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Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Heßdorf
Ausgabe 528/2026
Aus der Verwaltungsgemeinschaft
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Tiere des Jahres 2026

Der Warzenbeißer, eine seltene Heuschrecke

Rebhuhn, Warzenbeißer und Bläuling

Jedes Jahr werden von verschiedenen Naturschutz- und Umweltverbänden Tiere des Jahres ausgewählt, um öffentlich auf sie aufmerksam zu machen oder über ihre Gefährdung zu informieren.

Ein Beispiel dafür ist der Vogel des Jahres, das Rebhuhn, dessen Bestand seit 1980 in Deutschland um fast 90 Prozent zurückgegangen ist. Sein Lebensraum sind Steppenlandschaften und Felder, wo es sich von Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide ernährt. Die Küken fressen in den ersten Lebenswochen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere. Dieser Hühnervogel braucht Hecken, Feldraine und Gräben, die er in der intensiv genutzten Landschaft immer weniger findet. Zusätzlich machen ihm Pestizide zu schaffen,die seine Nahrung vernichten. Mehr Brachflächen und ökologische Landwirtschaft würden ihm neue Lebensräume verschaffen.

Weniger Sympathien dürften dem Insekt des Jahres, dem Warzenbeißer, wegen seines skurrilen Namens entgegengebracht werden. Er steht aber als Beispiel für die bedrohte Insektenvielfalt in halbtrockenen Wiesenlandschaften. Sein Name kommt daher, dass man diese Heuschrecken früher in Warzen beißen ließ, weil ihre ätzenden Verdauungssäfte angeblich heilend wirkten. Die bulligen Tiere mit langen Fühlern leben in offenen Magerrasen und auch auf Ackerbrachen.

Der Naturforscher A. J. Rösel von Rosenhof warnte in seinem Buch „Insecten-Belustigungen“ im 18. Jahrhundert davor, diese Tiere zu fangen, weil sie kräftig zubeißen können. Diese Gefahr besteht für uns heute kaum mehr. In Deutschland sind sie schon gebietsweise verschwunden, weil sie sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren.

Einen interessanten Lebenszyklus hat der Schmetterling des Jahres, der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Sein Name weist auf seine beiden Lebensräume hin. Die erwachsenen Falter leben nur auf dem Großen Wiesenknopf. Sie ernähren sich vom Nektar, schlafen, balzen und paaren sich nur auf dieser Pflanze und legen dort auch ihre Eier ab.

Wenn die Larven geschlüpft sind, ernähren sie sich von den Blüten, bis sie sich dreimal gehäutet haben. Dann lassen sie sich zu Boden fallen und warten darauf, dass eine Rotgelbe Knotenameise sie findet und in das Ameisennest trägt. Die Raupen tarnen sich dabei mit Duft und Honigdrüsen und ahmen die Gestalt von Ameisenlarven nach. Im Nest angekommen fressen sie sich an hunderten Ameisenlarven satt. Zehn Monate bleiben die Raupen im Nest und verpuppen sich dort. Wenn die Falter geschlüpft sind, müssen sie so schnell wie möglich das Weite suchen, denn ihre Tarnung ist nicht mehr vorhanden. An der Erdoberfläche entfalten sie ihre Flügel und fliegen davon.

Wegen seiner Lebensweise ist dieser Bläuling besonders gefährdet, weil er auf extensiv genutzte Feuchtwiesen angewiesen ist, wo der Wiesenknopf und die Knotenameise zusammen vorkommen. Diese Wiesen werden aber immer seltener und spezielle Schutzmaßnahmen, die solche Lebensräume erhalten, kommen auch anderen Tieren und Pflanzen zugute.

Eine Auflistung aller Tiere und Pflanzen des Jahres ist unter Natur des Jahres 2026: Alle Jahreswesen im Überblick - NABU zu finden.