Titel Logo
Burger Spreewald Zeitung | Amtsblatt für das Amt Burg (Spreewald)
Ausgabe 11/2019
Aktuelles
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Schlafplatz, Ernährer und Heilpflanze

Der Efeu in der Kulturlandschaft von Burg (Spreewald)

Eine Umfrage unter Bienen, Wespen und Schmetterlingen würde dem Efeu sicher allerbeste Beliebtheitswerte bringen. Manche Menschen dagegen fürchten ihn, sodass Efeubestände an Bäumen abgehackt werden und ganze Bestände sterben. Dies stellt einen großen Verlust für eine Vielzahl von Arten dar.

In der kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft von Burg (Spreewald) haben sich viele Efeuhorste erhalten. Oft sind ganze Baumgruppen von diesem immergrünen Gewächs umschlungen. Weltweit soll es dreizehn Arten dieser Pflanzengattung geben.

Mit seinen Haftwurzeln rankt er bis zu dreißig Meter hoch. In den ersten Jahren schiebt er unentwegt in die Höhe. Erst mit dem dritten bis sechsten Lebensjahr beginnt er zu blühen. Sein Alter soll bis zu 450 Jahre reichen, wobei er Holz von 30 Zentimetern Stärke ausbilden kann.

Efeu ist eine alte Heilpflanze, die besonders als schmerzlindernd galt. Auch bei Gicht, Milzbeschwerden, Lungenleiden oder Menstruationsbeschwerden kam er zum Einsatz. Eltern kennen ihn als Mittel zur Hustenstillung bei ihren Kindern. Auch als waschaktive Substanz hat er sich einen Namen gemacht.

Als immergrünes Gewächs wurde er zum Wahrzeichen des Lebens, der Unsterblichkeit der Seele, Liebe und Treue. Schon in der Antike bekränzte er so manchen Kopf eines Dichters. Christen wurden auf einem Efeubett als Zeichen der Unsterblichkeit beerdigt.

Noch heute künden die auf Friedhöfen weit verbreiteten Efeubestände, oft unbewusst gepflanzt, von dieser alten Sitte.

Besonders im Winter finden in älteren Efeubeständen Eulen ausreichenden Schutz vor strengen Frösten, starken Winden, aber auch vor ihren Widersachern. Eine Reihe von Vögeln nutzen diese Strukturen nicht nur als Schlafplatz, sondern errichten ihre Nester in der Deckung des Efeus.

Der Efeu beginnt erst im September und Oktober mit der Blüte. Er gehört damit zu den letzten Ernährern von Insekten im Zyklus eines Jahres. Die Efeu-Pollenbiene hat sich ausschließlich auf ihn spezialisiert, und die Bienen unserer Imker nutzen ihn als letzte Nektarquelle.

Mit der Reifung der Früchte zwischen Januar und April bietet er Vogelarten wie Gartenrotschwanz, Rotkehlchen oder Rotdrossel ausreichend Nahrung.

Der Efeu ist also ein wichtiger Teil in der Ökologie verschiedener Arten und deshalb - wo immer möglich - zu schützen.

Die Angst, das der Efeu Bäume erwürgt, ist unbegründet. Erst wenn die Kronen von kleineren Bäumen vollständig überwuchert sind, beginnt der Efeu seinen Wirt zu schädigen. Hoch aufwachsende Bäume sind hiervon kaum betroffen. Die Haftwurzeln des Efeu können keine Nährstoffe aufnehmen.

Wir möchten daher alle in unserem Amt lebenden Bürger bitten, die auf ihren Grundstücken befindlichen Efeubestände im Bewusstsein ihrer positiven Wirken auf unsere Natur weitgehend zu bewahren.

„Gemeinsam für Burg“ im Auftrag der Gemeindevertretung