Unter den "kritischen" Augen von Fahrlererin Simone Saar füllten der Bürgermeister und die Wirtschaftsförderin einen Fragebogen für die Theorieprüfung aus...
Im Rahmen ihrer regelmäßigen Unternehmensbesuche informierten sich Bürgermeister Marco Babenz und Wirtschaftsförderin Franziska Wölkerling kürzlich über die aktuelle Situation der hiesigen Fahrschulen. Mit gleich drei Betrieben verfügt Calau über ein recht breites Angebot in dieser Hinsicht. Gleichzeitig wurde in den Gesprächen deutlich, dass auch die Calauer Fahrschulinhaber – allesamt Einzelunternehmer – mit den branchenüblichen Herausforderungen konfrontiert sind. Steigende Kosten, zunehmende bürokratische Anforderungen und der Fachkräftemangel stellen die hiesigen Fahrschulen vor große Aufgaben. Wie vielfältig die Arbeit der Fahrschulen vor Ort ist und welche Themen die Inhaber aktuell bewegen, wurde bei den einzelnen Stationen des Besuchs deutlich.
Bereits im November 2025 schauten Bürgermeister und Wirtschaftsförderin bei der ersten Calauer Fahrschule vorbei. Simone Saar betreibt in der Cottbuser Straße 9 ihr Unternehmen und beim Besuch wurde es für die Gäste gleich etwas ernst. Sie mussten probehalber (und fürs Foto…) einen Testbogen für die theoretische Prüfung ausfüllen. Bürgermeister Marco Babenz fühlte sich gleich in die Zeiten seines Führerscheinerwerbs zurückversetzt, immerhin schon 35 Jahre her. „Einiges ist dann doch schon in Vergessenheit geraten“, meinte er schmunzelnd. Und so manche Frage, etwa rund um E-Mobilität, gab es zu seinen Zeiten nicht. Die zahlreichen Neuerungen im Bere
ich Führerschein erfordern es auch für Simone Saar als Fahrlehrerin, sich kontinuierlich fortzubilden. „
„Ich bin quasi in der Werkstatt meines Vaters aufgewachsen. Nach der Wende habe ich eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin gemacht, und irgendwann kam der Impuls, es als Fahrlehrerin zu versuchen. Das mache ich nun seit über 20 Jahren – und jeden Tag gibt es etwas Neues zu lernen.“ Nachdem sie über viele Jahre Fahrlehrerin in Anstellung war, wagte sie im Jahr 2023 den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihre Schülerinnen und Schüler kommen größtenteils aus Calau und den umliegenden Ortschaften. Sie können Kurse für Moped, Motorrad, Auto oder Auto mit Hänger (Klasse BE) absolvieren.
Andreas Neugebauer führt seit 1990 erfolgreich die gleichnamige Fahrschule, nachdem er bereits seit 1985 als Fahrlehrer tätig war. Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, bereut er bis heute nicht. Den aktuellen politischen Vorschlägen, wie etwa Simulatorstunden auf Schaltfahrzeugen, steht er eher skeptisch gegenüber: „Die Realität bleibt der beste Lehrer“, betont er. Genau das vermittelt er in seinen Fahrstunden, sei es auf dem Moped, Motorrad oder im Auto. Wie viele Schülerinnen und Schüler er in seinen über 35 Berufsjahren ausgebildet hat, kann er zwar nicht genau beziffern. Sicher ist jedoch eines: ‚Jedes Jahr lege ich mindestens 100.000 Kilometer zurück.‘ Das verdeutliche, so Neugebauer, zugleich, wie wichtig der Führerschein insbesondere im ländlichen Raum nach wie vor ist. „Er ist einfach unverzichtbar: Wenn der Bus am Tag nur zweimal fährt – oft nur als Schulbus –, wird der Weg von A nach B ohne Auto zur echten Herausforderung. Und das betrifft längst nicht nur die jüngeren Generationen. Auch viele ältere Menschen machen noch den Führerschein, weil sie darauf angewiesen sind, etwa wenn es um Arztbesuche geht.“
Als Ausgleich zum stressigen Alltag als Fahrlehrer findet der ehemalige Leichtathlet Entspannung beim regelmäßigen Fußballtraining beim 1. SV Lok Calau. Seiner Berufung als Fahrlehrer möchte er so lange nachgehen, wie es ihm Freude bereitet. Einen Nachfolger für seinen Ein-Mann-Betrieb hat er bislang jedoch noch nicht gefunden.
Gleich neben der Fahrschule Neugebauer betreibt Frank Thieß seine Fahrschule. Ebenfalls im Jahre 1990 machte sich der einstige Bergbauarbeiter selbstständig. „Ich habe schon zu DDR-Zeiten als Fahrlehrer gearbeitet und mich nach der Wende ins Abenteuer Selbstständigkeit gewagt. Zu Beginn waren wir vier angestellte Fahrlehrer, aktuell biete ich als Einmann-Betrieb die Kurse für Fahrschüler an.“ Jeweils einmal pro Woche, immer mittwochs um 17:30 Uhr, können wird der theoretische Unterricht in den verschiedenen Klassen (Moped, Motorrad, Auto und Auto mit Anhänger) angeboten. Auch hier gibt es so manche Kuriosität: „Da ich schon seit über 35 Jahren dabei bin, habe ich mittlerweile sogar schon die Enkelgeneration einiger Fahrschüler von damals vor mir sitzen.“ Zu den Plänen der Bundesregierung, die Kosten für den Führerschein durch digitale Angebote wie Onlineschulungen und -prüfungen sowie Fahrsimulatoren zu senken, hält der Experte indes nicht viel: „Steigende Kosten betreffen in unserer Branche alle Betriebe. Das liegt einerseits daran, dass Kosten für Fahrzeuge, deren Unterhaltung und Sprit in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. Auch der bürokratische Aufwand ist nicht ohne. Außerdem beobachten wir branchenweit, dass die Zahl der Fahrstunden sich erhöht hat, was natürlich ebenfalls ein Kostenfaktor ist.“
Frank Thieß betont – ähnlich wie Simone Saar und Andreas Neugebauer – dass der Führerschein nach wie vor wichtig ist, besonders im ländlichen Raum, und entsprechend stark nachgefragt wird: ‚Er ermöglicht Freiheit‘, bringt er es auf den Punkt. Wie Neugebauer möchte auch Frank Thieß „so lange wie möglich und mit Freude“ als Fahrlehrer arbeiten. Einen Nachfolger hat auch er bislang nicht.