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Amtsblatt der Stadt Bad Schandau und der Gemeinden
Ausgabe 13/2026
Stadt Bad Schandau
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Das erste motorisierte Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Porschdorf

Zu Beginn der 1930er Jahre bemühte sich die Freiwillige Feuerwehr Porschdorf um die Beschaffung eines eigenen Mannschaftswagens. Die vorhandene Ausrüstung war für die damaligen Anforderungen zwar ausreichend, doch der Transport von Mannschaft und Material stellte weiterhin eine Herausforderung dar.

Im Jahr 1932 stand zunächst der Kauf eines Fahrzeuges von Herrn Fiebig in Wendischfähre zur Diskussion. Nach einer Besichtigung wurde dieses Vorhaben jedoch verworfen. Der Wagen erwies sich als zu schwach und konnte vor Ort nicht einmal aus eigener Kraft gestartet werden. Er musste zunächst angeschleppt werden, weshalb die Kameraden von einem Kauf Abstand nahmen.

 

 

Kurze Zeit später erhielt Wehrleiter Willi Busch ein weiteres Angebot. Gemeinsam mit Kamerad Georg Müller besichtigte er einen Wagen im Sachsenwerk Heidenau. Dabei handelte es sich um ein Fahrzeug der Marke „Elite“ mit einer Motorleistung von 18 bis 25 PS.

Nach eingehender Aussprache stimmten 21 von 23 Kameraden für den Kauf des Wagens zum Preis von 425 Reichsmark. Gleichzeitig beschlossen die Anwesenden einstimmig die Aufnahme eines Darlehens über 200 Reichsmark, das Wehrleiter Busch bereits zugesagt bekommen hatte.

Eine wichtige Unterstützung erhielt die Feuerwehr durch die Firma Hille & Müller. Das Unternehmen stellte der Wehr in großzügiger Weise 100 Reichsmark zur Verfügung und trug damit wesentlich zur Finanzierung der Anschaffung bei. Die Feuerwehr sprach hierfür ihren ausdrücklichen Dank aus.

Technische Daten des Mannschaftswagens

Bei dem Fahrzeug handelte es sich um einen im Jahr 1924 gebauten Mannschaftswagen mit der Fahrzeugnummer EF O-58-79. Motor- und Fahrgestellnummer lauteten 1257. Ausgestattet war der Wagen mit einem Vergaser des Typs „Pallas“, einem Holzaufbau sowie einem grünen Anstrich. Der damalige Fahrzeugwert wurde mit 550 Reichsmark angegeben. Der Kraftstoffverbrauch lag bei etwa 12 Litern auf 100 Kilometer.

Technische Daten

  • Fabrikat: Elite
  • Baujahr: 1924
  • Leistung: 18–25 PS
  • Fahrzeugnummer: EF O-58-79
  • Motor- und Fahrgestellnummer: 1257
  • Vergaser: Pallas
  • Aufbau: Holz
  • Anstrich: Grün
  • Bereifung: 935 × 135
  • Batterie: 1 Volt, 12 Amperestunden, 96
  • Wert: 550 Reichsmark
  • Kraftstoffverbrauch: ca. 12 Liter je 100 Kilometer

 

 

Die feierliche Übergabe

Die feierliche Übergabe des Mannschaftswagens erfolgte im Rahmen des Stiftungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr Porschdorf am 21. Oktober 1933.

Am Abend wurde das Fahrzeug unter Musikklängen und Fackelbeleuchtung auf den Gemeindeplatz gebracht. Dort hatten sich die Gemeindevertretung sowie zahlreiche Einwohner versammelt. Als Vertreter des Bezirksausschusses war außerdem Branddirektor Richter aus Königstein anwesend.

Nach einer Begrüßung durch Branddirektor Richter wurde der Mannschaftswagen offiziell an die Gemeinde beziehungsweise die Freiwillige Feuerwehr übergeben. Bürgermeister Emil Uhlig dankte den Kameraden für ihre große Opferbereitschaft und würdigte zugleich die Unterstützung der örtlichen Handwerker, die zur Verwirklichung des Vorhabens beigetragen hatten. Er betonte den Stolz der Gemeinde auf die Leistungsfähigkeit ihrer Feuerwehr und deren moderne Ausrüstung.

Nach Abschluss der Feier marschierte die Wehr gemeinsam in den Saal des Erbgerichts, wo anschließend der traditionelle Stiftungsball stattfand.

Schwierigkeiten bei der Beschaffung

Die Beschaffung des Mannschaftswagens verlief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Im Zusammenhang mit den vorausgegangenen Verhandlungen wurde vor dem Amtsgericht Bad Schandau ein Vergleich geschlossen. Danach hatte Branddirektor Willi Busch zwölf Reichsmark zu zahlen, während Herr Fiebig sämtliche weiteren Kosten übernahm. Die Kameraden beschlossen einstimmig, die entstandenen Kosten aus der Feuerwehrkasse zu begleichen.

Gleichzeitig appellierte Busch an alle Kameraden, sich möglichst zahlreich an den Arbeiten zum Ausbau des Fahrzeuges zu beteiligen. Im Herbst 1933 konnte er mitteilen, dass die Voraussetzungen geschaffen worden seien, künftig auch eine Motorspritze an das Fahrzeug anzuhängen. Damit eröffnete sich der Wehr eine neue technische Perspektive.

Nicht ohne Kritik verliefen die Gespräche über die Anschaffung. Busch berichtete von ablehnenden Äußerungen des Bezirksbranddirektors Paul Zeißig, der offenbar andere Vorstellungen hinsichtlich der Fahrzeugfrage vertrat. Ungeachtet dessen stellte Busch fest, dass der Mannschaftswagen einsatzbereit sei und im Ernstfall jederzeit ausrücken könne.

Zum Jahresende 1933 wurde schließlich eine Alarmübung durchgeführt. Die letzte Übung des Jahres diente zugleich der Gerätereinigung sowie der Einweisung der Kameraden in die Pflege und Instandhaltung des neuen Fahrzeuges.

Das Ende des Fahrzeuges

Der Mannschaftswagen blieb bis zum Jahr 1953 im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Porschdorf und gehörte damit über zwei Jahrzehnte hinweg zur technischen Ausstattung der Wehr.

Quelle: Chronik Feuerwehr Porschdorf, Zeitungsberichte „Sächsische Elbzeitung“, textliche Bearbeitung Rico Richter