Das Museum Boijmans Van Beuningen ist das größte Kunstmuseum in Rotterdam und beherbergt über 140.000 Gemälde sowie Skulpturen. Darunter befindet sich auch eine Serie von Linolschnitten der Künstlerin Ondine de Kroon (*1961), die sie im Jahr 1991 schuf. Die farbigen Linolschnitte zeigen Kunstsammler und -mäzene aus unterschiedlichen Epochen. Frau de Kroon griff dabei unbefangen auf bestehende Abbildungen zurück und schuf eine Szenerie, in der Realität und Fiktion verschmelzen. Im Einzelnen porträtierte sie auf diese Art und Weise:
Ein weiterer Linolschnitt dieser Serie zeigt „unseren“ Johann Gottlob von Quandt (1787-1859), in einem Katalog blätternd. Das Blatt hat die Abmessungen 65x68 cm. Die bedruckte Fläche ist 56x59 cm groß. Das Motiv kommt Ihnen sicher irgendwie bekannt vor: Es erinnert an das bekannte Gemälde von Ferdinand Hartmann (1774–1842) aus dem Jahr 1827, welches lange Zeit Christian Vogel von Vogelstein (1788–1868) zugeschrieben wurde. In der Bildbeschreibung zum Linolschnitt wurde 1991 noch Vogelstein als Quelle genannt. Ondine de Kroon wird diesen Fehler im Museum berichtigen lassen.
Offensichtlich hat Ondine de Kroon die Person Quandts wie im Originalgemälde in das Linoleum geschnitten, sodass sie beim Druck seitenverkehrt erscheint. Um den Sammler des 19. Jahrhunderts zu charakterisieren, fügte sie weitere Elemente hinzu: Die religiösen Drucke, mit denen Goethes Freund im Originalporträt verewigt war, wichen Szenen mit Schlössern und Prinzen zu Pferd. Eine romantische Landschaft des deutschen Malers Caspar David Friedrich im Hintergrund dient dabei als Sinnbild der Epoche – als Vorlage fungierte hier wohl das Gemälde Mann und Frau den Mond betrachtend, welches im Druck ebenfalls seitenverkehrt zum Original dargestellt ist.
Frau de Kroon hat mir freundlicherweise einen originalen Druckabzug zur Verfügung gestellt.