Titel Logo
Burger Spreewald Zeitung | Amtsblatt für das Amt Burg (Spreewald)
Ausgabe 4/2019
Aktuelles
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Letztlich entscheidet der Zuschauer, ob es gefällt

Interview mit Johannes Gärtner, Regisseur der Spreewälder Sagennacht 2019

Wenn in den nächsten Wochen die Proben für die 2019er Auflage der Spreewälder Sagennacht beginnen, sitzt ein Neuer auf dem Regiestuhl. Wir sprachen mit Johannes Gärtner:

Bitte stellen Sie sich den Lesern mit wenigen Worten vor.

Ein Theatermacher, der behauptet, es gebe für ihn keine Berufsalternative, ist verdächtig, auch für diesen Beruf nicht zu taugen. Behaupten kann ich das auch erst im Nachhinein und guten Gewissens! Heute profitiere ich von allen Dingen, die mich neben meiner lebenslangen Beschäftigung mit Theater noch begleitet haben: Die Spezialschule für Mathematik und Naturwissenschaften, die Arbeit mit Autisten, der Bergsport als Jugendleiter, die Beschäftigung mit Denkmalsanierungen, Literatur und Fotografie, eine erste Theaterleitung. Letztlich stand aber dann doch ein Schauspielstudium an, gefolgt von einem Regiestudium. Nun bin ich seit 13 Jahren selbständig, leite die "Richard Wagner Spiele" und unter dem Motto „Besonderes Theater an besonderen Orten“ erarbeite ich mit meiner Produktionsgesellschaft Cerca Dio Inszenierungen, welche Musik, Gesang, Schauspiel, Malerei, Video und Tanz verbinden. Ich bin glücklich und wenn ich klage, dann nur, dass noch nie Zeit war, alle Ideen fertig zu destillieren - nein, eigentlich ist das ein Glück, dass die Träume nicht ausgehen!

Wie kam der Kontakt mit dem Sorbischen Nationalensemble zustande?

Die Bühnenbildnerin der Sagennacht Marlit Mosler habe ich für meine Inszenierungen bei den "Richard Wagner Spielen" engagiert. Sie hat den Kontakt vermittelt. Nach einem sehr herzlichen Gespräch mit der Intendantin Frau Kubitz und der Geschäftsführerin Frau Wagner vom Sorbischen Nationalensemble waren wir uns recht schnell einig. Eine Fügung verschaffte mir dann zusätzlich schon einen ersten Einblick in das Ensemble: Ich durfte auch die Vogelhochzeit für dieses Jahr inszenieren, die in Cottbus niedersorbische Premiere hatte.

Sie sind in Dresden geboren und auch dort Zuhause. Wie weit sind Sie mit der Geschichte der Sorben/Wenden und ihrer Sagenwelt vertraut?

Meine Familie väterlicherseits stammt aus der Lausitz, wir haben herrliche Kindheitsommer hier verbracht. Den Spreewald habe ich auch durch Biologie-Exkursionen vom Kahn aus mit meinem Vater kennengelernt; die Sagen durch Verwandte aus Vetschau, die wurden uns Kindern abends erzählt, wenn wir auf der Hollywoodschaukel im Garten saßen. In Burg war ich - wie viele Kinder - hier im Landheim. Eine Brieffreundschaft von damals hält bis heute! Dass ich zu unserer alljährlichen Familien-Pfingstpaddeltour durch den Spreewald jetzt hier inszenieren darf, dass ist ein großes Geschenk!

Sie leiten und produzieren seit 2013 die Richard-Wagner-Spiele in Graupa. Gegen „Tristan und Isolde“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ sind die Sagen um den Wendenkönig wahrlich leichte Kost. Wie nähern Sie sich den unterschiedlichen Genres?

Oh, da kann ich nur mit der Binsenweisheit kommen, dass es kein „tieferes“ oder „leichteres“ Theater gibt - nur welches, was den Zuschauer ergreift, er sich unterhalten und erhoben fühlt, was ihn ernst nimmt, egal welche Vorbildung oder Vorliebe er mitbringt. Die Genres haben unterschiedliche Regeln was das Timing, die Darstellung etc. betrifft, aber letztlich entscheidet der Zuschauer, ob es gefällt und die Lebenszeit sinnvoll investiert war.

Haben Sie bereits die Gelegenheit gehabt, sich den Schlossberg mit dem Bismarckturm anzuschauen?

Oh ja, ganz allein an einem kalten Tag vor Weihnacht habe ich den Nebel über die Wiesen ziehen gesehen. Das war ein Schauspiel! Ich hätte gern mit dem Regisseur gesprochen, wie er das macht.

Was wünschen Sie sich und den Zuschauern für die diesjährige Sagennacht?

Freude - am Stück und aneinander - ein gute Zeit, von der alle lange zehren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview führte Kerstin Möbes)