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Wesenitztaler Landbote – Amtliches Mitteilungsblatt der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach
Ausgabe 5/2026
Wissenswertes und Unterhaltsames
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Friedrich Ludwig Leuschner: Ein Leben zwischen Industrie, Politik und Nächstenliebe

Ein Leben zwischen Industrie, Politik und Nächstenliebe

Unweit des ursprünglichen Liegeplatzes im Gelände des heutigen Helmholzzentrums, dort, wo der Kalte Bach das Institutsgelände verlässt, lag lange Zeit der sog. „Leuschner-Stein“.

In einem Vor-Ort-Termin am 20. April haben Vertreter vom Freundeskreis Eschdorf und der Stadt Dresden einen neuen, würdigeren Liegeplatz festgelegt. Am Weg, der vom Dittersbacher Tor zum Kalten Bach führt, diesen mittels Trittsteinen überquerend, wird er in Zukunft an einem kleinen, mit Pflastersteinen eingegrenzten Platz mit Info-Tafel liegen.

 

 

Später wird der Stein auch von der rechten Seite des Kalten Baches, nämlich aus Richtung Querweg nach Rossendorf begehbar sein. So sieht es zumindest die Wanderweg-Konzeption des Freundeskreises Eschdorf vor.

Wer war dieser Leuschner, dem der Stein gewidmet ist?

Ein wenig über ihn verrät schon die Inschrift:

„1824-1889 - Friedrich Ludwig Leuschner – Herrn von Dittersbach zum Danke und Gedächtnis“

„Louis“ Leuschner - er bevorzugte zeitlebens diesen Rufnamen, wurde am 10. März 1824 in Gräfenhainichen als Sohn eines Gastwirts geboren. Seine Wurzeln waren geprägt von einer traditionsreichen Familie, die Apotheker und Geistliche hervorgebracht hatte. Eine entscheidende Basis für seinen späteren Erfolg legte seine Ausbildung an den Franckeschen Stiftungen in Halle (Der Theologe und Pädagoge August Hermann Francke gründete 1698 diese Stiftung). Hier kam er nicht nur mit einer fundierten wissenschaftlichen Bildung in Berührung, sondern verinnerlichte auch jenen christlich-humanitären Geist, der sein gesamtes späteres Handeln bestimmen sollte.

 

 

Nach einer kaufmännischen Lehre zog es ihn 1844 nach Glauchau, wo er zunächst als Angestellter in der Textilbranche tätig war. Leuschner bewies rasch Unternehmergeist: Nur sieben Jahre später, im Jahr 1851, erwarb er das Bürgerrecht und gründete gemeinsam mit Karl Wilhelm Stauß die Firma Stauß u. Leuschner. Was als kleine Produktion auf Handwebstühlen begann, entwickelte sich unter seiner alleinigen Führung ab 1869 zu einem hochmodernen Industriebetrieb mit mechanischen Webstühlen. Seine kaufmännische Intelligenz und rastlose Energie machten das Unternehmen zu einem Pfeiler der sächsischen Wirtschaft.

Doch Leuschner war weit mehr als ein Fabrikant. Sein Verständnis von Bürgertum umfasste die aktive Gestaltung des Gemeinwesens. Er engagierte sich in der Handelskammer, wirkte als Handelsrichter und vertrat die Nationalliberale Partei sowohl in der sächsischen Ständeversammlung als auch – in zwei Legislaturperioden – im deutschen Reichstag. Besonders bemerkenswert war sein Wirken während der Einigungskriege: Sein Einsatz in der freiwilligen Krankenpflege 1870/71 sowie großzügige Stiftungen für Kriegswaisen brachten ihm hohe staatliche Auszeichnungen und schließlich 1887 das Ehrenbürgerrecht seiner Geburtsstadt Gräfenhainichen ein.

 

 

Trotz seines enormen geschäftlichen und politischen Erfolgs blieb Leuschner im Privaten bescheiden. Sein Motto „Mein Heim ist meine Welt“ spiegelte sich in der liebevollen Gestaltung seiner Wohnsitze wider, insbesondere in seiner Villa in Glauchau und den Rittergütern Limbach und Dittersbach welches er 1883 aus dem Konkurs unter Gustav von Quandt übernahm. Ein tiefer Schicksalsschlag markierte das Ende seines Lebensweges: Inmitten der Weihnachtszeit des Jahres 1889 verstarb seine älteste Tochter Magdalena; nur zwei Tage später, am 29. Dezember 1889, erlag auch Louis Leuschner einer schweren Krankheit.

Sein Vermächtnis blieb jedoch lebendig. Lange vor der staatlichen Sozialgesetzgebung hatte er Kranken- und Pensionskassen für seine Belegschaft eingeführt. Nach seinem Tod setzten seine Witwe und seine Kinder seine Pläne um und eröffneten das „Leuschner-Haus“ als Heimstatt für bedürftige Witwen. Louis Leuschner bleibt der Stadt Glauchau nicht nur als bedeutender Industrieller, sondern vor allem als ein Mann von „dankbarster Pietät“ und unermüdlicher Nächstenliebe in Erinnerung. Wohl zu Unrecht spielt die Familie Leuschner in der Dittersbacher Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Die Verlegung des „Leuschner-Steins“ an einen besser zugänglichen Ort, der einmal Teil eines Rund-Wanderwegs werden soll, trägt der Würdigung der Person Ludwig Leuschner Rechnung.

Bernd Heinrich