Kröten im Doppelpack
Ein Gastbeitrag von Eckhard Bailer, Schriftführer Bund Naturschutz, OG Seebachgrund
Im späten Winter nach einigen wärmeren Tagen laufen sie wieder, die Kröten und andere Amphibien. Vielleicht sind Ihnen die Krötenzäune am Rand der Landstraßen schon aufgefallen. Mitglieder und Helfer des BN haben überall in Bayern bereits im Februar und März entlang von Straßen um die 500 Amphibienzäune aufgebaut oder aufbauen lassen. Durch diese Hindernisse werden die Tiere daran gehindert, auf die Straße zu hüpfen. Entlang der Zäune suchen sie einen Durchschlupf und plumpsen dabei in dort eingegrabene Eimer. Tausende ehrenamtliche Helfer tragen die Amphibien dann über die Straße zu ihren Laichgewässern. Und das wochenlang jeden Morgen und jeden Abend egal wie das Wetter ist. Mit diesen Amphibienschutzaktionen an Straßen retten Tausende ehrenamtlicher Helfer in Bayern jedes Jahr rund eine halbe Million Kröten, Frösche und Molche vor dem sicheren Straßentod, ermöglichen ihnen so sich fortzupflanzen und die Art zu erhalten.
Aber warum machen sich die Amphibien auf die Wanderschaft?
Amphibien leben sowohl an Land als auch im Wasser und sie wandern zwischen diesen beiden Lebensräumen. Als wechselwarme Tiere sind sie abhängig von der Umgebungstemperatur. Wenn die Nachttemperaturen im späten Winter über fünf Grad Celsius liegen und es draußen feucht genug ist, werden die Amphibien in ihren Winterquartieren aktiv. Hormone lösen die Wanderbereitschaft aus und die Tiere beginnen meist in der Dämmerung zu ihren Laichgewässern zu wandern. Ihr Weg beträgt dabei oft mehrere Kilometer und in unseren zersiedelten Landschaften mit sich laufend vergrößernder Straßendichte müssen sie immer öfter Fahrbahnen überqueren, was oft den Tod bedeutet. Besonders im direkten Umfeld von Laichgewässern wäre die Anzahl an überfahrenen Tieren ohne die Schutzmaßnahmen sehr groß.
Erdkröten und Grasfrösche machen sich als erste auf die Wanderschaft, Teich- und Seefrösche folgen später. Die männlichen Erdkröten wandern zuerst und erwarten die Weibchen in den Laichgewässern. Dann ist Balzsaison und überall im Seebachgrund sind die Männchen beim Froschkonzert zu hören. Gleich nach dem Ablaichen wandern die Weibchen wieder zurück ins Sommerquartier. Zu- und Abwanderung der Weibchen an den Gewässern können sich so überschneiden. Die Männchen bleiben noch so lange im Laichgewässer, bis sie sicher sind, dass keine paarungswilligen Weibchen mehr kommen. Nach der Metamorphose vom Ei über die Larve (Kaulquappe) zum erwachsenen Tier wandern die Jungamphibien dann auch vom Laichgewässer in die Sommer- und Winterquartiere.
Ein dauerhaft installiertes Amphibien-Leitsystem mit fest an einer Straße installierten Barrieren und einem Amphibientunnel ist die effektivste, aber auch mit Abstand teuerste Amphibien-Schutzmaßnahme. Sie bietet einen ganzjährigen Schutz für Amphibien, auch der abwandernden Jungamphibien. In Großenseebach gibt es seit 5 Jahren einen Amphibientunnel, der sich bewährt hat.
Doch trotz der wirkungsvollen Krötenschutzaktionen an Bayerns Straßen zählen Frösche und viele andere Amphibien zu den gefährdeten Arten. Denn es gibt immer weniger Feuchtgebiete, Auen und Moore und damit weniger Laichgewässer. Lurche sind auf einen feuchten Lebensraums angewiesen, denn sie nehmen Sauerstoff und Wasser auch über die Haut auf, sie atmen und trinken quasi auf diese Weise. Damit die Haut ihre Funktion erfüllen kann, darf sie nicht zu trocken werden. Der Klimawandel mit immer trockeneren und heißeren Sommern gefährdet die Tiere sehr stark und führte zu einem stetigen Rückgang der Populationen.
In monotonen, großflächigen Agrargebieten finden Amphibien keine Verstecke und ihr Lebensraum wird durch die intensive Landwirtschaft ständig weiter eingeschränkt, zudem werden sie geschädigt durch Spritzmittel, die sie über die feuchte, durchlässige Haut leicht aufnehmen. Dies kann zum Tod führen, das Immunsystem der Tiere schwächen oder die Entwicklung von der Kaulquappe zum erwachsenen Tier stören. Aber auch in sterilen Gärten finden Amphibien keine Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten, Licht- oder Kellerschächte können zu tödlichen Fallen werden, wenn die Tiere hineingefallen sind.
Um Amphibien wirkungsvoll zu schützen müssen ihre Lebensräume erhalten bzw. wiederhergestellt werden, eine strukturreiche Landschaft mit feuchten oder nassen Wiesen, Hecken und Gräben und artenreichen Gewässern.