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Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Heßdorf
Ausgabe 529/2026
Aus der Verwaltungsgemeinschaft
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Espe oder Zitterpappel: Baum des Jahres 2026

Die Espe hat auffällige Blätter

Wer die Espe (Populus tremula) einmal bewusst wahrgenommenen hat, wird diesen Baum immer wieder erkennen, denn sein Blattwerk bewegt sich ständig und das macht ihn zu einem unserer auffälligsten Laubbäume. Die rundlichen, leicht herzförmigen Blätter haben einen seitlich abgeflachten langen elastischen Blattstiel, weshalb die die Blätter sich schon beim geringsten Luftzug charakteristisch im Wind wiegen, sie „zittern“. Daher der verbreitete Name Zitterpappel oder auch die Redewendung „zittern wie Espenlaub“. Die auf der Oberseite glänzenden und unten matten Blätter der Zitter-Pappel sind beim Austreiben fast kupferfarben, im Herbst verfärben sie sich leuchtend goldgelb.

Espenblätter sind eine entscheidende Nahrungsgrundlage der in Mitteleuropa heimischen Schmetterlinge, tatsächlich nutzen über 60 Schmetterlingsarten Espenblätter als Futterquelle für ihre Raupen, darunter die Raupen von vielen attraktiven, gefährdeten Tagfaltern. Für die Insekten sind vor allem sonnenbeschienene strauchförmige Espen und junge Bäume an Waldrändern wichtig, da die Larven dort ein geeignetes Mikroklima für ihr Wachstum finden. Auch im Seebachgrund kann man einige Zitterpappeln an Waldrändern entdecken. Um die Artenvielfalt zu erhalten sollte eine Rodung derartiger Bestände dringend vermieden werden.

Espen blühen von März bis April. Da die Espe zweihäusig ist, sind die weiblichen und männlichen Blüten auf getrennten Bäumen. Männliche Bäume tragen sehr viele dicke, graubraune Kätzchen, die nach der Blüte rasch vom Baum fallen und in großer Anzahl am Boden zu finden sind. Die Bestäubung der kleineren, grünen Kätzchen auf den weiblichen Bäumen erfolgt durch den Wind. Mitte Mai fliegen von den weiblichen Bäumen nach dem Aufplatzen der zweiklappigen Kapseln unzählige weißwollige, zart behaarte Samen und werden vom Wind weit verbreitet. An manchen Tagen scheint es, es gäbe Schneeflocken mitten im Mai.

Die Zitter-Pappel vermehrt sich aber auch durch ihre zahlreichen Wurzelausläufer, die bis zu 40 Meter entfernt von der Mutterpflanze reichen. Aus diesem weit verzweigten Wurzelsystem treiben immer wieder neue Schösslinge, sodass auf diese Weise große Bestände genetisch identischer Bäume entstehen können. In Utah (USA) steht ein so entstandener gewaltiger Klon der Amerikanischen Zitterpappel, der als größter lebender Organismus der Welt gilt.

Verbreitet ist die Zitterpappel in fast ganz Europa, in weiten Teilen Asiens und auch Nordafrikas. Als mittelgroßer Baum erreicht sie eine Höhe von 15 bis 25 Metern. Ihr schlanker Stamm hat in der Jugend eine glatte, graugrüne Rinde, die im Alter dunkler und rissiger wird. Die Espe ist frosthart, wächst schnell und kommt auch mit geringer Bodenqualität zurecht. Ihr nährstoffreiches Laub zersetzt sich leicht und führt so zur Bodenverbesserung. Sie gilt daher als Pionierbaumart, der im Zuge des Klimawandels in der Forstwirtschaft besondere Bedeutung zukommt. Mit ihrer ausgedehnten Wurzelbrut kann der rasch wachsende Baum abgestorbene Bäume ersetzen und karge Flächen nach Waldbränden, Stürmen oder Kahlschlägen wieder begrünen und dabei die Bodenqualität verbessern.

Espenholz ist elastisch und weich. Es wird zu Spanplatten, Sperrholz und Zellstoff verarbeitet, aber auch Streichhölzer und Zahnstocher werden aus ihm hergestellt.

Eckhard Bailer