„Müßiggang ist aller Laster Anfang“ Diesen Spruch haben wir immer wieder gehört und vermutlich haben wir auch danach gehandelt. Auch bei Martin Luther heißt es: „Müßiggang ist Sünde wider Gottes Gebot, der hier Arbeit befohlen hat. Zum anderen sündigst du gegen deinen Nächsten.“ Ganz anders klang es noch bei den Griechen. Körperliche Arbeit wurde nur den Frauen, Sklaven und Knechten zugemutet. Wer arbeitet ist nicht frei. Und Cicero meint: „Alle Handwerker befassen sich mit einer schmutzigen Tätigkeit, denn eine Werkstatt hat nichts Edles an sich.“ Welche Einstellung haben wir heute zur Arbeit?
Zunächst vielleicht eine Unterscheidung: Eine Arbeit, die dem Broterwerb dient und eine Tätigkeit, die nicht bezahlt, aber doch von uns erledigt wird, sind zweierlei. Beides verdient Anerkennung und beansprucht Zeit.
Wer jedoch ohne Grund auf die Lohnarbeit verzichtet, sollte es sich „leisten“ können. Ansonsten lebt er von der Unterstützung der Gemeinschaft. Das gefällt vielen Mitbürgern nicht. Früher nannte man diese Lebenskünstler noch liebevoll „Gammler“ heute abfällig „Schmarotzer“. Spricht da der Neid oder die Sünde gegen deinen Nächsten, von der Luther sprach?
War es noch bis vor Kurzem chic eine 50-Stunden-Woche zu haben, kehrt sich das Verhältnis von Arbeit und Freizeit gerade um. Auch wenn uns die Arbeit das nötige Geld zum Leben, Kontakte zur Außenwelt, einen geregelten Tagesablauf und hoffentlich Anerkennung durch Kollegen oder den Vorgesetzen bringt, soll sie uns nicht mehr „auffressen“. Zeit für die Familie, für das Hobby und Zeit zum „Chillen“ sind wichtiger geworden. Der Spruch „Schaffe, schaffe Häusle baue und dann …!“ taugte noch nie und zeigt die Perversion eines Arbeitenden. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, ist eine Kunst. Die Freizeit auf ein „Später im Rentenalter“ zu verschieben, kann gefährlich sein, denn nicht jeder erlebt das 70. Lebensjahr. Freuen wir uns, dass wir in Maßen arbeiten, in Bescheidenheit leben und beides in Gesundheit miteinander verbinden können!
Herzliche Einladung an alle Interessierten zu den nächsten Philosophischen Cafés am 21. Juni und am 20. Juli jeweils um 19.30 Uhr im Quartierstreff in der Siedlung. (M. Horsche)