Weiß jemand, für welches Gasthaus dieses Wandbild entworfen wurde?: Erna Krüger, Burger Festsaal, Aquarell auf Papier, ohne Jahresangabe.
Das Wendische Museum in Cottbus zeigt die Sonderausstellung „Ze žeńskecym póglědanim – Mit weiblichem Blick“. Die in Burg/Bórkowy entstandenen Werke von Erna Krüger (1883 – 1973) treten dabei in Dialog mit den zeitgenössischen Positionen von Hella Stoletzki, Iris Brankatschk und Maja Nagel. Die Finissage findet am 17. Juli, 15 Uhr, statt.
Vier Künstlerinnen, vier Handschriften – verbunden durch die Auseinandersetzung mit Geschichte, Landschaft und Identität der Lausitz in ihrer jeweiligen Zeit. Während Erna Krüger zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Lebenswelt der sorbischen/wendischen Bevölkerung in Burg/Bórkowy festgehalten hat, spiegeln die Arbeiten von Iris Brankatschk, Maja Nagel und Hella Stoletzki in Landschaft, Porträt und Symbolsprache aktuelle Fragen von Identität und kultureller Selbstverortung wider.
Ergänzt wird die Präsentation durch eindrucksvolle Fotografien von Carla Pohl, die die vier Künstlerinnen einfühlsam porträtiert.
Erna Margarete Krüger wurde 1883 in Wittenberg a. d. Elbe geboren. Sie stammt aus gutbürgerlichem Elternhaus, das ihr eine Ausbildung und das Studium an privaten Kunstakademien ermöglicht.
Ab 1905 arbeitete sie von Berlin aus als freie Malerin. Wie viele Künstlerkollegen suchte sie Themen im einfachen, bäuerlichen Leben und fand diese im Spreewald. In Burg-Kolonie entstanden zahlreiche wendische Motive.
Eine erhaltene Postkarte verrät, das sie in Burg-Kolonie bei Familie Lehmann logierte. Vielleicht kann jemand von den Burger Einwohnerinnen und Einwohnern dem Wendischen Museum einen Hinweis geben, welche Familie Lehmann schon damals Gäste beherbergte.
Eindrucksvolle, persönliche Erlebnisse aus dem Tagebuch von Erna Krüger sind in der Ausstellung nachzuhören, darunter eine anrührende Beschreibung der wendischen Bräuche bei der Beerdigung eines ledig verstorbenen Jungen.
Ab 1920 lebte Erna Krüger in Osterode (Harz), wo sie weiterhin freischaffend war. Der künstlerische Nachlass wurde erst 2022 dem Museum Osterode übereignet, darunter über 30 wendische Motive. In den realistisch dargestellten Porträts und Alltagsszenen aus Burg im Spreewald lässt uns die Malerin teilhaben an ihren Eindrücken vom damaligen alltäglichen Leben der wendischen Bauern. (PM)