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Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Heßdorf
Ausgabe 533/2026
Aus der Verwaltungsgemeinschaft
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Aus der Verwaltungsgemeinschaft

Junge Stare betteln um Futter.

 

Hilfe für junge Vögel?

Im Frühjahr brüten die Vögel wieder in unseren Gärten und gelegentlich sieht man Jungvögel bei ihren ersten Flugversuchen. Da kann es sein, dass im Garten auf einmal ein scheinbar hilfloser junger Vogel sitzt. Was soll man tun? Es ist ein natürlicher Impuls helfen zu wollen. Aber nicht immer ist eine solche Hilfe für Wildtiere sinnvoll. Das hat man unlängst an dem umstrittenen Rettungsversuch für den gestrandeten Wal in der Ostsee gesehen, eine Aktion, die sogar Greenpeace als „absurde Geschichte“ bezeichnete.

Bei einem Jungvogel kann vorschnelle, unüberlegte Hilfe dem Tier schaden und es unter Umständen wirklich zu einem Pflegefall machen.

Der Anschein der Hilflosigkeit des jungen Vogels täuscht häufig, denn die Jungen vieler Singvögel verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. „Ästlinge“ nennt man diese Jungvögel, die tollpatschig flatternd von Ast zu Ast hüpfen. Sie können meist nur ganz kurze Strecken fliegen. Man spricht auch von der Bettelflugperiode. Denn die fast flugfähigen Jungvögel stehen mit ihren Eltern durch Bettelrufe in Verbindung und werden außerhalb des Nestes von ihren Eltern gefüttert und versorgt. In diesem entscheidenden Lebensabschnitt lernen sie durch Beobachten und Nachahmen, wo und wie man in freier Wildbahn Futter findet. Bei Gefahr bleiben die sonst dauernd zwitschernden Jungvögel stumm, warten regungslos ab und verhalten sich ruhig. Ihr einziger Schutz in dieser Phase ist ihr tarnfarbenes Gefieder. Schritt für Schritt lernen sie, welche Gefahren drohen und wie man sich entsprechend verhält.

Sieht man einen scheinbar verwaisten Jungvogel, so ist es sinnvoll ihn im gebotenem Abstand, am besten in einem Versteck, vorsichtig zu beobachten und abzuwarten. Meist tauchen rasch die Eltern auf, versorgen den jungen Vogel und kümmern sich um ihn. Man hat nachgewiesen, dass Vogeleltern bis zu 24 Stunden nach ihrem Nachwuchs suchen.

Einen versehentlich mitgenommenen gesunden Jungvogel kann man innerhalb dieser Zeit auch wieder an den Fundort zurückbringen. Die menschliche Berührung ist im Unterschied zu anderen Wildtierarten kein Problem bei Vögeln.

Droht Gefahr durch Katzen, dann ist es sinnvoll, den Vogel in einen Busch oder in eine Hecke zu setzen, so dass er etwas geschützt ist. Und die Katze vertreibt man am besten.

Ist der Jungvogel offensichtlich verletzt, etwa durch einen Katzenbiss, sollte man ihn in eine Tierarztpraxis bringen. Wichtig ist es aber vorher in der Praxis anzurufen, um zu klären, ob der Vogel fachgerecht behandelt werden kann, denn nicht alle Tierärzte verfügen über die notwendigen Fachkenntnisse bei Kleinvögeln. Der Transport sollte in einem luftdurchlässigen Karton erfolgen. In keinem Fall sollte man dem Vogel mit einer kleinen Spritze Wasser in den Schnabel spritzen, denn er könnte dabei ersticken.

Jungvögel, die noch kein wärmendes Federkleid haben, also nackt sind, nennt man Nestlinge. Findet man einen solchen nackten jungen Vogel, so braucht er auf jeden Fall Hilfe, denn er kann rasch an Auskühlung sterben. Nestlinge sind meist aus dem Nest gefallen. Sofern Sie die Vogeleltern zuvor beobachtet haben und wissen, wo ihr Nest ist, können Sie den Vogel vorsichtig zurücksetzen und mit ausreichendem Abstand die Entwicklung beobachten.

Im Zweifelsfall kann man sich auch mit dem Tierheim Erlangen oder dem LBV-Mittelfranken in Verbindung setzen, um Rat und Hilfe zu bekommen.

Grundsätzlich ist eine Aufzucht zu Hause nur etwas für wirkliche Fachleute. Selbst bei fachgerechter Pflege hat ein so aufgezogener Jungvogel deutlich schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Denn es besteht die Gefahr, dass er eine Fehlprägung auf den Menschen erhält und die Auswilderung schwierig ist.

Eckhard Bailer
(Bund Naturschutz, Ortsgruppe Seebachgrund)