Das "partielle Ringeln" ist eine vielversprechende Methode zur Bekämpfung der Robinie.
Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld wandelt als Teil des Projektes „ABI wird nachhaltig“ einen kreiseigenen Robinien-Pionierwald mit 2,76 ha Fläche im Landschaftsschutzgebiet „Südliche Goitzsche“ in einen klimaresilienten Laubmischwald um. Gefördert wird das seit 2024 laufende Projekt rund um Nachhaltigkeitsmanagement vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen des Programms „Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen“ (KoMoNa).
Nach Beendigung des Braunkohle-Tagebaus am Ende des 20. Jahrhunderts wurden zur Rekultivierung der Goitzsche unter anderem Robinien gepflanzt, da diese Art sehr gut mit den harschen Bedingungen der Bergbaufolgelandschaft zurechtkommt: sandiger Boden, kaum Nährstoffe, wenig Wasser. Im Gegensatz zu vielen anderen Baumarten kann die Robinie hier dennoch schnell wachsen und sich erfolgreich vermehren. Folglich nimmt die Robinie heute als herrschende Vorwaldbaumart über 90 % des Waldbestandes auf der Projektfläche ein und bildet somit eine weitere monodominante Waldkultur. Andere Baumarten können sich bei solch schwierigen Bedingungen kaum gegen die Robinie durchsetzen und folglich wird das gesamte Ökosystem durch diese eine Baumart stark beeinflusst.
Das soll sich ändern: Einheimische Baumarten wie Traubeneiche, Winterlinde und Hainbuche sollen die Robinie als herrschende Vorwaldbaumart sukzessive ablösen. Diese Arten sind ebenfalls an periodische Trockenheit angepasst und bringen einen großen Mehrwert für die Artenvielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen mit sich. Zudem soll die offene Waldwiese auf der für das Projekt ausgewählten Fläche erhalten bleiben, die durch die wuchsfreudige Robinie bedroht wird. Das Ziel ist die Schaffung eines diversen sowie standortgerechten Waldes, der den bereits eingesetzten Klimawandel übersteht und auch zukünftig als Erholungsort dient.
Doch ganz einfach wird das nicht… bei Verwundung oder gar Fällung reagiert die Robinie mit dem Treiben von Schösslingen an Stamm und Wurzel. Eine von der Universität Hohenheim untersuchte, vielversprechende Methode zur Bekämpfung der Robinie ist das partielle Ringeln. Hierbei werden die wasser- und nährstoffführenden Leitbahnen der Robinien durch die ringförmige Entfernung der Rinde und des Basts unterbrochen. Nur eine „Restbrücke“ von ca. 10 % des Stammumfangs wird stehen gelassen. Durch die enorme Reduktion des Saftaustauschs zwischen Wurzel und Krone verliert die Robinie an Vitalität. Im späten Frühjahr des darauffolgenden Jahres, wenn die gesamte Kraft zum Blattaustrieb in der Krone steckt, wird die Restbrücke entfernt und der Saftaustausch komplett gestoppt. Danach stirbt die Wurzel ab, da hier keine Reservestoffe mehr verfügbar sind, und somit der ganze Baum.
Der 1. Schritt, also das Ringeln mit Verbleib der Restbrücke, wird auf der Projektfläche bis Mitte März 2026 ausgeführt. Somit kann der Waldumbau starten. Weiterhin sollen zur Aufklärung über das Ringeln vor Ort Informationstafeln angebracht werden. Zudem ist anlässlich des Internationalen Tag des Waldes am 21. März 2026 eine öffentliche Veranstaltung auf der Projektfläche geplant, um alle Interessierten über das Projekt aufzuklären und in einen persönlichen Austausch zu kommen. Weitere Informationen dazu folgen.