Die zehn Prößl - Geschwister im Jahr 2026
Bild: Bei der symbolischen Scheckübergabe waren Herbert Putzer Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz (links), Dr. Stephanie Kuchlbauer - ärztliche Leiterin der Palliativstation- (Zweite von links) sowie Julian Bäumler - Bonsai e.V. – (rechts) nach Woppenrieth gekommen. Alle Beteiligten bedankten sich herzlich für die großzügige Spende bei Sandra Mitlmeier (Mitte) und Hubert Prößl (Zweiter von rechts).
von franz voelkl
Eingeladen hatte der heutige Besitzer Hubert Prößl, dem es am Herzen lag, dass Verwandte, Freunde, Prominenz und natürlich die Dorfgemeinschaft einen ganzen Sonntag lang im und um den Hof mitfeiern konnten.
„Für mich, meine Familie mit Lebensgefährtin Sandra Mitlmeier ist es wichtig, dieses Jubiläum des Hofes richtig groß zu feiern“, erklärte Hubert Prößl. „Feiern und Gutes tun“ war das Motto.
Dabei wurden kulinarische Leckereien serviert. „Ohne die Unterstützung der ganzen Familie und meiner neun Geschwister wäre dieses Fest mit mehr als 200 Gästen nicht möglich gewesen“, blickt der 52-jährige Hubert Prößl zurück.
Getränke Balk aus Kleinschwand, die Bäckerei Meier aus Etzgersrieth und die Metzgerei Hausner haben das 100-Jahr-Fest unterstützt, da man wusste, dass Spenden der Besucher direkt weitergeleitet werden.
Viele Bilder waren bei der Feier am Hof auf Wäscheleinen zu finden und die Gäste wurden ein Stück mit in die 100-jährige Vergangenheit des Prößlhofes genommen.
Bei der Feier erkannten sich viele Familienmitglieder und auch „alte Bekannte“ wieder in den Bildern und erinnerten sich an ihre Kinder- und Jugendzeit. Fleißig spendeten die Gäste für die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz, Palliativstation Weiden und Bonsai e.V. Altenstadt/WN, wobei insgesamt unglaubliche 5000 Euro an Spenden zusammen kamen.
Erinnerungen auch an einen Zeitungsbericht am Heiligen Abend 1986 in der Tageszeitung, wobei damals über eine der größten Familien im Landkreis berichtet wurde. „Vierzig Knödel für die liebe Familie“ war damals die Überschrift.
So war damals ein „Sieben-Mäderl- und Dreibubenhaus“ angesagt, einer davon, Hubert hat im Jahr 2003 den Hof mit übernommen, das Wohnhaus erneuert und die Landwirtschaft (15 Hektar) allerdings aufgegeben (2006). Er hat ein neues Wohnhaus (2004) gebaut, den Hof trotzdem erhalten und hält ihn perfekt in Schuss. Auch nach dem Tod von Papa Hans (2015) und Mama Hedwig (2023) lebt Sohn Hubert mit seiner Lebensgefährtin Sandra und seinen Söhnen Jonas und Sebastian am Hof. Sie sorgen im Dorfzentrum von Woppenrieth für Sauberkeit und Ordnung, einer der „Zehn“ – Bruder Hans Prößl - wohnt gleich um die Ecke und ist Dorfsprecher von Woppenrieth.
Woher stammen die Prößl?
Johann Prößl wurde in Dorfgmünd bei Grafenwöhr geboren. Der Hof mit Schmiede lag am Fluss Creußen, was die Bewirtschaftung wegen Überschwemmungen schwierig machte. Dies bewog Johann Prößl, das Dorf zu verlassen. Ihm wurde der Lottner Hof in Woppenrieth angeboten.
Der Kaufabschluss erfolgte 1926. Johann Prößl und seine Frau Maria, die vom Binner-Hof aus Parkstein stammte, fanden in Woppenrieth ihre neue Heimat. Der Umzug mit dem Pferdegespann und zwei kleinen Töchtern (Anna und Maria) sowie der Mutter Elisabeth war strapaziös. Johann, ein Schmiedemeister, brachte sein Inventar mit. In Woppenrieth vergrößerte sich die Familie um die Kinder Elisabeth (1929) und Hans (1933).
Tod durch Strom
1948 starb Johann Prößl durch einen Stromschlag bei Reparaturarbeiten in der Scheune. Sohn Hans musste im Alter von 15 Jahren zusammen mit seinen Schwestern in der Landwirtschaft mit anpacken. Freizeit gab es für ihn damals nicht.
Hochzeit von Hedwig und Hans Prößl
Hans Prößl heiratete im Jahr 1958 Hedwig Beer aus Wampenhof. Die beiden wurden Eltern von 10 Kindern – sieben Mädchen und drei Buben. Eine neue Generation wuchs auf dem Hof heran mit 23 Enkel und 18 Urenkel.
Zu den Schwestern von Hans Prößl.
Die älteste Schwester Anna heiratete 1951 Baptist Lindner aus Schlattein. Ihr Sohn ist der jetzige erste Bürgermeister von Floß. Seine jüngere Schwester Liesl heiratete 1957 Hans Weiß aus Wampenhof. Die mittlere Schwester Maria blieb mit Sohn Rudi auf dem Hof. Auch der Hof selbst veränderte sich mit den Jahren. Hans stellte den Betrieb auf Schweinezucht um, später wurden wieder Rinder gehalten. Dazu wurden die Gebäude auf dem Hof mehrmals an- bzw. umgebaut.
Die Flurbereinigung erfolgte 1972. Hier war Hans Vorsitzender.
Sohn Hubert heiratete 2003 Daniela Meier aus Waldthurn. Im gleichen Jahr erfolgte die Übergabe des Prößlhofes an Hubert.
Er riss das alte Haus und die Stallung im Frühjahr 2004 ab und erbaute an gleicher Stelle – mit tatkräftiger Unterstützung seiner Geschwister - ein neues Haus, sodass auch Hedwig und Hans im November 2004 in das neue Haus einziehen konnten.
Hubert selbst bezog mit seiner Familie im Jahr 2005 das neue Haus in Woppenrieth. Seine beiden Söhne Jonas und Sebastian stehen für die nächste Generation der Familie Prößl am Prößlhof.
Doch auch diese Generation musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften.
Im Jahr 2013 erkrankte Daniela und verstarb. Für Hubert und die gesamte Familie bedeutete dies eine große emotionale Herausforderung.
Im Jahr 2015 verstarb auch Vater Hans Prößl und die Mutter Hedwig im Jahr 2023.
Wenn wir heute auf die Geschichte zurückblicken, sehen wir mehr als nur einen Hof. Wir sehen Generationen von Menschen, die hier gearbeitet und gelebt haben. Menschen, die ihre Heimat verlassen und eine neue gefunden haben. Die schwere Zeiten überstanden, Verluste getragen, Familien gegründet und immer wieder Neues aufgebaut haben.
Seit dem Kaufvertrag im Jahr 1926 sind nun 100 Jahre vergangen. Ein Jahrhundert voller Veränderungen, Arbeit, Herausforderungen und Familiengeschichte.
Und so ist dieses Jubiläum nicht nur ein Fest für einen Hof. Es ist ein Fest für all jene, die diesen Ort in den vergangenen 100 Jahren geprägt haben – und für diejenigen, die seine Geschichte in Zukunft weiterschreiben werden.
Unser Dank gilt heute Hubert und Sandra, die dieses 100-jährige Jubiläum zum Anlass genommen haben, dieses Hoffest ins Leben zu rufen und uns alle hier zusammenzubringen. Denn erst durch solche gemeinsamen Momente wird Geschichte wieder lebendig – in den Erinnerungen, in den Erzählungen und in den Menschen, die miteinander verbunden sind.
Auf vergangene 100 Jahre Hofgeschichte – und auf viele weitere Geschichten, die auf diesem Hof noch geschrieben werden.
von franz voelkl
Die Spenden wurden offiziell an drei Einrichtungen übergeben: 2000 Euro an die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz, jeweils 1500 Euro an die Palliativstation Weiden sowie an den Verein Bonsai e.V. Alle drei Organisationen leisten wertvolle Arbeit für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Gastgeber Hubert Prößl betonte, dass es ihm ein Anliegen war, das Jubiläum mit einem guten Zweck zu verbinden. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie und Dorfgemeinschaft habe maßgeblich zum Erfolg beigetragen.