen. 55 Prozent der Wenzenbacher/innen sind damit zufrieden und lediglich 11 Prozent bewerten dieses als (eher) unbefriedigend.

Rein statistisch betrachtet sind die Wenzenbacher/innen auch mit dem Freizeitangebot für Erwachsene und Senioren zufrieden. Hier gaben jedenfalls 56 Prozent der Umfrageteilnehmer an, mit dem Angebot zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. In den freien Textfeldern wurden hier aber doch einige Verbesserungsvorschläge dargeboten. Lob gab es für die finanzielle Unterstützung der Vereine durch unsere Gemeinde, allerdings würde man sich auch organisatorische Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung erhoffen. Dies lässt sich aber kaum praktikabel und innerhalb der Wenzenbacher Vereinslandschaft aufgewogen realisieren. Unser Ansatz in der Vereinsförderung ist deshalb eher „Hilfe zur Selbsthilfe“, so Koch. Die Seniorinnen und Senioren würden sich die eine oder andere Anlaufstelle bei Problemen oder auch nur zum geselligen Zusammensein wünschen.

Natürlich gehört zum Freizeitangebot auch eine ansprechende Kulturstätte. Deshalb hat die Gemeinde bereits vor einigen Jahren den Hof des Schlosses Schönberg erworben. Dort wird derzeit für knapp 2 Millionen Euro Baukosten die sogenannte „Sommerlösung“ mit Freilichtbühne, Pergola, Teeküche, Elektroanschlüssen für Weihnachtsmarktbuden und einer netten Parkanlage realisiert. Nachdem im Sommer 2018 die Baugenehmigung hierfür durch das Landratsamt erteilt wurde, sollen die Baumaßnahmen nun innerhalb der nächsten 1 1/2 Jahre (vorbehaltlich keiner weiteren denkmalschutzrelevanter Entwicklungen) abgeschlossen werden. „Ein bisschen ist dieses Vorhaben, dass der jetzige Gemeinderat aus früheren Jahren übernommen hat, ein Fass ohne Boden“, räumt der Bürgermeister ein.

Umso geplättet zeigte er sich deshalb hinsichtlich des Befragungsergebnisses: „Wir wenden hier sehr viel Geld und Zeit für einen gewiss identitätsstiftenden und historisch wertvollen Platz auf, mussten aber im Rahmen der Bürgerbefragung feststellen, dass die Wenzenbacherinnen und Wenzenbacher daran eher semi-interessiert sind.“ Fast 60 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben jedenfalls an, dass Ihnen dieses Projekt unwichtig oder weniger wichtig erscheint.

Gerade bei den Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus dem Ortsteil Schönberg erntet das Projekt aber (nachvollziehbarerweise) einen sehr hohen Zuspruch.