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Dahlener Nachrichten - Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Dahlen
Ausgabe 4/2026
Informationen aus dem Rathaus
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Der Dahlener Schwanenteich – ein Teich, zwei Schwäne und eine erstaunlich große Debatte

 

Der Dahlener Schwanenteich liegt mitten im Stadtzentrum von Dahlen (04774) und gehört seit über einem Jahrhundert zum festen Stadtbild. Angelegt wurde er bereits im 19. Jahrhundert und entwickelte sich schnell zu einem kleinen Wahrzeichen der Stadt. Direkt am Teich stand einst die Gaststätte „Zum Schwanenschlösschen", ein beliebter Ort für Ausflügler und Treffpunkt für Dahlener Bürger. Der Name kam nicht von ungefähr – denn zum Schwanenteich gehörten traditionell auch echte Schwäne.

Über viele Jahrzehnte prägten die Tiere das Bild des Teiches. Irgendwann verschwand diese Tradition jedoch, bis man sich vor einigen Jahren entschloss, diese wieder aufleben zu lassen. Zwei Höckerschwäne zogen ein: Hans und Heidi.

Die beiden wurden schnell zu bekannten Bewohnern der Stadt. Die Anschaffung finanzierte sich nicht aus geheimnisvollen Stadtkassen, sondern ganz bodenständig: durch Spenden – unter anderem der Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen (WHD) sowie von Privatpersonen. Wer also glaubte, der Schwanenteich sei eine besonders raffinierte Einnahmequelle der Stadt, musste leider feststellen: Reich wird man damit ungefähr so schnell wie mit Entenfüttern.

Hans und Heidi machten genau das, was Schwäne ebenso machen: Sie schwammen ihre Runden, brüteten sogar zahlreichen Nachwuchs aus und gehörten bald wieder ganz selbstverständlich zum Stadtbild. Damit ging der damalige Wunsch der Dahlener Bürgerinnen und Bürger in Erfüllung.

Doch dann begann die große Debatte.

Plötzlich wurde aus dem kleinen Stadtteich eine Art Prüfstein moderner Schwanenethik. Im Lokalteil der Leipziger Volkszeitung berichtete man mehrfach über Diskussionen zur Haltung. Der Teich, der jahrzehntelang problemlos funktionierte, wurde nun wahlweise zum Problemfall oder – je nach Perspektive – fast schon zum Notfallgebiet für Wasservögel erklärt.

Auch in den sozialen Netzwerken kursierten engagierte Diskussionen. Es meldeten sich immer wieder Stimmen zu Wort, die den Schwänen ein deutlich dramatischeres Schicksal zuschrieben, als es vermutlich selbst den Schwänen bewusst war. Dies ging von verbalen Äußerungen bis hin zur Forderung dem verantwortlichen in Dahlen „Die Arme und Beine abzuhacken und auf einen Berg zu stellen". Hier sei die Frage gestattet, in wie weit stehen Äußerungen mit respektvollem Umgang, den man von Bürgern erwartet, in Gewichtung? Wo bleibt der Anstand und Respekt und vor allem die Wertigkeit der Menschenwürde dieser Tierschützer??? Grundgesetz Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Es meldeten sich überwiegend Personen, aus den alten Bundesländern, die die örtlichen Begebenheiten nicht kennen. Nach dem Facebook-Akteure zur Rede ihrer Äußerungen gestellt wurden, folgten Entschuldigungen, da sie von den Initiatoren Informationen erhielten, die weit von der Realität entfernt waren und sind.

Selbst Behörden verzweifelten in ihrem Tun an dieser Debatte. So wurden Forderungen aufgetan, die Insel durch Aufschüttungen zu vergrößern, um mehr Grünfläche von min. 30 m² zu schaffen. Sicher eine Möglichkeit die Diskussionen zu entschärfen. Jedoch bedachte man nicht, dass damit ein Bereich der Quellen, die den Teich speisen, begraben werden würden. Eine solche Maßnahme erfordert, wie es die bürokratische Gründlichkeit verlangt, zahlreiche Genehmigungen vieler wichtiger Fachbereiche. Das hierzu nicht zuletzt viel Geld zur Umsetzung notwendig ist, war zweitrangig, da dies durch die Stadt, also die Bürgerinnen und Bürger zu leisten sei.

Selbst Humor half nur bedingt. Beim Dahlener Carneval wurde das Thema längst mit einem augenzwinkernden Schlachtruf kommentiert: „Hans und Heidi – Schwanenteich – wir sammeln drei Euro – die Stadt wird reich!" Ein schöner Gag – nur leider mit einem kleinen Realitätsproblem: Der große wirtschaftliche Aufschwung durch zwei Schwäne blieb aus.

Am Ende nahm die Geschichte eine pragmatische Wendung. Es gab wahre Tierfreunde, die gern dem Schwanenpaar auf ihrem Teich ein geschütztes Zuhause geben wollten und leuchtende Kinderaugen dazu...

Die Schwäne wurden umgesetzt – an ein Gewässer mit mehr natürlichem Raum. Man könnte also sagen: es wurde mit gesundem Menschenverstand gehandelt und eine Lösung gefunden. Die viel diskutierte „Rettungsaktion" war erfolgreich.

 

 

Die Schwäne sind jetzt dort angekommen, wo sie von allen gewollt sind – und wo vermutlich deutlich weniger über sie diskutiert wird. Wer Hans und Heidi besuchen möchte, kann dies gern im Tierpark Delitzsch tun.

Der Dahlener Schwanenteich bleibt derweil, was er immer war: ein kleiner Teich mitten in der Stadt mit einer langen Geschichte. Nur eben ohne die Tiere, nach denen er benannt wurde.

Nun können sich alle Akteure, welche übrigens 2 % der Bevölkerung der gesamten Stadt Dahlen entspricht, auf die Schulter klopfen.