Titel Logo
Heimatzeitung für das Cunewalder Tal („Czorneboh-Bieleboh-Zeitung“)
Ausgabe 2/2026
Amtlicher Teil
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Festrede des Bürgermeisters zum Bürgerabend am 23. Januar 2026

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Gäste,

ich darf mich bei der Begrüßung kurz fassen.

Danke und Anerkennung an die Theatergruppe für die wunderschöne Darbietung. Viele haben das 120. Schuljubiläum letztes Jahr in sehr guter Erinnerung. Was das Stück „Tuishi pamoja“ uns Erwachsenen damals vermittelte, hatte nicht nur mit den Tieren in Afrikas Savanne zu tun, sondern war deutliche Botschaft aus dem Kindermund, wie sich das Zusammenleben erwachsener Menschen in einem Land gestalten sollte.

Wir haben in unserem Dorf mit 4.500 Einwohnern viel mehr Kultur als sich der eine oder andere aktuelle oder frühere Empfänger von Kulturraumfördermitteln vorstellen kann. Im September hat die Theatergruppe der Polenz-Oberschule das Stück „Du bist was du siehst“ in den Ruinen der Mönchskirche in Bautzen uraufgeführt, kurz darauf in Cunewalde. Keiner konnte wissen, dass dies ein Abschied für immer vom Görlitzer Musiklehrer und -autor Lothar Gärtig war, der kurz darauf im Alter von nur 71 Jahren unerwartet verstarb. Er war ein Geschenk für unsere Schuljugendarbeit, die meisten Stücke, die unsere Theater-AG in den letzten Jahren im Polenzpark unter dem Thema „Spuk im Polenzpark“ aufführte, trugen seine Handschrift. Noch im letzten Jahr hat er hier gemeinsam mit Frau Herold für die musikalische Begleitung gesorgt und mit der AG ein Extra-Stück für den Bürgerempfang einstudiert. Diese Lücke wird nur sehr schwer zu schließen sein. Aber angesichts unserer so aktiven Grundschulkinder und der hervorragenden Möglichkeiten „unserer“ Landkreis-Oberschule, verbunden mit der so guten Schulsozialarbeit, wird uns dies gelingen. Die erfreuliche Nachricht: Am nächsten Mittwoch wird hier im Foyer die Film-AG der Polenz-Oberschule den diesjährigen Jugendengagementpreis des Landkreises Bautzen für ihr Filmprojekt “Rettet die Blaue Kugel“ erhalten. Herzlichen Dank für diesen Preis, Herr Landrat Witschas, und für die so umfangreichen Möglichkeiten, die der Landkreis als Träger der Oberschule unseren Kindern bietet. Am 5. März sind Sie alle herzlich zu einer öffentlichen Vorführung der Filme der Film-AG hier im Obergeschoss eingeladen.

Oft liegen in der Politik wie im privaten Leben Erfolge, Misserfolge, Höhen und Tiefen nah beieinander. 2025 war leider im kommunalen Bereich und der großen Politik eher von Tiefen geprägt. Aber Bürgermeister ist kein Beruf, sondern Berufung, auch in schwierigen Zeiten mit dem Blick nach vorn, Motivationskraft und dem festen Willen, gestalten zu wollen statt nur zu verwalten. Dennoch können wir diese Tiefen nicht negieren. Weltpolitisch war das vergangene Jahr kein gutes. Nach wie vor toben in der Welt Kriege. Der Ukraine-Krieg, den nun einmal Russland begonnen hat, bestimmt die Schlagzeilen, Kriegsschauplätze mit ebenso viel Elend in Jemen, Kongo oder dem Gaza-Streifen finden in unserem Bewusstsein kaum statt. Raketen zerstören Kraftwerke, damit Menschen frieren sollen. Schiffe werden gekapert und Präsidenten entführt.

Die Gefahr, dass in der Weltpolitik das Recht des Stärkeren über die Stärke des Rechts und des Völkerrechts gestellt wird und siegt, wird immer größer. Und wer kann dem einfachen Bürger diese Entwicklungen überhaupt noch objektiv und unvoreingenommen erklären? Facebook-Kommentare oder TikTok-Videos wohl eher nicht! Und das der Song von Mike Krüger aus 1983 „Freiheit für Grönland - Weg mit dem Packeis“ jetzt ganz anders interpretiert wird, lässt uns auch nicht ruhiger schlafen!

Der SPD-Politiker Egon Bahr - in seinen Äußerungen nicht unumstritten – wobei es allemal besser ist, auch unpopuläre Meinungen zu vertreten, statt nur die Fahne in den Wind zu hängen, stellte noch 2013 im Alter von über 90 Jahren fest: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ Und wenn man dem aktuellen US-Präsidenten eines zugestehen muss, dann, dass er sich für seine Politik nicht einmal die Mühe macht, diese mit diplomatischen Verklausulierungen zu begründen. Amerika zuerst, dafür bricht oder kündigt er völkerrechtliche Verträge und verwendet, wie schon in alten Indianerfilmen – ich sage bewusst Indianer – Wildwestmanieren. Die Welt droht wieder in zwei Lager aufgespalten zu werden, eines westlich vom Atlantik und eines östlich von uns. Europa sitzt wieder zwischen den Stühlen. Deutschland und die EU waren darauf nicht vorbereitet. Seit 1945 herrschte Frieden in Mitteleuropa, bis 1989 standen sich quer durch Deutschland zwei bis an die Zähne bewaffnete Großmächte mit ihren Verbündeten gegenüber. Vergessen wir nicht, dass wir wohl im geteilten Deutschland die ersten Opfer eines damals von allen gefürchteten und wahrscheinlich nur durch die gegenseitige Abschreckung verhinderten 3. Weltkrieges gewesen wären.

Dieses Gefühl der Sicherheit hatte viele Vorteile für uns. Der Wohlstand wuchs kontinuierlich, wenn auch im Westen Deutschlands schneller als im Osten und nach 1990 haben wir es, bei aller Kritik und Fehlern, geschafft, auch in diesem Landstrich an dem Wohlstand teilhaben zu dürfen. Aber diese Sicherheit und dieser Wohlstand bringen auch süße Gifte mit sich. Eine Bundeswehr war eher lästig, die NVA abgewickelt, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz immer mehr ein Fremdwort und von Worten wie Work-Life-Balance, Rechtsansprüchen und Gendersternchen Schritt für Schritt verdrängt. Freiheit und Wohlstand kennen aber nicht nur Rechte, auch Pflichten. Diese Pflichten, deren Erfüllung Grundlage unseres Wohlstandes ist, haben viele vergessen oder wollen sie nicht hören. Zur Erinnerung: Eine Musterung gab es auch vor 1990 in beiden Staaten. Sie bedeutete in Westdeutschland die Wahl zwischen einem Pflichtdienst in der Armee oder Zivildienst. Im Osten bekamen wir erst nach 1990 dieses Auswahl-Recht. Davor wurden in der DDR Wehrdienstverweigerer im günstigsten Fall als Bausoldaten eingesetzt.

Die Pflicht liegt darin, seinem Land in einer wählbaren Form zu dienen und damit etwas zurückzugeben. Soziale Dienste, z. B. als Zivi im Pflegeheim, in Schichten und nicht Work-Life-Balance, helfen auch, soziale Kompetenzen zu erlangen. Die Wirtschaft in Deutschland ist im Sinkflug, über Jahre hat die Bundesregierung alle Warnhinweise überhört oder nicht hören wollen. Insolvenzen von kleineren Firmen werden überregional kaum noch bemerkt, weder in Cunewalde noch in Baden-Württemberg. Der vorzeitige Abtritt der Regierung und Neuwahlen waren eine Konsequenz, die Ursachen wurden nicht nur in den letzten 3 Jahren gesetzt. Ob es besser gewesen wäre, wenn ein späterer Finanzminister sich bei der vorvorletzten Bundestagswahl 2018 entschieden hätte, lieber schlecht mit zu regieren, als nicht zu regieren oder 4 Jahre danach, kann nur er beantworten. Wenn heute die Politik wieder nach dem teilweisen Ausstieg vom Verbrennerausstieg ruft - unpolitische Techniker hatten dies schon vor Jahren vermutet – wird dies so werden, die in Deutschland verlorenen Arbeitsplätze, die jetzt zum Beispiel entlang der A 4 zwischen Zgorzelec und der ukrainischen Grenze entstehen, bringt dies nicht wieder. Auch deshalb war 2025 für unsere Gemeinde kein gutes Jahr. Wir haben in den letzten 4 Jahren annähernd 400 Arbeitsplätze verloren, das ist jeder Fünfte. Wo in der Automobilzuliefererindustrie fast 400 Leute tätig waren, sind es heute noch 80. Die größte Firma ist von der Bildfläche verschwunden, die Hallen stehen leer. Die zweitgrößte – MFT – hat im Oktober Insolvenz angemeldet. Beide Entwicklungen kamen durchaus mit Ansage. Glücklicherweise verfügen wir über zahlreiche leistungsstarke Familienunternehmen im Ort, die unsere wirtschaftliche Haut nicht zum ersten Mal retten. Im Mai 2023 habe ich Gemeinderat und meinem Landrat diese drohende Entwicklung aufgezeigt, Handlungserfordernisse und Handlungsoptionen dargelegt, zu einer Zeit, als es noch brummte – leider ohne Resonanz. Fehler macht man in Friedenszeiten, hat mir ein erfolgreicher Cunewalder Unternehmer schon in meinen Anfangsjahren als Bürgermeister mit auf den Weg gegeben. Diese, fast schon Deindustrialisierung nennbare wirtschaftliche Entwicklung kann man auch in energiewirtschaftlichen Daten nachlesen: Gesamtstromabsatz in Cunewalde 2022 fast 25.000 Megawattstunden, 2024 noch 16.000, ein Viertel fast komplett durch den Wegfall von 8.200 Megawattstunden bei Industrieabnehmern.

Mit wegfallenden Arbeitsplätzen und Firmen ist die Steuerkraft gesunken und da diese Entwicklung vielerorts im Land so ist, kommt kein finanzieller Ausgleich von Landkreis, Freistaat oder Bund. Gleichzeitig steigen die Ausgaben, allein 1,9 Mio. €, also ca. 20 Prozent aller Ausgaben entrichten wir als Kreisumlage. Ursache der explodierenden Kreishaushalte sind die, fast ausnahmslos, durch den Bund in den letzten Jahren beschlossenen Sozialleistungen, nicht nur für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge, sondern auch Bürgergeldansprüche ohne Sanktionen für Menschen, die, manchmal auch bei uns, so hilfebedürftig gar nicht sind. Bei uns, Herr Landrat, hat fast jede Akte ein Gesicht. Vielfach kein Gesicht haben diejenigen unter uns, die jeden Tag ihrem Job nachgehen, der zum Teil noch gefährdet ist und nicht dem Tarif im öffentlichen Dienst nahekommt. Die Personalkosten der Gemeinde liegen mit ca. 453 € je Einwohner noch unter dem Niveau eines Dorfes mit unter 3.000 Einwohnern und um ca. 120 € je Einwohner unter dem Kreisdurchschnitt. Die kommunalen Anteile an der Kitabetreuung liegen bei über 1 Mio. €, also jeder 9. Euro an Ausgaben insgesamt und die Gewerbesteuern sind erheblich gesunken.

Die Folgen waren Beschlüsse im Gemeinderat zu regelrechten Sparorgien. Einige Beispiele:

  • Erhöhung der Hundesteuer von 60 € auf 80 € bringt 4.500 € für 211 steuerpflichtige Vierbeiner – ohne Jagdhunde – denen nur 101 Zweibeiner im Alter von 0 bis 3 Jahren gegenüberstehen
  • 54.000 € durch höhere Mieten, Pachten und Nutzungsentgelte
  • 45.000 € ab 2026 durch die Erhöhung der Grundsteuer

Niemand ist glücklich, wenn ihm mehr in die Taschen gegriffen wird. Deshalb haben wir auch Ausgaben reduziert:

  • Wir sind aus der Touristischen Gebietsgemeinschaft ausgetreten, um den Beitrag von rund 5 T€ zu sparen.
  • Wir haben den Eigenbetrieb Kultur abgewickelt, gekoppelt mit massiven Leistungseinschränkungen in der Tourist-Information und Kündigungen.
  • Die Gemeindebibliothek hat nur noch an 2 Nachmittagen geöffnet, die beiden langjährigen Betreuerinnen deshalb künftig nicht mehr mit an Bord.
  • Wir haben es durch weitere, kaum bemerkte Personalmaßnahmen geschafft, trotz Tarifsteigerungen unsere Personalkosten in Grenzen zu halten.

Unseren Anspruch, den nur ein Fünftel der Städte und Gemeinden im Freistaat überhaupt umgesetzt hat oder umsetzen konnte, die Grundsteuerreform aufkommensneutral zu halten – seit 2016 haben wir 9 Jahre den Grundsteuerhebesatz konstant halten können – haben wir nur ein Jahr durchhalten können. Vielleicht war der Anspruch der Aufkommensneutralität zwar ein ehrbarer, aber am Ende von mir auch persönlich falsch eingeschätztes Ziel. Der Hebesatz musste für 2026 auf 435 v. H. erhöht werden, effektiv für alle Grundsteuerpflichtigen eine Erhöhung um 16 Prozent.

Dadurch, und weil sich viele Bürger noch mehr ehrenamtlich engagierten und Leistungen übernahmen, ist es uns gelungen, die schlimmsten Szenarien zu verhindern. Aber der Preis ist sehr hoch. Dieses Haus ist weiter offen, wir haben die geplanten Investitionen, dank hoher Förderquoten durchführen und finanziell absichern können. Allein 482 T€ haben wir in die letzte Hochwassermaßnahme an der Ölmühle investiert, 48 T€ in neue Sirenen, 30 T€ in LEADER-Kleinprojekte, 25 T€ für das Flurneuordnungsverfahren bereitgestellt. Dankbar bin ich, dass es uns im Gemeinderat, trotz natürlich vorhandener unterschiedlicher Auffassungen, am Ende gelungen ist, unsere Handlungsfähigkeit beizubehalten.

Was viele in der Region und manch „Ureinwohner“ nach wie vor nicht wissen: All unsere freiwilligen Leistungen, auch für Umlandgemeinden, erbringen wir nach wie vor, trotz einer unterdurchschnittlichen Steuerkraft. Wir nehmen pro Kopf 870 € an Steuern ein, 123 € weniger als der Durchschnitt im Landkreis. Es gibt keine andere vergleichbare Gemeinde der Region, die derartig viele Kulturangebote und so viele Vereine hat, staatlich anerkannter Erholungsort ist und eine öffentliche und soziale Infrastruktur vorweist, die es in vielen Kleinstädten so nicht gibt. Zwischen Obercunewalde und Löbau oder nördlich vom Czorneboh sucht man diese, nicht nur als Gaststätten, vergebens! Wir haben immer schon – erfolgreich und ohne Rumpelstilzchen – verstanden, aus Stroh Gold zu spinnen.

Anfang Januar saß gefühlt, jeder 2. Cunewalder vor dem Fernseher, um im MDR die Sendung „Unser Dorf hat Wochenende“ zu verfolgen. Die Einschaltquoten lagen erheblich höher als die ohnehin schon hohe Quote dieser Sendung und waren am 3. Januar um 19:50 Uhr im Sendegebiet des MDR sogar die höchsten, noch vor der Tagesschau. Zweieinhalb Tage hatten 2 Teams Cunewalde besucht und gleich zum Anfang festgestellt, dass es in Cunewalde Stoff für 3 Sendungen gäbe. Die Initiative kam nicht von mir, sondern vom Gemeinderat Florian Sieber und vom Handballverein Oberlausitz Cunewalde e. V., die sich schon Mitte 2024 beworben hatten. Dankbar bin ich für die vielen positiven Resonanzen aus der gesamten Region. Meine Frau wurde in Bautzen von einer Verkäuferin darauf angesprochen. Diese Sendung - keine Politsendung - sondern das Gemeinwesen auf den Dörfern in den Vordergrund stellend, ist ein unwahrscheinlich guter Werbebotschafter für den Ort Cunewalde, in dem es sich gut leben, arbeiten und erholen lässt. Aber das kommt nicht von alleine!

Vereinzelten Kritikern sei gesagt: Selber Ideen entwickeln und mitspielen ist immer besser, als vom Spielfeldrand aus zu kritisieren.

Wenn heute Rundfunkgebühren zu Recht hinterfragt werden, sollte man fairerhalber sagen: RTL würde sich wohl kaum einer solchen Heimatsendung widmen, da sie sich nicht rechnet.

Viele junge engagierte Menschen, unter ihnen mein stellvertretender Bürgermeister, prägten diese MDR-Sendung, aber sie war nicht der Auftakt für die Bürgermeisterwahl 2027. Dies ist schon deshalb nicht der Fall, weil Florian Sieber, was ich persönlich sehr bedaure, für eine Kandidatur zur Bürgermeisterwahl nicht zur Verfügung steht.

Was liegt 2026 vor uns?

Hauptaufgabe wird die Sicherung von Arbeitsplätzen, Stärkung der einheimischen Wirtschaft und die Begleitung im notwendigen Transformationsprozess sein. Es gibt gute Ansätze abseits von Teilen für Verbrennermotoren. Wenn diese Dinge zum Tragen kommen – aktuell sprechen wir beim Konzept der neuen MFT-Investoren über Schienenfahrzeugbau und Kommunaltechnik – werden die Hallen nicht verwaisen und die Arbeitsplatzzahlen wieder steigen. Hierfür ist es noch ein weiter, steiniger Weg. Es gilt weiter, viele Gespräche zu führen in Berlin, Dresden, Bautzen wie auch innerhalb unserer eigenen Unternehmerschaft. Dies erfolgt mehr im Stillen und ist bis das Ergebnis vorliegt auch kein Stoff für Garagendebatten. Die verlorengegangenen Arbeitsplätze in der Automobilzulieferindustrie kommen nicht wieder. Wir haben keine großen ebenen Flächen für Neuansiedlungen, aber gesunde und innovative einheimische mittelständische Unternehmen. Das ist unser Faustpfand. Wir werden unsere Gemeinde umbauen, der Dreiklang zwischen gut leben, arbeiten und erholen wird sich verschieben, hin zu einem attraktiven Wohnort, auch für Fachleute, die aktuell mit Milliarden Investitionen des sog. Strukturwandels in die Region gelockt werden sollen. Dabei gilt es auch, die Verteidigungs- und Katastrophenschutzindustrie im Auge zu behalten. Hier muss, ob man dies nun schön findet oder nicht, aber den weltpolitischen Entwicklungen geschuldigt, in den nächsten Jahren ein hohes Maß an öffentliche Ausgaben und Wertschöpfung getätigt werden.

Wenn ein Geschäft ohnehin stattfindet, sollte man versuchen, daran teil zu haben – so eine alte Kaufmannsregel – sonst macht das Geschäft der Nebenmann. In diesen Fällen würden dann, wie nach 1990, wieder nur Arbeitsplätze in anderen Regionen Deutschlands gesichert.

Aus einem gesicherten Gehalt ist es auch einfacher, Grundsatzdebatten zu führen, als wenn man nicht weiß, ob man morgen noch seinen Job behält. Dies ist speziell in den ostdeutschen Ländern keine neue Erfahrung, auch meine persönliche von Anfang der 90er Jahre, als ich als Vater einer jungen Familie mit 2 Kindern, 13 Monate lang Arbeitslosen- und Umschulungsgeld bezogen habe. Dann hat man einen anderen Blick als manche Politiker linker oder rechter Parteien oder Gewerkschafter, die sich, sauber voneinander getrennt, vor den Toren von Alstom in Görlitz aufbauen. Letzte Woche war ich mit unserer Bauamtsleiterin bei der Sächsischen Aufbaubank in Dresden, um die Weichen für zwei neue Städtebaufördergebiete zu stellen. Die Zeichen stehen gut – trotz Sparzwängen stehen hier vom Bund die Gelder bereit. Wir möchten die Erfolgsstory der früheren Fördergebiete Nieder- und und Mittelcunewalde fortführen, von denen viele private Eigentümer mit Zuschüssen partizipieren konnten.

Ein Schwerpunkt soll der Ortsteil Weigsdorf-Köblitz zwischen Albert-Schweitzer-Siedlung, Motorenwerksgelände und Schiller-Schule sein, auch, weil einzelne leerstehende Motorenwerkshallen neuesten Investorenansprüchen nicht mehr genügen und wegfallende Arbeitsplätze auch zunehmenden Leerstand in der Albert-Schweitzer-Siedlung bedeuten. In den 600 Wohnungen dort leben heute nur noch 664 Einwohner, 2007 waren es noch 926, 20 Prozent der Wohnungen stehen leer. Aber wie man leerstehende Eigentumswohnungen in einem Wohnblock zurückbauen soll, hat noch niemand beantwortet.

Das zweite Fördergebiet soll zwischen der Rabinke, Kirchensemble und dem alten Gemeindeamt begründet werden, mit den klassischen Zielen, den Erhalt und die Sanierung wertvoller Bausubstanz, vordringlich der Umgebindehäuser, zu unterstützen. Selbst das ZDF hatte sich in seinem Mittagsmagazin an einem Tag hierfür den Cunewalder Umgebindehäusern und ihren Sanierern gewidmet – Werbung pur für unser Dorf. Baurecht für neue Bauplätze muss geschaffen werden, ebenso wie attraktiver neuer Mietwohnraum. Die Städte und Gemeinden um uns herum schlafen nicht und haben uns überholt, auch weil hier Stadt- und Gemeinderäte aller Fraktionen bei diesem Thema an einem Strang ziehen. Nur das schönste Tal der Oberlausitz bewahren zu wollen, wird sich rächen, denn wir reden auch über die Zukunft oder Nichtzukunft unserer Kinder und Enkel im Ort oder anderswo. Ein Blick auf die aktuellen demografischen Zahlen zeigt den unmittelbaren Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Aufschwung und positivem Wanderungssaldo. Hier hat sich in den letzten 2 Jahren zu negativem umgekehrt, wofür wir 10 Jahre gebraucht haben. Städtebauförderung und die Entwicklung neuer Bauplätze – und wir sprechen am Beispiel des neuen Bebauungsplanprojektes „Am Bergschlösschen“ nie über große Gebiete – müssen gemeinsam erfolgen. Denken wir daran, dass auch unsere Vorfahren in dem Tal Weitblick hatten und nicht nur ihre Vergangenheit gehuldigt, aus der man schlechte Dinge ohnehin eher vergisst. Übrigens sind kritische Fotos von vor 1989 von der biologisch toten Spree, aus der man noch in Rodewitz erkennen konnte, welcher Jeansstoff in Neugersdorf gefärbt wurde, dem grauen Schnee um den 80 Meter hohen Schornstein vom Heizwerk in Weigsdorf-Köblitz und dem desolaten Zustand mancher kleiner, in den 70er Jahren zwangsprivatisierten Weberei schon deshalb kaum verfügbar, weil es gefährlich sein konnte, solche Fotos zu verbreiten. Auch Kurt Weber hatte nach dem Krieg viele Fotos, z. B. vom Abbruch des Polenzschlosses, nur geheim gemacht. Durch den Polenzpark flossen danach noch 1989 ungehindert die Abwässer vom dort anstelle des Schlosses errichteten Schweinestall. In den letzten 35 Jahren haben wir in Cunewalde in weit überdurchschnittlichem Umfang von öffentlichen Fördergeldern partizipiert. Dem Vorschlag, künftig in unserer CBZ, die erfolgreich in ihr zweites Leben gestartet ist, Artikel unter der Rubrik „CBZ vor 30 Jahren“ abzudrucken, kann ich viel abgewinnen.

Letzte Woche fanden Submissionen für unser aktuell größtes Einzelvorhaben – dem Neubau einer kombinierten Kindertagesstätte und Altentagespflege in Weigsdorf-Köblitz - statt. Schon 2018 als die Kita-Kapazitäten nicht mehr ausreichten, hatten wir dieses Strukturwandelprojekt auf den Weg gebracht, bewusst in einem flexiblen Baukonzept mit einer Altentagespflege in ein und demselben Gebäude. Eines funktioniert aber nicht: Man kann nicht über fehlende Geburten klagen und gleichzeitig dagegen sein, wenn junge Menschen Baurecht auf dem Grundstück ihrer Großeltern schaffen wollen oder nach Cunewalde ziehen möchten. Gönnen wir unseren Kindern auch das, was wir uns selbst in den letzten 35 Jahren gegönnt haben oder wir haben in absehbarer Zeit niemand jungen mehr, der uns pflegt. Der Pflegeheimplatz in Cunewalde – und wir sind nicht die teuersten – kostet zwischen 3.700 und 5.600 Euro je Monat, davon sind ca. 3.500 Euro im Monat als Eigenanteil selbst zu finanzieren. Die neuen Städtebauförderprogramme sollen übrigens ähnlich lange positiv wirken, wie unser Flurneuordnungsverfahren. Frau Richter und mir geht die Planung für die Straße nach Zieglertal zwar nicht schnell genug, aber die Finanzierung ist mit einem Fördersatz von 83 % gesichert. Wir möchten noch dieses Jahr anfangen. Die gesamte Straße werden wir in Abschnitten bauen müssen, da auch die 17 % Eigenanteil, was ca. 280 T€ ausmacht, für uns eine hohe Kraftanstrengung bedeuten. Flurneuordnung bedeutet auch Entlastung des Einzelnen von hohen Vermessungskosten – wer schon einmal einen Vermesser privat beauftragt hat, weiß, wovon ich rede. Im März möchten wir hier auf diesem Saal sowohl die Endfassung unseres neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes vorstellen als auch zur Teilnehmerversammlung Flurneuordnung einladen. Beide Male gilt es, sich aus erster Hand zu informieren – Auge in Auge, statt über Facebook. In Rammenau und Doberschau-Gaußig laufen die Verfahren seit vielen Jahren mit viel Erfolg, manch Bürgermeister wäre froh, in ein solches Verfahren aufgenommen zu werden. Wir haben das finanziell, flächenmäßig und zeitlich umfangreichste Flurneuordnungsgebiet im ganzen Landkreis. Danke, Herr Landrat, für diese Möglichkeit, viele weitere Investitionen sind hier schon in Vorbereitung. Deshalb hier bitte keine Experimente einer im Raum stehenden Strukturanpassung zulassen und nicht die Zahnräder aus dem Getriebe nehmen, die den Motor antreiben. 2026 wird unser Veranstaltungskalender wieder prall gefüllt sein, weil sich so viele Vereine und mit ihnen so viele Bürger engagieren.

  • Gleich 2 Freiwillige Feuerwehren in Weigsdorf-Köblitz und Schönberg werden ihr 150-jähriges Jubiläum begehen. Feuerwehren wie auch Vereine leben seit ihrer Gründung in demokratischen Strukturen, denn jeder Wehrleiter und Vereinsvorstand wird gewählt und eben nicht, wie in einer Diktatur, vor die Nase gesetzt.
  • Trotz der gestrichenen Vereinsförderung wird der Karneval in diesem Hause stattfinden.
  • Das Kultur- und Veranstaltungsangebot hier im Haus mussten wir jedoch massiv ausdünnen.
  • Die Kirche ist auch 2026 der renommierteste Veranstaltungsort innerhalb des Lausitz-Festivals, welches immer mehr Gäste aus ganz Deutschland nach Cunewalde zieht – in den letzten Jahren mit Künstlern aus China, den USA, Argentinien und Großbritannien.

Die meisten dieser Dinge werde ich mit einem sehr guten Team in der Gemeindeverwaltung 2026 und im ersten Halbjahr 2027 hoffentlich soweit auf den Weg bringen können, dass sie noch lange eine, über meine im nächsten Jahr auslaufende Amtszeit hinaus, positive Wirkung entfalten. Wie sich sicherlich herumgesprochen hat, werde ich dann nicht erneut für das so verantwortungsvolle Amt des Bürgermeisters kandidieren, obwohl dies vom biologischen und beamtenrechtlichen Alter durchaus mit dann 60 Jahren noch einmal möglich wäre. Gern unterstütze ich auch danach eine neue Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister, vorausgesetzt, diese Unterstützung hat mein Nachfolger/meine Nachfolgerin überhaupt nötig und würde mich darum bitten. Hineinregieren möchte ich dann jedenfalls nicht mehr. Wir haben in diesem Dorf, nicht nur seit meiner Amtseinführung in Weigsdorf-Köblitz 1994 und Gesamt-Cunewalde 1999, sondern auch unter meinen Amtsvorgängern Günter Weickert und Peter Rachner, immer unterstützt von engagierten, konstruktiven und uneigennützigen Gemeinderäten, unwahrscheinlich viel erreicht, auch weil wir gute Ratgeber und Begleiter hatten. Vielleicht tobt nächstes Jahr um diese Zeit schon der Wahlkampf und es stehen Kandidaten Schlange, aber es gibt auch Gründe, weswegen 2025 allein im Landkreis Bautzen 4 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vorzeitig aus ihrem Amt ausgeschieden sind. In Neschwitz fand sich erst im zweiten Anlauf überhaupt ein Kandidat - eine neue liebe Bürgermeisterkollegin, die vorher beruflich als Trauerrednerin tätig war – aber auch Haushaltreden gleichen ja eher Trauerreden. Cunewalde hat, nicht nur wegen der MDR-Sendung, in der Region einen so guten Ruf, wir sind ein „kleiner Leuchtturm“. Es lohnt sich, dieser Gemeinde als Bürgermeister zu dienen, es muss auch nicht zwingend ein Ureinwohner sein. Zuzug hat uns immer gut getan, auch im Privaten, meine Frau stammt aus Thüringen. Die letzten 3 der 4 Bürgermeister unserer Partnergemeinde Schefflenz sind keine Ureinwohner, sondern haben nach ihrer Wahl in Schefflenz ihren Lebensmittelpunkt genommen. Was einer Kirchgemeinde und dem jungen Kirchenvorstand vor mehreren Jahren erfolgreich gelang, mit einem Image-Video Theologiestudenten, die weiß Gott – Entschuldigung Herr Pfarrer – von ihrer Anzahl her sehr dünn gesät sind, für Cunewalde zu begeistern, wie man am Beispiel von unserem Gemeinderat Dr. Christoph Schröder und seiner lieben Frau Inkeri wohl bestens beobachten kann, kann auch ein guter Weg für eine Bürgermeisterwahl sein. Im Vorstand vom Cunewalder Verein 800 e. V. haben wir uns vor kurzem einer solchen Idee gewidmet, parteiunabhängig und mit der gehörigen Portion Lokalpatriotismus. Jedem Unternehmen, jedem Dorf tut auch ein Blick von außen ebenso gut, wie eigener Nachwuchs. Ein Imagevideo soll beide Gruppen gleichermaßen erreichen und begeistern. Ich unterstütze hierbei gern, gebe aber keine Stellenbeschreibung vor. Sie sehen also, sehr geehrte Gäste, wir haben für heute Abend noch sehr viel Gesprächsstoff.

Anschließend möchten wir uns bei Bürgerinnen und Bürgern bedanken. Die genauen Dankesworte möchte ich nicht vorwegnehmen, sie stehen in den Laudatien. Hinsichtlich der Laudatoren habe ich einen Hinweis, damit nicht erst die Gerüchteküche kocht.

Ich hätte es, auch schon im letzten Jahr, sehr begrüßt, wenn die 3 Laudatoren jeweils aus einer Fraktion im Gemeinderat kommen und auch alle 3 angesprochen. Leider ist bei einer Fraktion das Lampenfieber zu groß und deshalb bin ich Gemeinderat Dr. Udo Mann dankbar, dass er sehr schnell auf meine Bitte reagiert hat, als dritter Laudator zu wirken.

In seinem Song „Freiheit für Grönland – Weg mit dem Packeis“ gibt uns Mike Krüger auch einen Ratschlag, der da heißt:

„Lieber eine Nacht mal versumpfen, als im Sumpf übernachten“ und schließt ab mit dem Aufruf „Es gibt viel zu tun, warten wir’s ab“.