Der Ackerrittersporn hat faszinierende Blüten.
Ein Gastbeitrag von Eckhard Bailer
Früher leuchtete der Feld- oder Ackerrittersporn (Consolida regalis) überall kräftig dunkelblau zwischen den Ähren an den Rändern der Getreideäcker, mit ihm vergesellschaftet andere Ackerblumen wie Sommeradonisröschen, Frauenspiegel, Mohn und Kornblume. Wie viele andere Ackerwildkräuter ist der dunkelblaue Feldrittersporn durch die Intensivierung der Landwirtschaft in Mitteleuropa selten geworden, in allen Bundesländern steht er inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Um auf diesen dramatischen Artenschwund in den Agrarlandschaften aufmerksam zu machen, wurde der Feldrittersporn zur Blume des Jahres 2026 gewählt, stellvertretend für eine Vielzahl anderer gefährdeter Ackerwildkräuter.
Seine blau-violette Farbe und die Blütenform machen den Ackerrittersporn unverwechselbar. Die einjährige krautige Pflanze wird bis zu 50 Zentimeter hoch, ist reichlich verzweigt und zeigt auffällige blauviolette Einzelblüten mit einem 2 bis 4 Zentimeter langen waagrechten oder nach oben zeigenden schmalen Sporn. Seinen Nektar können nur langrüsselige Hummeln sowie Schmetterlinge und Wildbienen mit einem langen Rüssel erreichen, denn die Öffnung des Blütentrichters ist gerade so groß wie ein Hummelkopf. Da die Blüten sich von unten Schritt für Schritt nacheinander öffnen, blüht der Feldrittersporn von Mai bis September. Als Hahnenfußgewächs ist er wie viele seiner Verwandten leicht giftig.
Über Jahrhunderte ist in den mitteleuropäischen Agrarlandschaften ein artenreiches Zusammenspiel von Ackerwildkräutern, Feldtieren und den von Menschen angebauten Nutzpflanzen entstanden. Ackerrittersporn, Mohn, Kornblume und Kamille, aber auch Feldhamster, Feldhase, Feldlerche und Rebhühner gehörten zu dieser Landschaft. Durch den ständig steigenden Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln bei der Bodenbearbeitung und durch die Mechanisierung ist dieses gewachsene Zusammenspiel zerstört worden. Die intensive Landwirtschaft hat nicht nur die Feldtiere verdrängt, sondern auch die Vielfalt von Kulturpflanzen und Wildpflanzenarten stark reduziert.
Nicht nur die Unkrautbekämpfung auch die Aufbereitung des Saatguts ist ein wichtiger Grund für die Abnahme der wild wachsenden Pflanzen auf den Äckern, da ihre Samen nun nicht mehr wie früher mit denen der Kulturpflanzen ausgebracht werden.
„Die Pflanzen und Tiere, die uns Menschen jahrhundertelang als Kulturfolger begleitet haben, die unsere Landschaften bunt und lebendig gestaltet haben, verschwinden. Um sie zu retten, müssen wir der Monotonie der Agrarlandschaften etwas entgegensetzen!", fordert Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung, die sich deutschlandweit für die Erhaltung seltener Pflanzen und Tiere einsetzt. Besonders die Pflanzen als unverzichtbare Begleiter der Menschen stehen im Blickpunkt der Stiftung und so wird, wie dieses Jahr der Ackerrittersporn, jährlich eine bedrohte Pflanze zur Blume des Jahres gewählt.
Damit seltene Arten überleben können, hat die Stiftung in zwölf Bundesländern eigene Flächen und Rückzugsräume geschaffen. Dazu zählen wilde, schonend genutzte Wiesen, naturnahe Wälder und artenreiche Hecken.
Auch jede und jeder Einzelne kann im eigenen Garten und auf dem Balkon zur Förderung der Artenvielfalt beitragen. Spezielle Saatgutmischungen sind bei der Loki Schmidt Stiftung https://loki-schmidt-stiftung.de/ oder im Shop des Bund Naturschutz https://service.bund-naturschutz.de/ erhältlich.