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Informations- und Amtsblatt des LK Anhalt-Bitterfeld
Ausgabe 1/2026
Die Landkreisverwaltung informiert
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Kreistag stimmt für den Erhalt des Krankenhauses Zerbst – Übernahme aller Mitarbeiter zugesagt

Die Experten der Klinikmanagement- und Beratungsgesellschaft HC&S empfehlen dem Landkreis die Übernahme des Zerbster Krankenhauses. Das Gutachten wurde am 11. Dezember 2025 im nicht-öffentlichen Teil der Kreistagssitzung vorgestellt. Die anschließende Debatte legte eine fraktionsübergreifende Einigkeit offen, die Gesundheitsversorgung in Zerbst und Umgebung dauerhaft und nachhaltig in kommunaler Trägerschaft zu sichern. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss wurde gefasst, sodass der Landkreis nun in konkrete Übernahmeverhandlungen mit dem privaten Klinikbetreiber Helios eintreten kann.

Das Krankenhaus mit seinem MVZ ist relevant für die stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Zu dieser Grundaussage kommt HC&S in seinem vorgestellten Standortkonzept. Es sieht insbesondere die Fortsetzung der internistischen und chirurgischen Patientenversorgung sowie die Notfallversorgung über die Zentrale Notaufnahme vor. Auch wenn die Phase des Trägerwechsels zunächst mit Kosten verbunden ist, kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass nach einer Übergangsphase ein ökonomisch stabiler Betrieb möglich ist. Zudem wird erwartet, dass es zwischen dem Krankenhaus in Zerbst und dem sich bereits in der Trägerschaft des Landkreises Anhalt-Bitterfeld befindenden Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen Synergien gibt. Diese Synergien werden insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Beschaffung sowie der Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen gesehen.

Konkret ist vorgesehen, dass Zerbst künftig als sogenanntes Level-1n-Krankenhaus betrieben wird. Dabei handelt es sich im Sinne der aktuellen Krankenhausreform um ein modernes Grundversorgungskrankenhaus, das eine grundlegende medizinische Basisversorgung sicherstellt. Es verfügt über eine Notaufnahme, hält zentrale Fachbereiche wie Innere Medizin und Chirurgie vor und kann Patienten auch in akuten Situationen direkt vor Ort versorgen. Die Zentrale Notaufnahme bleibt entsprechend erhalten. Insgesamt sollen 70 bis 80 Betten dauerhaft betrieben werden. Darüber hinaus ist die Einrichtung einer Geriatrie, der medizinischen Versorgung älterer Menschen, angedacht, um der demografischen Entwicklung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Rechnung zu tragen. Auch das MVZ in Zerbst mit seiner Außenstelle in Dessau-Roßlau soll fortgeführt werden.

Unabhängig von der grundsätzlichen Möglichkeit, das Krankenhaus nach einer Phase mit Anlaufverlusten wirtschaftlich zu betreiben, sehen die Experten von HC&S einen erheblichen Investitions- und Instandhaltungsbedarf. Diese notwendige Unterstützung könne nicht allein durch den Betreiberwechsel aufgefangen werden. Der am 19. November 2025 durch Landrat Andy Grabner (CDU) initiierte Termin mit hochrangigen Vertretern des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, des Innen- und des Finanzministeriums Sachsen-Anhalts ließ hier jedoch eine grundsätzliche Bereitschaft des Landes erkennen, den Landkreis finanziell zu unterstützen. In der politischen Bewertung gilt dies als zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Lösung am Standort.

Landrat Andy Grabner zeigt sich hochzufrieden über den Grundsatzbeschluss: „Die Rekommunalisierung ist ein starkes Signal für die Menschen in Zerbst und im gesamten Landkreis. Besonders freut mich der fraktionsübergreifende Konsens, der zeigt, dass wir uns parteiübergreifend für die Gesundheitsversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Ich danke allen, die in den letzten Wochen Verantwortung übernommen haben. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage dafür, dass die medizinische Versorgung vor Ort nachhaltig gesichert wird.“

Kurz vor Weihnachten gab es außerdem eine wichtige und positive Nachricht für die Beschäftigten der Helios Klinik Zerbst/Anhalt: Im Zuge der geplanten Übernahme des Krankenhauses durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld zum 1. März 2026 sollen sämtliche Mitarbeiter übernommen werden. Diese zentrale Zusage ist Ergebnis konstruktiver Verhandlungen, die am 18. Dezember 2025 in Berlin geführt wurden.

In der Bundeshauptstadt verhandelte eine vom Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Andy Grabner (CDU), angeführte Delegation mit dem derzeitigen Träger Helios entscheidende Eckpunkte der Übernahme. Ein zentraler Bestandteil dieser Vereinbarung ist die klare Zusage, dass alle Beschäftigten der Helios Klinik Zerbst/Anhalt vom Landkreis übernommen werden. Damit wird nicht nur Planungssicherheit für die Mitarbeiter geschaffen, sondern auch ein wichtiges Signal für die Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Standorts gesetzt.

Landrat Andy Grabner betonte: „Wir haben von Anfang an versucht, den Kolleginnen und Kollegen des Krankenhauses eine berufliche Perspektive in Zerbst zu erhalten. Die Zusage zur vollständigen Übernahme ist dafür ein starkes Zeichen. Nach einer konstruktiven und guten Verhandlungsrunde ist der Abschluss in greifbare Nähe gerückt. Nun kommt es auf die Genehmigung durch die Kommunalaufsicht sowie die Freigabe durch den Kreistag an.“

Der eingeschlagene Zeitplan bleibt ambitioniert. Noch im Dezember 2025 hat die Delegation des Landkreises Anhalt-Bitterfeld weitere Gespräche mit dem Landesverwaltungsamt in Halle (Saale) als zuständiger Kommunalaufsichtsbehörde geführt. Ziel war es, die formalen Voraussetzungen für die Übernahme fristgerecht zu schaffen und den Übergang zum 1. März 2026 reibungslos zu gestalten, um die medizinische Versorgung in Zerbst und der Region dauerhaft in kommunaler Trägerschaft zu sichern. Mit der nun erzielten Einigung rückt dieses Ziel ein entscheidendes Stück näher – und die Beschäftigten der Klinik konnten mit einer guten Nachricht in die Weihnachtszeit gehen.