Zu Besuch bei den Wasserbüffeln: Während der Bürgermeister "tierischen Kontakt" aufnimmt, informiert Landwirt Torsten Richter Wirtschaftsförderin Franziska Wölkerling über seine Herde. Diese hat er seit 2024 im Bestand seines Bio-Landwirtschaftsbetriebes.
Auf dem Kalkwitzer Spargelhof zeigte Inhaber Max Scharkowski (links) dem Bürgermeister und der Wirtschaftsförderin unter anderem die Räume, in denen zur Spargelsaison das "Weiße Gold" weiterverarbeitet wird. In diesen grünen Boxen etwa wird er frisch vom Feld angeliefert.
Am 9. September war es wieder soweit: Im Dienstkalender von Bürgermeister Marco Babenz und der Calauer Wirtschaftsförderin Franziska Wölkerling standen die nächsten Firmenbesuche notiert. Dieses Mal ging es „raus aufs Land“, genauer nach Bolschwitz und Kalkwitz. Dabei lernten sie nicht nur besondere Kulturen kennen, sondern auch besondere Tiere. Aber lesen Sie selbst!
Knapp eine Tonne schwer und erstaunlich gutmütig: Gemeint ist der Bulle der Wasserbüffelherde am Rande von Bolschwitz. Die acht imposanten Tiere gehören erst seit 2024 zum Portfolio des Landwirtschaftsbetriebes von Torsten Richter und haben dennoch eine wichtige Funktion: „Sie sind vor allem für die Pflege von Flächen nützlich, die gerade nicht bewirtschaftet werden“, so der Bio-Landwirt, der sein Unternehmen 1997 gründete. Beruflich schwebte ihm ursprünglich eine ganz andere Karriere vor: „Noch zu DDR-Zeiten absolvierte ich eine Ausbildung zum Haushaltsgroßgeräte-Techniker. Nach der Wende war dieser Beruf jedoch praktisch nicht mehr existent – ebenso wie der Betrieb, in dem ich meine Ausbildung machte. Daher entschied ich mich für einen Neuanfang, drückte noch einmal die Schulbank, holte mein Abitur nach und absolvierte anschließend ein Studium der Elektrotechnik.“ Durch familiäre Vorerfahrungen war er jedoch schon immer im Bereich der Landwirtschaft tätig, anfangs im Nebenerwerb. Sein heutiges Unternehmen gründete er dann vor knapp 30 Jahren. Dankbar ist er vor allem für die tatkräftige Unterstützung seiner Frau Manuela: „Sie unterstützt mich im Geschäftsbetrieb und hält mir den Rücken frei. Ohne sie würde das alles nicht so laufen.“
Neben den imposanten Wasserbüffeln gehören auch rund 100 Mutterkühe in Freilandhaltung zum Bestand des Betriebes. Diese werden vor allem an Verarbeitungsbetriebe in ganz Deutschland verkauft. Bei der Pflanzenproduktion hat sich Torsten Richter auf Sonderkulturen spezialisiert: „Rund um Bolschwitz ist der Boden nicht so nährstoffreich, so dass ich anfangs mit verschiedenen Kulturen experimentierte. Aktuell bauen wir biologisch Linsen, Buchweizen, Leindotter, Roggen und weitere Getreidesorten an. Ein besonderer Schwerpunkt bildet der Hirse-Anbau.“ Dieser werde, so der Landwirt weiter, über eine regionale Kooperationsgemeinschaft mit der Spreewälder Biomühle in Krieschow verarbeitet, verpackt und vertrieben. So landet etwa regelmäßig Bolschwitzer Bio-Goldhirse auf dem Frühstückstisch, vorzugsweise dem von gesundheitsbewussten Genießern.
Für die Zukunft hat Torsten Richter, der auch ausgebildeter Metgzer-Meister ist, noch einiges vor. „Perspektivisch möchte ich noch weiter in die Fleisch- und Wurstproduktion einsteigen. In diesem Zusammenhang baue ich gerade ein Nebengebäude unseres Hofes zu einer modernen Schlacht- und Produktionsanlage aus.“ Erste Kooperationen in diesem Bereich betreibt er bereits regional, etwa mit dem Gut Ogrosen. Und auch einen Hofladen oder ähnliches könne er sich gut vorstellen. Natürlich auch, um andere regional und biologisch erzeugte Produkte vertreiben zu können. Hier sei er sehr an der Zusammenarbeit mit anderen Partnern interessiert. Einen Punkt, den sich Bürgermeister und Wirtschaftsförderin mit Ausrufezeichen in ihre Notizbücher eingetragen haben dürften.
Der nächste Firmenbesuch dieses Tages führte nach Kalkwitz, wo Max Scharkowski zusammen mit seinen Eltern den Spargelhof als Bio-(Familien)betrieb betreibt. Hier gingen sie unter anderem der Frage nach, was das Spargelhänchen ist. Nein, es ist kein Gericht, das sich Max Scharkowski für figurbewusste Spargelliebhaber ausgedacht hat. Vielmehr hat er besonders nach der Erntesaison fast täglich damit zu tun: „Es handelt sich um einen Käfer, dessen Larve als Schädling am Grün der Spargelpflanzen auftritt. Die Raupen des Spargelhähnchens ernähren sich von den feinen Blättern des Spargelkrautes und richten dort erheblichen Schaden an.“ Insbesondere im Sommer und Frühherbst, wenn der volle Pflanzentrieb blüht und Kraft im Boden für den Spargel der nächsten Saison speichert, sei dies problematisch. Als reiner Biobetrieb habe man eine Lösung entwickelt, um dem Problem Herr zu werden. „Bisher klappt das ganz gut“, so der Spargelhofbetreiber.
Während der Spargelsaison, meist von Mitte April bis zum 24. Juni, sind auf den rund 10 Hektar des Betriebs täglich etwa 20 Saisonkräfte damit beschäftigt, das „Weiße Gold“ zu ernten, sortieren und zu verkaufen. „Die meisten unserer Arbeiter sind aus Polen und schon seit vielen Jahren vor Ort. Sie kennen uns und schätzen das familiäre Klima.“
Im Jahr 2014 hat Max Scharkowskis Vater den Spargelhof von Familie Radochla übernommen. Seitdem wurde viel am Standort des einstigen Kalkwitzer Obsthofes investiert. Neben einem Komplettumbau im Jahre 2020 setzt man auch auf moderne Technik bei der Verarbeitung. Scharkowski erklärte beim Rundgang durch die Verarbeitungshalle die einzelnen Schritte: „Nach dem Stechen auf dem Feld wird der Spargel hier angeliefert, vorgewaschen und runtergekühlt. Danach kommt er in die spezielle Verarbeitungsanlage, dem wichtigsten Gerät bei uns." Hier werde dieser dann gewaschen, sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Neben Verkaufsständen, etwa in Calau in der Cottbuser Straße und am Rewe, wird ein großer Teil direkt an die Gastronomie der Region vertrieben. Außerdem ist der Hofladen in Kalkwitz selbst beliebter Verkaufsort. Hier erhalten die Kunden auch andere regionale Produkte, etwa aus dem nahen Spreewald.
Und was macht den folienfreien Bio-Spargel aus Kalkwitz so besonders? Der Experte weiß es ganz genau: „Durch den bewussten Verzicht auf die Folien und den biologischen Anbau, wächst unser Spargel so natürlich wie möglich. Außerdem sind Bioprodukte in der heutigen Zeit sehr beliebt und werden gern nachgefragt.“
Und wer jetzt Appetit auf Spargel hat, muss nicht zum Beginn der Spargelsaison im Frühjahr 2027 warten. Abgepackten und direkt nach der Ernte eingefrorenen Spargel gibt es aktuell noch reichlich im Kalkwitzer Hofladen. Ein Rat vom Experten: „Die Spargelstangen im eingefrorenen Zustand kochen. Oder Spargelstücke in gefrorenem Zustand auf die Pizza – ein Genuss.“ Na dann guten Appetit.