In den letzten Monaten haben sich Gemeinderat und Ausschüsse intensiv mit einer sogenannten Aufgabenkritik der Leistungen unseres Bauhofes befasst. Die Bauhofleistungen werden schon seit vielen Jahren jährlich als sogenannte innere Verrechnungen ermittelt, auf viele Kostenstellen gebucht und in den Ausschüssen vorgestellt.
Ca. 20 Prozent oder ca. 2.650 der insgesamt geleisteten 13.200 Arbeitsstunden sind sogenannte freiwillige Leistungen. Anders herum entfallen von den ca. 629 T€, die der Bauhof pro Jahr insgesamt an Kosten benötigt (Stand 2024), ca. 128 T€ auf die Erfüllung dieser Aufgaben.
Es geht also immer auch darum, auf welche Leistungen ggf. verzichtet werden kann oder welche eingeschränkt werden können. In zahlreichen Fällen – und andere Gemeinden machen dies vor – kann auch der Bürger zur Entlastung beitragen. Der Verrechnungssatz pro Bauhofstunde liegt (einschl. aller Technikkosten, etc.) mit 47,70 € durchaus auf vergleichbarer Ebene zu vielen Dienstleistungsstundensätzen privater Anbieter und ist im Vergleich zu anderen benachbarten Gemeinden unterdurchschnittlich.
Vielen Cunewaldern ist die wechselvolle Geschichte des Polenzparkes und die Geschichte der Polenz-Familie bestens bekannt. Nicht zuletzt haben auch die meisten von uns über viele Jahre die Schule besucht, die den Namen von Cunewaldes bekannter Persönlichkeit Wilhelm von Polenz trägt.
1880 ließ Julius Kurt von Polenz, der Vater von Wilhelm von Polenz, in Obercunewalde nach den Plänen des Hofrates Johann Karl Friedrich Bouché – seines Zeichens königlicher Obergartendirektor des großen Gartens in Dresden – und dem Dresdner Stadtgärtner Wilhelm Moritz Degenhardt den heutigen Polenzpark anlegen.
Im Mittelpunkt stand damals das Schloss. Nach dem Kriegsende 1945 wurde die Familie vertrieben, ihre Besitztümer enteignet und kurze Zeit darauf auch das Schloss abgerissen.
Auch Teile des Parkes verschwanden.
Von 1945 bis 1990 hatten die verbliebenen Anwesen und der Park eine sehr wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Am Ende verwilderte der Park immer mehr und mitten im Parkgelände wurde eine Schweinemastanlage errichtet. Heute ist nicht mehr erkennbar, dass die Teile der damaligen Schweinemastanlage, dank unseres engagierten Schützenvereines, nach 1990 mit hohem Einsatz und Fördermitteln in eine moderne Raumschießanlage umgewandelt wurden. Dieser kleine Teil des Parkes und das Gebäude ist heute Eigentum des Schützenvereines Cunewalder Tal e. V. und wird durch die Mitglieder liebevoll gepflegt.
Der weit überwiegende Teil des Parkes wurde 1990 als öffentliche Parkanlage in gemeindliches Eigentum „kommunalisiert“.
Heute erstrahlen zahlreiche der früheren Nebengebäude wieder annähernd im alten Glanz und alle Teichanlagen und das Parkgelände sind saniert.
Zwischen 2006 und 2018, als wir den Park nach umfangreicher Sanierung „wiedereröffnen“ konnten, sind in die Sanierung von Gebäuden, Parkanlage und Gewässern insgesamt 2,293 Millionen Euro an Fördermitteln geflossen, die zu weit über 90 Prozent von Bund und Freistaat übernommen wurden. 1,6 Millionen Euro flossen in die Sanierung des Parkes und der Teiche und ca. 693 Tausend Euro in die Sanierung der historischen Gebäude, die heute durch den Schützenverein (67 Tausend Euro Förderung) oder durch die Gemeinde genutzt werden.
Die Investition ist die eine Seite – die laufenden Unterhaltungskosten die andere Seite der Medaille.
Heute werden durch den Bauhof 248 Stunden im Jahr für die Pflege der Wiesen- und weiteren Grünflächen, der kleinen Parkanlage am Polenz-Denkmal und dem Spielplatz „Luginsland“ aufgebracht. Dies können wir aber nur zum Teil mit dem Bauhof selbst leisten!
Hinzuzurechnen sind noch einmal ca. 1.200 € an Fremdkosten jährlich, die wir für den ersten Schnitt im Jahr an eine externe Firma vergeben, da die technischen Möglichkeiten und personellen Ressourcen des Bauhofes nicht ausreichen.
Anders als bis ca. zum Jahr 2010, als für einzelne Teiche noch Pächter vorhanden waren, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Teiche in Schuss hielten, liegt auch die Unterhaltung der Teichanlagen heute bei der Gemeinde, da sie praktisch als Angelteiche oder für die Fischereiwirtschaft nicht nutzbar sind. Dank der enormen Investitionen hält sich hier aktuell glücklicherweise der Unterhaltungsaufwand aber in Grenzen.
In unregelmäßigen Abständen hat sich vor 1990 wie auch danach die Bürgerschaft für den Erhalt des Polenzparkes und dessen Imagepflege engagiert. Wohl den meisten noch in Erinnerung sind die früheren Parkfeste und die wunderschöne Veranstaltung „Picknick im Park“, die wir im Rahmen der Eröffnung 2018 durchführen konnten, die aber mit enormen personellem, aber auch finanziellem Aufwand für die Gemeinde verbunden und nur mit finanzieller Unterstützung des Landkreises möglich war.
Auch der Schützenverein und andere Vereine, wie die Haus- und Hobbybrauer, machen mit Veranstaltungen immer wieder auf den wunderschönen Park auch als Aushängeschild für die Gemeinde aufmerksam. Familie Kahl als Nachbar nimmt sich, soweit möglich, auch der Pflege des Mühlteiches an.
Im letzten Jahr war die Polenz-Oberschule hier gemeinsam mit einer Initiative um Frau Sabine Weniger und Eltern aus Obercunewalde tätig, die sich der Verbesserung des Parkes und des Spielplatzes widmeten und auch hier kräftig bei der Unterhaltung Hand anlegten.
2018 hatte sich schon einmal ein Freundeskreis gefunden, der sich die Pflege und den Erhalt des Polenzparkes zum Inhalt gemacht hatte und auch erste Spenden, insbesondere von früheren Cunewaldern, waren eingegangen.
Wenn der Polenzpark weiter so attraktiv bleiben und auch eine Oase der Erholung sein soll, wird es auch künftig nicht ausreichen, wenn nur der kommunale Bauhof diese Aufgabe übernimmt.
Die Gemeinde und ihre Bürger haben dies einerseits schwierige, aber auch attraktive Erbe zur Pflege und Unterhaltung des Polenzparkes erst dadurch übernehmen müssen, weil im Ergebnis des schlimmsten aller Kriege auf der Welt 1945 derartige gesellschaftliche Umbrüche erfolgten. Bürgermeister, Gemeinderäte und Bauhöfe (soweit es denn diese vor 1945 überhaupt gab) kannten die Aufgabe „Polenzpark“ nicht, dafür sorgte die Familie, die sich über Generationen viele Verdienste um die Entwicklung unserer Gemeinde erworben hatte, vor diesem schlimmen Krieg nämlich ganz alleine.