Gruppenbild mit Ehrenmitgliedern, gut zu erkennen sind die Hornisten und die Steiger. In der Mitte befinden sich die Ehrenmitglieder Herr Julius Josef Hille, Herr Franz Joseph Müller (Besitzer Fabrik Hille & Müller aus Porschdorf) der Porschdorfer Bürgermeister Emil Uhlig sowie Bäckermeister Joseph Pietschmann.
Gut erkennbar die enge Bebauung und der landwirtschaftliche Charakter des Dorfes
Spritze: Das erste Feuerlöschgerät, eine Spritze aus dem Jahre 1886 übernommen von der Pflichtfeuerwehr. Die Kameraden stehen vor dem alten Spritzenhaus. (Walter und Richard Berthold, Fritz Fink)
Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Porschdorf laden im Jubiläumsjahr herzlich dazu ein, ein Stück Feuerwehrgeschichte mitzuerleben. Neben den Feierlichkeiten erwartet die Besucher auch eine große Chronikausstellung mit zahlreichen historischen Dokumenten, Fotografien, Zeitungsberichten und Erinnerungen aus 100 Jahren Feuerwehrgeschichte in Porschdorf.
In einer Zeit, in der ein einziger Funke ausreichen konnte, um ein ganzes Dorf in Gefahr zu bringen, war der Brandschutz in Porschdorf noch eine Sache der Gemeinschaft – improvisiert, einfach und oft vom Zufall abhängig. Bevor im Jahr 1926 die Freiwillige Feuerwehr Porschdorf gegründet wurde, war das Leben im Ort von einfachen, aber zugleich herausfordernden Bedingungen geprägt.
Porschdorf war ein ländlich geprägtes Dorf, in dem Landwirtschaft, Handwerk und erste industrielle Einflüsse den Alltag bestimmten.
Neben den landwirtschaftlichen Betrieben entwickelte sich auch gewerbliches und industrielles Leben. So befand sich im Ort ein Zweigwerk der Firma Hille & Müller – die sogenannte Nickelei Porschdorf. Dieses Werk galt als einer der ersten spezialisierten Betriebe weltweit zur Herstellung von galvanisch veredeltem Bandstahl. Darüber hinaus existierte in Porschdorf auf dem heutigen Grundstück der Familie Büttner eine Sägemühle. Das dort verarbeitete Holz wurde im benachbarten Rathmannsdorf in einem Zellulosewerk weiterverarbeitet, was die enge wirtschaftliche Verflechtung der Region verdeutlicht.
Auch im näheren Umfeld befanden sich bedeutende Industriebetriebe. In Kohlmühle bestand eine Fabrik zur Herstellung von Pappen, während sich in Bad Schandau weitere gewerbliche Ei nrichtungen befanden. Diese Betriebe prägten nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern stellten durch Maschinen, Lagerbestände und leicht entzündliche Materialien zugleich ein erhöhtes Brandrisiko dar.
Die Gebäude im Ort standen oft dicht beieinander, viele davon in traditioneller Bauweise mit Holzanteilen und teilweise strohgedeckten Dächern. Diese enge Bebauung brachte eine ständige Gefahr mit sich: das Feuer. Ein einzelner Funke – sei es aus dem Ofen, von einer offenen Flamme oder durch Unachtsamkeit – konnte ausreichen, um einen Brand auszulösen, der sich innerhalb kürzester Zeit auf mehrere Gebäude ausbreitete.
Ein organisierter Brandschutz, wie wir ihn heute kennen, existierte damals noch nicht. Im Ernstfall waren die Einwohner auf sich allein gestellt. Löschversuche wurden mit den vorhandenen Mitteln unternommen – womöglich mit Eimern, Decken, Feuerpatschen und einfachen Geräten, um die Flammen einzudämmen. Zwar konnte auf diese Weise mitunter größerer Schaden verhindert oder begrenzt werden, doch ein gezielter und koordinierter Brandschutz war nicht möglich.
Die sogenannte Eimerkette – bei der Wasser von Hand zu Hand weitergereicht wurde – war dabei oft das wichtigste Mittel im Kampf gegen die zerstörerische Kraft des Feuers. Auch die Wasserversorgung stellte eine große Herausforderung dar. Brunnen, Teiche oder nahegelegene Gewässer mussten genutzt werden, was wertvolle Zeit kostete – Zeit, die im Ernstfall entscheidend sein konnte.
Es gab jedoch bereits ein technisches Hilfsmittel, das den Einwohnern zur Verfügung stand: eine Feuerspritze aus dem Jahr 1886. Dieses Gerät stellte eine erste Form der gezielteren Brandbekämpfung dar und ermöglichte es, Wasser effektiver einzusetzen. Die Feuerspritze wurde teilweise von Pferden zum Einsatzort gezogen und markierte damit einen wichtigen Schritt hin zu einer verbesserten Brandbekämpfung. Die Spritze wurde bei dem späteren Gerätehausbrand im Jahr 1977 vollständig zerstört.
Dennoch blieb der Brandschutz insgesamt unzureichend organisiert. Erst die Erkenntnis der bestehenden Gefahren und die Erfahrungen aus Bränden führten schließlich dazu, dass sich engagierte Männer des Ortes zusammenschlossen, um den Brandschutz auf eine neue Grundlage zu stellen. So entstand im Jahr 1926 die Freiwillige Feuerwehr Porschdorf – ein entscheidender Schritt hin zu mehr Sicherheit und Zusammenhalt im Ort.
Der 16. Oktober 1926 zeigte sich als typischer Herbsttag in der Sächsischen Schweiz. Kühles Wetter, feuchte Luft und dichte Wolken bestimmten das Bild. Zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen versammelten sich am Abend die Männer im Vereinszimmer des Erbgerichtes Porschdorf, um die Freiwillige Feuerwehr zu gründen.
Die Dresdner Zeitungen berichteten an diesem Oktobertag ausführlich über den Wettiner- und Hohenzollernvergleich. Noch immer bestimmten die Folgen des verlorenen Krieges und der Monarchie das politische Klima in Deutschland. Doch fern der großen politischen Debatten wurde im Porschdorfer Erbgericht an diesem Abend Geschichte geschrieben: Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr entstand ein Zeichen von Zusammenhalt, Pflichtbewusstsein und Gemeinsinn.
26 Männer gründeten unter Beisein von Bürgermeister Emil Uhlig die Freiwillige Feuerwehr Porschdorf. Den Kameraden wurden die ersten Mitgliedsausweise sowie eine Satzung übergeben, die Rechte und Pflichten innerhalb der jungen Wehr regelte. Gleichzeitig wurde mit Willi Busch der erste Wehrleiter gewählt und eine erste Führungsmannschaft gebildet.
Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr entstand in Porschdorf ein Zeichen von Zusammenhalt, Pflichtbewusstsein und Gemeinsinn. Das Dorf verfügte nun über eine organisierte Feuerwehr, die künftig für Schutz, Sicherheit und Hilfe im Ort sorgen sollte.
Quelle: Chronik der Feuerwehr Porschdorf, aufgeschrieben von Heino Heller 1992 – 2022, Text: Rico Richter, Schriftführer Freiwillige Feuerwehr Porschdorf
PS: Wer vielleicht noch historische Bilder von der Feuerwehr hat, kann diese gern an mich schicken info@elbsandsteinbilder.de
Vielen Dank.