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Bergstadtecho Brand-Erbisdorf
Ausgabe 7/2026
Leitartikel
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Aus Sicht des OB

Wegen Tiefbauarbeiten ist der Zugang zum Rathaus zeitweise nur über den Hintertür möglich.

Bis zu 250 cm Tiefe wurde der Isolationsgraben ausgeschachtet.

Im Kellergeschoss neu installierte Radonbrunnen und Rohre dienen der Ableitung des Radongases. Die freigelegten Natursteinwände bleiben unverputzt und sollen weiter trocknen.

Ab 1920 gab es Pläne zur Vergrößerung des Rathaus für Brand-Erbisdorf (aus „Die wichtigen Gebäude“, Schriftenreihe Brand-Erbisdorf, Maria Sauter 2006).

Der Karzer im Rathauskeller: Wer auch immer hier war ist weg!

„De Wismut gräbt beim Rat der Stadt“?!

Städtischer Tiefbau wegen Radioaktivität,

alles höchst intern!

Nicht alles dreht sich rund um das Brander Rathaus, doch nun geht es gleich mal um’s ganze Fundament. Im Juli 2026 legte ein Bagger die vordere Außenseite frei und baggert sich geräuschvoll-vibrierend noch bis Ende August hinten um das Gebäude herum. Das geht weiter als bloß mal am „Stuhl zu sägen“ und hat einen klaren Grund: das Rathaus braucht eine Trockenlegung!

 

 

Kurzer Rückblick: als Brand 1834 das Stadtrecht zugeteilt wurde, hatte es weder Kirche noch Rathaus! Am Markt gelegen war die „wüst und nutzlose“ Erasmushalde, die ab 1843 eingeebnet wurde. Ein Haus auf dieser Halde mit im Jahr 1862 erteilter Erlaubnis zum Bier-, Branntwein- und Weinausschank sowie zum Verkauf von warmen und kalten Speisen wurde der Stadt zur Nutzung als „Rats-Stuben“ vertraglich bereit gestellt. „So konnte Bürgermeister Größel nach seiner Wahl bereits die erste Sitzung am 8. Juli 1862 im neuen Lokal abhalten.“ Darüber berichtete Ortschronistin Maria Sauter (2006). Im Laufe der Jahre bis 1885 kamen ein Schuppen zwecks Waschhaus hinzu sowie eine Laube im Hof direkt auf der gut verfüllten Erasmushalde.

Schließlich einigte man sich 1903 auf einen Rathaus-Umbau, der 1904 feierlich vollzogen war. Ein erneuter Umbau ist für die Jahre 1919/20 überliefert (Sauter 2006). Zuletzt im Jahr 1994 baulich ertüchtigt reichte es offenbar nie für eine Isolierung gegen Wasser im Untergrund. Weder für eine sog. Horizontalsperre, um aus dem Erdreich aufsteigende Feuchtigkeit zu verhindern noch für eine ordentliche Vertikalsperre gegen seitlich eindringendes Niederschlagswasser. Also war über Jahrzehnte reichlich Nässe im Keller dieses Dienstgebäudes, schlecht so!

Zugleich liegt das Gebäude in einem vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie seit 2020 ausgewiesenen Radon-Vorsorgegebiet (Allgemeinverfügung zum Schutz vor Radon-222 in Innenräumen nach § 121 Absatz 1 Satz 1 des Strahlenschutzgesetzes). Naturbedingt steigt Radon stetig aus dem Boden auf, ist unsichtbar und geruchlos. Es ist ein radioaktives, aber vor Normalluft „flüchtiges“ Gas; bei ausbleibender Lüftung von Räumen wirkt es gesundheitsschädlich! Als Dienstherr der Stadtverwaltung muss ich beitragen, dass dortige Arbeitsplätze vor dem Einfluss des Edelgases Radon geschützt werden. Zwischendurch wurde einstweilen gelüftet!

 

Mit Fördermitteln unseres Freistaates passiert seit Januar 2026 die reguläre Radon-Sanierung im Kellergeschoss. Insgesamt gehören zur kombinierten Baumaßnahme: (1) Freilegung des feuchten Mauerwerks und Rostschutz vorhandener Metallträger im historischen Keller, Einbau von fünf Radonbrunnen in der „Bodenplatte“, (2) Tiefbau- und Baumeisterarbeiten zur Installation der Radondrainage seitlich von außen, (3) Installation der inneren Entlüftungsanlage nach Kontrolle von Radon-Messungen/Auswertung der Ventilation, (4) Erneuerung des bislang auch feuchten Innenputzes im Rathaus-Foyer (Erdgeschoss). Zielgenau wird noch dieses Jahr die Belüftung in Dienst gestellt, um den behördlichen Auflagen zu entsprechen.

Herzlich gedankt sei dem ortsansässigen Ingenieurbüro Mann & Pitzler, dem Geologischen Ingenieurbüro Andreas Benthin (Halsbrücke) und dem Ingenieurbüro für Haustechnik Schaufuß & Dörner (Augustusburg) für deren fachliche Begleitung der Radon-Sanierung samt Trockenlegung des Gebäudes. Beteiligt sind daran u. a. die Firmen Mario Kaden TDK-Transport und Dienstleistung, Bö-Fi Transport und Logistik GmbH, Gebrüder Flechsig Bau GmbH & Co. KG. Mein großer Dank gilt auch dem Freistaat Sachsen für Fördermittel i. H. v. 60.000 EUR. Die Gesamtkosten werden sich auf reichlich 400.000 EUR belaufen. Persönlich zolle ich meiner Verwaltungs-Belegschaft Respekt für die Geduld.

 

 

Bei all dem sommerlichen Bautrubel fragte mich kürzlich eine nette Passantin in Brand: „Wird das Rathaus hier verkauft?“. Ich verneinte klar. Möge unser schönes Rathaus weiter künftig ein starkes Symbol für zuverlässige Lokalpolitik bleiben, auch wenn es im Grunde sehr viel größer hätte gebaut werden sollen (vgl. Bauplan von 1920). Das Interesse der Jugend daran ist vorhanden: mir gefiel es, vor kurzem im Juni 2026 interessierten Hortkindern neben dem Dachgeschoss im eigenen Rathaus auch mal den hiesigen Karzer unten im Keller zu zeigen. Das empfanden wir gemeinsam als gruselig, interessant und spannend.

Ihnen, sehr geehrte Leseschaft, zur Sommerzeit mein herzliches Glück Auf!

Dr. Martin Antonow
Oberbürgermeister