Die Frage stand im Raum: Wie kann man die deutsche Sprache besser lernen? Natürlich durch vielfältiges Sprechen! Also war die Idee eines Sprachcafés geboren. Die Kirchengemeinde Kirchhain-Frankena stellte den Gemeindesaal in der Kirchstraße 3 zur Verfügung. Jeden Dienstag von 18.00 bis 20.00 Uhr (manchmal auch länger) treffen sich in Kirchhain Geflüchtete, deutsche Ehrenamtliche und Eltern mit Kindern, um gemeinsam den Gebrauch der deutschen Sprache zu üben.
Das geschieht durch Gespräche, Alltagssituationen, Nachfragen - besonders wegen der nicht einfachen deutschen Grammatik – Zuhören und Mut machen. Es kommt nicht darauf an, alles perfekt zu beherrschen, sondern der Prozess des Lernens beflügelt das Selbstbewusstsein der Geflüchten, deutsch zu sprechen. Es entsteht eine wichtige Basis: Vertrauen.
Wenn man auf die Zeit schaut, sind seit dem Beginn mindestens 36 Stunden gemeinsamen Lernens zusammengekommen (achtzehn Abende á zwei Stunden). Wer schon einmal neu irgendwo war weiß, sechsunddreißig Stunden sind nicht „nur“ sechsunddreißig Stunden. Das sind Begrüßungen, erste Sätze, kleine Missverständnisse, Erleichterung wenn man verstanden wird und das Gefühl, nicht allein zu sein. Das Schönste ist: Viele, die am Anfang kaum ein Gespräch beginnen wollten, machen es jetzt einfach. Sie fragen nach, erzählen, scherzen, helfen anderen.
Und am Ende eines Abends passierte etwas, das man nicht planen kann: Die Gruppe hat ein eigenes „Zusammenhalts-Lied“ geschrieben – mit ihren Worten, ihren Ideen, ihrem Humor. Wir singen es zum Abschluss. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil es unser Lied ist. Dass das möglich wurde, hat mit Menschen zu tun, die Verantwortung übernommen haben.
Die Idee kam von Gideon Githue, der das Sprachcafé mit viel Engagement ins Leben rief. Auch Andreas Prinz war entscheidend dafür, dass das Sprachcafé überhaupt Realität werden konnte, gemeinsam mit lokalen Ehrenamtlichen (Frau Rippert, Herr Bleckat, Frau Enke, Frau Schreiber, Eheleute Damm, Eheleute Schöller, Frau Wondzinski, Frau Gottfried …), die das Projekt zuverlässig mittragen.
Frau Rippert ist für viele die verbindende Kraft: präsent, klar, herzlich und immer da, wenn es darauf ankommt. Herr Bleckat ist für uns ein Ansprechpartner, auf den man sich verlassen kann. Frau Enke und Frau Schreiber haben ebenfalls unterstützt – ruhig, praktisch und beständig. Und
auch der größeren Gemeinschaft gilt Dank für Ermutigung, Hilfe im Hintergrund und offene Türen.
Ein besonderer Dank geht an die evangelische Kirchengemeinde Kirchhain-Frankena, die uns ihr Vertrauen geschenkt hat und einen schönen Raum zur Verfügung stellt. In Zeiten, in denen viele lieber Abstand halten oder sich nicht sichtbar positionieren möchten, ist so ein Vertrauen nicht selbstverständlich und genau deshalb so wertvoll.
Manche Dinge, die hier entstehen, sind ganz konkret: Einige haben im Sprachcafé Freundschaften gefunden. Manche sprechen von einem Gefühl wie „Familie“. Und es gab bereits Fälle, in denen Menschen durch Kontakte im Café Unterstützung und Arbeitsreferenzen gefunden haben. Einige haben Sprachkurse mit Erfolg abgeschlossen, der erste Weg in die Zukunft. So wächst Teilhabe nicht durch große Worte, sondern durch Begegnung. Wir gehen in die Zukunft mit Dankbarkeit.
Nicht weil alles leicht ist, sondern weil wir erlebt haben was möglich wird, wenn Menschen sich wirklich begegnen.
Anfangs trauten sich nur wenige Geflüchtete ins Sprachcafé. Heute ist es ein Raum voller Stimmen und es erklingt ein Lied, das wir gemeinsam geschrieben haben.