Schönaer Kapelle von Otto Füssel
Schandauer Kapelle Sattler
Die Optimisten
Diesen Satz habe ich irgendwann einmal gelesen. Tatsächlich spielte Musik im Leben der Menschen schon vor unendlichen Zeiten in jeder erdenklichen Form eine außerordentliche Rolle. Bedeutender vielleicht als es heute der Fall ist. Ohne Musik wäre ja keine Feier oder Zeremonie und ebenso kein Fest denkbar gewesen.
Schon im Mittelalter war es in den Städten üblich Musikanten einzustellen, die Stadtpfeiffer. Diese sorgten zusammen mit ihren Helfern zu den verschiedensten Anlässen für Unterhaltung und repräsentierten ihre Wohnorte. Auch die Besorgung der Kirchenmusik gehörte zu ihrem Aufgabenbereich. Auf den Dörfern hingegen wirkten einfache Spielleute.
Im Jahre 1697 bestieg der sächsische Kurfürst August der Starke den polnischen Thron. Der bald danach beginnende Nordische Krieg, verbunden mit der kostspieligen Hofhaltung und der Sammelleidenschaft des Königs, erforderte im immer stärker werdenden Maße Geld. Die Beschaffung desselben geschah durch Steuererhöhungen und der Einführung neuer Abgaben. Zu Letzteren gehörte auch die Aufrichtung einer Amtsmusik. Das heißt, das Spielen von Musik wurde besteuert. Das Recht in den Städten und Kirchspielen die Unterhaltung mit Musik ausführen zu dürfen, setzte von nun an die Zahlung einer bestimmten Summe voraus. Neben der Entrichtung eines Grundbetrages von mehreren Talern wurde pro Auftritt noch zusätzlich ein Geldbetrag an den Pachtherren fällig. Beim Spielen zu einer Hochzeit waren das 12 Groschen. Die dazugehörigen Pachtverträge erstrecken sich jeweils auf den Zeitraum von drei Jahren. Allen anderen war das Musizieren bei Strafe von 20 Talern verboten. Ungeachtet dessen kam es aber vom Anfang an häufig vor, dass sogenannte Dorf- oder Bierfiedler und ebenso Musikanten aus Böhmen bestellt wurden. Mit Strafen hatten deshalb auch die Erbrichter zu rechnen, wenn sie in ihren Orten den Auftritt fremder Spielleute nicht verhinderten.
Schriftliche Überlieferungen, die das Musikgeschehen in den kleineren Ortschaften der Sächsischen Schweiz widerspiegeln, sind kaum erhalten geblieben. Von Schandau wurden im Jahre 1703 die Musiker Christian Ohnesorge, George Ehrt, Christoph Strohbach und Gottfried Ohnesorge, „allerseits bey der Kirchenmusic“, aufgezählt. Sie bedienten allerdings außer der Stadt selbst nur noch zwei Dörfer und baten deshalb um Befreiung von acht Groschen bei jeder Hochzeit oder um die zusätzliche Überlassung des Kirchspiels Lichtenhain. 1799 werden als Musikpächter in Schandau der Johann Gottfried Biener, Johann Georg Ehrt Junior, Christian Friedrich Tannenberg und Johann George Ehrt Senior erwähnt, welche auch Postelwitz, Schmilka, Ostrau, Mittelndorf und Gossdorf zu versorgen hatten.
Von Reinhardtsdorf sind aus der Zeit um 1700 die Musikanten George Borsche, Christoph Schramm und Christoph Strohbach bekannt. Ihre Namen sind in der Kirche unter dem Fenster des Erbrichterstübchens verewigt. Im Jahre 1771 pachtete der Reinhardtsdorfer Häusler Christian Kunze von der Witwe des Crusius Fischer und dessen Erben, über einen Zeitraum von drei Jahren, das Musikspielen in den Orten Reinhardtsdorf, Schöna Kleingießhübel und Krippen. Die Pachtsumme betrug jährlich acht Taler und zwölf Groschen und berechtigte zur musikalischen Aufwartung bei Hochzeiten, Kindtaufen und allen anderen Ehrengelagen. (Um wem es sich bei dem Verpächter Crusius Fischer handelte, konnte nicht ermittelt werden.)
Im 19. Jahrhundert entfielen die alten Bestimmungen schon bald. Der Pfarrer Glootz schreibt in seiner Schandauer Chronik, dass nach einem Gesetz vom 19. Februar 1850 der Musikzwang in Wegfall gekommen wäre. Überall in den Orten entstanden jetzt Musikkapellen. Begünstigt wurde diese Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auch durch die Gründung zahlreicher Vereine, die mit ihren Bällen und Stiftungsfesten eine gewisse Nachfrage nach musikalischer Unterhaltung hervor riefen.
Die Erinnerungen an die Tonkünstler der vergangenen Zeiten sind schon längst verblasst. Jede Generation hatte ja seine eigenen. Mitunter stolpert man aber beim Durchsehen alten Schriftgutes über den einen oder anderen Namen von Spielleuten und Kapellen die auf den Tanzsälen von Reinhardtsdorf und Schöna für Unterhaltung sorgten. Beim Erntefest 1848 spielte zum Beispiel der Schneidermeister Hering und 1855 trat ein August Keul als Musikus auf. Später bestanden die Kapellen von Bräunling, von Martin Protze und ebenso die von Otto Füssel. Aus Schandau kamen die renommierten Kapellen Schildbach und Sattler. Häufig wurden auch Orchester aus dem benachbarten Böhmen eingeladen, wie das Musikkorps Hiecke aus Jonsdorf. Der Moritz Schildbach war im Jahre 1874 in Schandau als städtischer Musikdirektor bestellt worden.
Auch später beherrschten zahlreiche Einwohner ein Instrument. Zu Veranstaltungen, wie etwa zu Fastnachten oder zu Kinderumzügen, konnte daher ohne größere Umstände eine Kapelle im Dorf zusammengestellt werden. Als Akteure traten dabei besonders hervor die „Musik-Schneiders“ aus dem Hirschgrund, die beiden Krombholze, Josef und Rudolf, der „Keeser“ Paul, der Schuster Georg und zum Schluss der Aufzählung sei vielleicht noch der Werner Klare genannt. Als sich in den 1960er Jahren die Beatmusik etablierte, entstanden auch in unseren Orten schon bald sogenannte Beatbands. Von Bad Schandau fallen mir da die „Fellows“ ein und von Reinhardtsdorf-Schöna die Gruppe „SC 67“. Offiziell bedeutete die Abkürzung ja Schlagerclub, in Wirklichkeit aber sollte es Stones Club heißen.
Zu den verschiedenen Tanzveranstaltungen trat in den siebziger und achtziger Jahren die Orion-Combo des Horst Tschakert in Erscheinung, um nur eine zu nennen. Erinnerungen gibt es bei den Älteren sicherlich auch noch an die Tanzveranstaltungen mit den „Optimisten“ unter der Leitung von Burkhart Heller, wie etwa in Prossen. Da war die Bude rappelvoll.
Quelle: „Die Aufrichtung der Ambts Music im Amte Hohnstein Anno 1699“ von Otto Mörtsch in der Zeitschrift „Über Berg u. Tal“, Nr. 8 von 1914
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