Streicheleinheiten für Esel Remi, nur eins von vielen tierischen Bewohnern des Europa-Jugendbauernhofs Deetz.
Gemeinsam Arbeiten und Spaß haben gingen bei den Internationalen Workcamps Hand in Hand.
Das Haupthaus des Europa-Jugendbauernhofs in Deetz.
Im Gemeinschaftsraum samt Küche wird gemeinsam gebacken.
Angebote im Hofladen des Jugendbauernhofs.
Remi hält genüsslich den Kopf über den Zaun – Der Esel genießt die Streicheleinheiten von Ulrich Weimeister. Sonst übernehmen die jungen Besucher des Europa-Jugendbauernhofs in Deetz das Kraulen des Grautiers. Doch über die Wintermonate ist es ruhig im einzigen Schullandheim des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, da übernimmt der Chef das auch mal selbst.
Seit 2008 leitet Weimeister den Jugendbauernhof, hat diese Aufgabe von seiner Mutter Margrit übernommen, die schon 1996 den gleichnamigen Verein „Europa-Jugendbauernhof Deetz“ gründete und die Einrichtung aufbaute.
„Meine Mutter war eine Überlebende des zweiten Weltkriegs“, erklärt Ulrich Weimeister. „Sie setzte sich für die internationale Jugendarbeit ein, weil sie nicht wollte, dass Menschen jemals wieder aufeinander schießen.“ Über viele Jahre hinweg kamen zum Jugendbauernhof Deetz deshalb Gäste aus aller Welt. „Bei den internationalen Workcamps hatten wir über die Jahre mehr als 1100 Jugendliche hier, aus allen möglichen Ländern, von allen Kontinenten, außer Australien“, erinnert sich Weimeister begeistert. Drei Wochen lang hätten die internationalen Gäste gemeinsam auf dem Bauernhof gelebt, gearbeitet und gefeiert. Die jungen Leute hätten die deutsche Kultur kennengelernt und geholfen kleine Projekte auf dem Hof zu realisieren.
Durch Corona sei das leider eingeschlafen, so Weimeister, seitdem beherberge man auf dem Bauernhof überwiegend Schulklassen und organisiere Ferienlager.
Etwa 80 Betten stünden derzeit im Haupthaus und dem alten Pfarrhaus zur Verfügung. Im zweiten Gebäude soll in den kommenden Monaten umgebaut werden, weitere Übernachtungsmöglichkeiten entstehen. Die Kinder und Jugendlichen erwarten in Deetz nicht nur gemütliche zum Teil barrierefreie Zimmer, moderne Sanitäreinrichtungen und Gemeinschafträume, sie können sich vor allem auf einem großen Gelände austoben.
Hier gibt es genug Platz zum Spielen und neben Esel Remi noch jede Menge anderer Tiere. Gänse, Hühner, Tauben, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde – „Alles außer Kühe“, so Leiter Weimeister, aber die könnten in einem großen Stall im Ort besucht werden.
All diese Tiere müssen natürlich versorgt werden und dabei können die jungen Gäste des Bauernhofs mithelfen. „Das Highlight für die Kinder ist tatsächlich immer das Ausmisten“, freut sich der studierte Erzieher Weimeister. Auch sonst gäbe es viel über die Natur zu lernen, über Bienen und die Imkerei zum Beispiel, wie aus Korn Brot wird oder zu was Milch weiterverarbeitet werden kann.
Weiterverarbeitet wird übrigens auch das Fleisch der Sattelschweine, die auf dem Hof leben. „Einmal im Monat wird eins geschlachtet, Fleisch und Wurst gibt es dann hier bei uns im Hofladen.“ Den nutzen auch die Deetzer Bürgern gern und der Nachwuchs des Ortes kennt den Hof sowieso, befindet sich doch auch der Deetzer Jugendclub an Ort und Stelle, wird von Ulrich Weimeister geleitet.
Die Einrichtung erfahre viel Unterstützung aus dem Dorf und aus der Region, so Weimeister dankbar. Sein letztes großes Projekt wird der Umbau des alten Pfarrhauses sein. Ist der beendet, könnten vier Schulklassen gleichzeitig zur Klassenfahrt nach Deetz kommen, der Hof sei dann bestmöglich für die Zukunft aufgestellt sagt Weimeister. „Ich bin wirklich stolz, dass ich meine Vision des Hofs in den letzten Jahren trotz vieler Höhen und Tiefen umsetzen konnte.“ Das klingt wie ein Abschied und ist es auch, denn Ulrich Weimeister bereitet so langsam seinen Abschied in den Ruhestand vor. Die Geschicke des Europa-Jugendbauernhofs in Deetz wird dann jemand anders leiten, zum Esel-Kraulen kommt Weimeister aber bestimmt weiter vorbei.
Weitere Informationen zum Europa-Jugendbauernhof finden Sie unter www.europa-jugendbauernhof-deetz.de.