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Forstkurier Amts- u. Informationsblatt VG Droyßiger-Zeitzer Forst
Ausgabe 2/2026
Droyßig
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Aus unserer Heimat - Schicksalsjahr 1966 in Weißenborn geschrieben von Kurt Penkwitz / Weißenborn, neu erfasst von M. Wötzel

Am 11. Mai 1966 gegen 10.00 Uhr ereignete sich am Kirchberg ein schwerer Verkehrsunfall. Ein sechsjähriges Weißenborner Mädchen wurde vom Milchauto überfahren. Es wollte hinter dem Milchauto über die Straße laufen, wurde aber vom Anhänger erfasst. Zum Glück wurde sie im Krankenhaus wieder hergestellt.

Am 17. Juni 1966, ein Freitag, verunglückte der Bauernsohn Horst Lehmann aus Stolzenhain schwer. Er war mit der Reinigung seines Treckers in der Schmiede beschäftigt. Er wollte den Auspuff ausbrennen, dazu verwendete er Test-Benzin, das sofort explodierte und ihn in Flammen setzte. Mit schweren Verbrennungen wurde er sofort ins Krankenhaus gebracht. In der Nacht zum Sonntag ist er verstorben. Alles trauerte um den guten und braven Menschen. Die Beerdigung fand am 23. Juni 1966 unter sehr großer Beteiligung statt.

Er war erst 24 Jahre alt. Er war ein hoffnungsvoller Sohn seiner Eltern.

Am gleichen Tag, dem 17. Juni 1966, ertrank im Mittelteich in Romsdorf der bei der LPG „Aufbau“ beschäftigte Acronom Herr H. Bühner, 31 Jahre alt wohnhaft in Geußnitz. Er stammt aus Kleineichstädt (Eichsfeld). Des Schwimmens unkundig, verwendete er einen Autoreifen, dieser platzte und er

ertrank. Ab diesen Tag wurde das öffentliche Baden in diesem Gewässer verboten.

In den ersten Junitagen 1966 fuhr der 77jährige Weißenborner Rentner Friedrich Heß mit einen ausgeliehenen Pferdefuhrwerk Heu in sein Grundstück ein (Dorfstraße36, heute Mrosek). Statt nun vorschriftsmäßig neben den fahrenden Heu Fuder einher zu laufen, schlug er die Warnung seiner Ehefrau in den Wind und nahm auf dem vollbeladenen Heuwagen Platz. Nachdem auf dem Hof das Pferd bereits ausgespannt war, ging seine besorgte Frau eine Leiter holen, damit ihr Mann vom Heufuder absteigen konnte. Währenddessen stürzte der betagte Bürger auf das Kopfsteinpflaster. An den erlittenen Verletzungen ist er dann nach einigen Tagen Krankenhausaufenthalt verstorben.

Seit den 22. August 1966 wurde in Weißenborn eine Annahmestelle für Propangasflaschen eingerichtet. Die Einwohner waren darüber sehr dankbar. So wurde ihnen lange Anfahrtswege nach Zeitz erspart. Im Gehöft Nr. 3 Fam. Gerold (heute 2025 Nr.9 Fam. Hilbig). Die Gasflaschen werden mit einen Gütertaxi aus Zeitz angeliefert.

Im November 1966 fahren schwere russische Panzer und Fahrzeuge öfter durch unseren Ort zu jeder Tages und Nachtzeit. Die Militärtransporte kommen aus Naumburg und Weißenfels und fahren zu Schießübungen in den Zeitzer Forst. Die Besatzungsmacht ist seit 1945 im Zeitzer Forst stationiert.

In Weißenborn hört man immer das Übungsschießen. Die Weißenborner bangen um ihre Dorfstraße, das Katzenkopfpflaster hat aber bisher standgehalten.

Am Samstag den 17. Dezember 1966 wurde zum ersten Mal in Weißenborn die Asche abgefahren, ebenso im Ortsteil Stolzenhain. Diese Einrichtung wird allgemein begrüßt. Es gehört zur Ordnung das nicht jeder Bürger seine Asche und Abfälle in der Flur ablegt. Dadurch ist eine langjährige Forderung der Einwohner realisiert.

Weihnachten 1966! Morgen ist Weihnachten. Kerzen werden brennen in unseren Wohnungen, Weihnachtslieder erklingen, Kinder werden glücklich sein. Ein Duft nach Äpfeln, Kuchen und Braten und ein Tannenbaum erleben wir zu dieser schönen Jahreszeit. Das Fest der Liebe und des Lichtes erleben wie ein jedes Jahr. Die Leiden von 1966 werden Narben bekommen. Der Wunsch und Sehnsüchte nach Gesundheit, Glück und Frieden haben alle Menschen in unseren schönen, stillen Weißenborn.

„Wir sehn aufs alte Jahr zurück und haben neuen Mut.

Ein neues Jahr, ein neues Glück, die Zeit ist immer gut.“

M. Wötzel / Februar 2026