Eine Woche lang lag wieder einmal ein außergewöhnliches Schulschilfsegelboot an der Marina Braunsbedra vor Anker: Im Rahmen der ABORA-Expedition unter Leitung von Dr. Dominique Görlitz trainierte eine internationale Crew wichtige Segelmanöver und Abläufe auf dem Geiseltalsee.
Das Schulschiff ist eine Replik eines prähistorischen Schilfbootes. Es dient dazu, Manöver und Bedingungen zu trainieren, die später auf See unter deutlich anspruchsvolleren Verhältnissen gemeistert werden müssen, eine Herausforderung, die von der Crew höchste Konzentration und Teamarbeit verlangt.
Die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, unter anderem aus der Schweiz und Norwegen, nutzen die Bedingungen vor Ort gezielt, um Navigation, Segeltechnik und Abläufe zu üben. Die Expedition erforscht auf experimentellem Weg, wie bereits in früheren Zeiten Seefahrt über große Distanzen möglich gewesen sein könnte.
Der Geiseltalsee spielt dabei eine wichtige Rolle: Mindestens zweimal im Jahr kehrt das Team nach Braunsbedra zurück, um sich auf kommende Expeditionen vorzubereiten. Besonders hervorgehoben wurden die große Gastfreundschaft vor Ort sowie die Übernachtungsmöglichkeiten in der Zentralwerkstatt Pfännerhall, die zugleich Standort der ABORA-Ausstellung ist.
Dort erhalten Besucher spannende Einblicke in die Arbeit des deutschen Experimentalarchäologen, Vegetationsgeographen, Buchautors und Filmemachers Dr. Dominik Görlitz. Im Ausstellungskino wird unter anderem der Film zur ABORA IV-Expedition „Die Argonauten der Steinzeit - Auf der Suche nach dem Eisen der Pharaonen“ gezeigt. Die Ausstellung macht erlebbar, was auf dem Geiseltalsee im Namen der Wissenschaft geschieht, und lädt Besucher dazu ein, die Hintergründe und Ziele der Expedition näher kennenzulernen.
Das Schilfboot ABORA IV selbst wurde nach ägyptischen Überlieferungen gebaut. Es besteht aus Totoraschilf (Teichsimse), ist rund 14 Meter lang, 4 Meter breit und etwa 12 Tonnen schwer. Mit einer Segelfläche von rund 75 Quadratmetern erreicht es eine mittlere Segelfähigkeit von etwa 75 Grad am Wind.
Neben dem Training steht auch der Austausch im Mittelpunkt. Unterschiedliche Perspektiven und offene Diskussionen seien entscheidend für den Fortschritt, sowohl in der Forschung als auch im gesellschaftlichen Miteinander. Gleichzeitig trägt das Projekt dazu bei, die Region international bekannter zu machen und neue Impulse für den Tourismus rund um den Geiseltalsee zu setzen.
Der Crew wünschen wir immer eine handbreit Wasser unterm Schilf.