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Amtsblatt der Gemeinde Bennewitz
Ausgabe 8/2026
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Wie kam der Strom in die Steckdosen Teil 2

2. Teil: Die Entwicklung der Stromversorgung im Wurzener Land

Die Anfänge zur Stromversorgung der Landgemeinden und der Stadt Wurzen war vorwiegend auf die Initiative der „Wurzener Kunstmühlenwerke“ (Krietschwerke) zurückzuführen.

Die Firma Schiemann & Co., die bereits elektrisch betriebene Triebwagen herstellte und eine gleislose Bahn im Bielatal (bei Königsstein) betrieb, erhielt Mitte 1904 den Auftrag, eine gleislose Transportbahn zwischen den Krietschwerken und dem Güterbahnhof zu bauen.

Am 25.2.1905 begannen die Probefahrten und Abnahmen. Das Wagendepot und das Kraftwerk für die Stromeinspeisung war in der Dresdener Str.71 (heute Firma Deckwerth) untergebracht.

Am 9.Juli 1905 wurde die „Industriebahn Wurzen GmbH“ gegründet und bis 1929 trotz schwächelnder Betriebsergebnisse genutzt. (4)

An die Oberleitungen schlossen sich im Streckenverlauf auch mehrere Firmen und Handwerksbetriebe an. Die Industriebahn erweiterte sich durch die weiteren Anschlüsse stetig.

Die Stadt Wurzen duldete die technischen Neuerungen im Randgebiet, sah die steigende Zahl der Anschlußnehmer aber kritisch. Die Konzession zur Stromversorgung sollte bei der Stadt bleiben. Der Stadtrat beschloss, in der Moltkestraße (jetzigen Dr.-Rudolf-Friedrich-Straße) ein „Elektrizitätswerk“ zu errichten. Es wurde ein Umformerwerk. Die Wechselspannung mit 6-kV erhielt das Werk aus dem Schiemannschen Kraftwerk. (5)

Im Umformer (üblich war ein „Leonardsatz“ auch Motorgenerator genannt) wurde die Wechselspannung in Gleichstrom gewandelt. In Batterien gespeichert und im

220-Volt-Gleichstromnetz der Stadt verteilt. Als Versorgungsleitung wurde ein Isolierter Leiter und daneben ein blanker Rückleiter verlegt.

Max Schiemann war ein umtriebiger Ingenieur. Bereits ab1908 bot die Firma „Industriebahn Wurzen GmbH“ den umliegenden Dörfern an, die Lieferung, den Netzaufbau und Betrieb zur Stromversorgung zu übernehmen. Damit verbunden war die Konzession zur alleinigen Stromversorgung in diesen Gemeinden.

So liegen Konzessionsverträge in Thallwitz vom 29.8.1908 (6) und 27. Mai 1909 in Brandis (7) vor.

Es war ein folgerichtiger Entschluss.

Im Geschäftsbericht der „Landkraftwerke Leipzig Aktiengesellschaft in Kulkwitz“ für den

1. Juli 1910 bis 30. Juni 1911 wurde vorgetragen: „Die Industriebahn Wurzen G.m.b.H zu Wurzen, von der wir die Mehrzahl der Geschäftsanteile besitzen, hat sich im verflossenen Jahre

zufriedenstellend entwickelt, wenn auch die Erträgnisse aus der Stromabgabe die Verluste, welche der Betrieb ihres Transportunternehmens mit sich bringt, vorläufig noch nicht auszugleichen vermögen. Die Gesellschaft hat nach Fertigstellung ihrer mit zwei Lokomobilen arbeitende Zentrale die Stromlieferung an die Stadtgemeinde Wurzen aufgenommen und ihr Versorgungsgebiet in den umgebenden Landbezirken erweitert. Der Anschlußwert beziffert sich am Schlusse unseres Geschäftsjahres auf 1203 KW.“

Die genannten Lokomobile waren die Dampferzeuger zum Antrieb der Turbinen für die Drehstromgeneratoren. Erst dadurch war die Stromlieferung an die entfernten Gemeinden wirtschaftlich möglich.

Eine Beteiligung mit dem entstehenden Kraftwerk in Kulkwitz strebte die „Industriebahn Wurzen GmbH“ bereits mit Bildung der Aktiengesellschaft Landkraftwerke Leipzig an.

Am 21. Januar 1910 hat Herr Schiemann den Geschäftsanteil des Breslauer Unternehmers Herrn Hofmann an die „Leipziger Aussenbahn-Aktien-Gesellschaft abgetreten. (8)

In der Begründung der „Aktiengesellschaft Landkraftwerke Leipzig in Kulkwitz“ zur Errichtung einer 30000 Volt-Fernleitung „über die Städte Markranstädt, Schkeuditz, an Delitzsch vorüber Eilenburg, Wurzen, Grimma, Borna, Pegau, wieder nach Kraftwerk Kulkwitz“ war bereits auf die Vorteile der Übernahme der kleinen Kraftstation in Wurzen als Reserve hingewiesen.

Anfang1912 wurde die Leitung mit 124 km in Betrieb genommen. Ende Oktober 1912 ging das Kraftwerk in Wurzen außer Betrieb. (9)

Bild:30-kV-Mast WESAG-energiegeladen, 6. Jahrgang, 2/1999

 

 

Vielleicht können sich noch Einige an diese hohen Masten entlang der B 107 von Eilenburg über das alte 30-kV- Umspannwerk Bennewitz (auch Wurzen genannt s.o.) nach Trebsen erinnern

Über die, kurz als „Kulkwitzer Ring“ bezeichnete Stromtrasse versorgten die Landkraftwerke in Kulkwitz rund um Leipzig große Teile von Sachsen und Preußen.

 

 

Bild: Auszug 30-kV-Bahnkreuzung Leipzig–Dresden,

Gemeinde Bennewitz, von Ottendorf (11)

Manfred Hentschel, Bennewitz

(4) Hans-Jürgen Moltrecht, Die gleislose Bahn, Der Rundblick, Heft 2/1986

(5) Richard Klinkhardt, Städtische und Kreis-Versorgungsbetriebe, 178. Elektroenergieversorgung, Seite256, Wurzen

(6) Thomas Kauerauf, Quellennachweis, Thallwitz wird angeschlossen, Amtsblatt vom 21.02.2025,

(7) Frank Schimke, Stadtratssitzung 27.Mai 1909 Pkt.6, Wochenblatt Brandis 30.05.1909, Verlag Roither, Brandis

(8) Max Gustav Scheibe, Wurzen, Notarvertrag zur Übertragung der Geschäftsanteile, 21.01.1910

(9) Geschäftsbericht 1.Juli 1912 bis 30.Juni 1913„Landkraftwerke Leipzig Aktiengesellschaft in Kulkwitz“