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Wesenitztaler Landbote – Amtliches Mitteilungsblatt der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach
Ausgabe 7/2026
Wissenswertes und Unterhaltsames
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25 Jahre Wiedereröffnung Belvedere Schöne Höhe

Am 4. Mai 2026 jährte sich zum 25. Mal der Tag der feierlichen Wiedereröffnung des Belvederes Schöne Höhe.

 

 

Grund genug, um am 12. Juli in geladener Runde auf dieses Ereignis, die Geschichte des Turmschlösschen und seine heutige Bedeutung zu schauen. Gleichzeitig galt es, einem engagierten Streiter des Quandtvereins Dittersbach zur Förderung der Künste e.V. für sein jahrelanges, beharrliche Ringen um das Erbe Quandts zu danken. Der Dürrröhrsdorfer Maler und Künstler Steffen Fischer präsentierte an diesem Nachmittag erstmals seine neue Ausstellung unter dem Titel „Arena“, die bis Ende Oktober zu sehen sein wird. Den musikalischen Rahmen bildeten Kammersänger Prof. Mathias Henneberg und die Pianistin Frau Prof. Marlies Jacob am Flügel. Für alle Beteiligten und die zahlreichen Besucher ein gelungener Auftakt in die 2. Ausstellungssaison im Turm.

Jochen Frank verwies in seiner Einführung auf die besondere Geschichte und Bedeutung des Belvederes als erste Gothe-Gedenkstätte auf deutschem Boden, deren Bau noch zu Lebzeiten des Dichterfürsten begonnen wurde.

Der Bau geht auf den 1787 in der Nähe von Leipzig geborenen und späteren Rittergutsbesitzer von Dittersbach Johann Gottlob von Quandt zurück. Quandt, Kunstkenner, Kunstmäzen und ein glühender Goetheverehrer sah in der Person Goethes das Abbild des idealen Menschen. Bereits in seinen Dresdner Wohnhäusern hatte er dem vom ihm verehrten Dichter einen Goethesaal geschaffen.

Als Quandt 1829 das Schloss und Rittergut Dittersbach erwarb, begann rund um Dittersbach eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Schloss und Park wurden erweitert und umgebaut und die Landwirtschaft erhielt neuen Schwung. Quandts Blick galt aber auch der Landschaft ringsumher. Mit der sogenannten „verschönten Landschaft“ schuf er die Grundlagen heutiger touristischer Attraktionen. Hubertuskapelle, König Anton-Denkmal, Verfassungssäule und die Teufelsbrücke künden heute wieder von der ehemaligen Schönheit der Landschaftsgestaltung.

Bereits 1830 begann Quandt, sein Lieblingsprojekt umzusetzen. Ein Turmschlösschen mit einem Freskensaal um Goethe zu huldigen war der Plan. Ein Turmschlösschen, fest gefügt und gut geplant, sollte die Jahrhunderte überdauern und dem Wanderer schon von weitem von der Bedeutung dieses Ortes künden. Mit Joseph Thürmer fand Quandt den geeigneten Architekten für sein Vorhaben. Als der bekannte sächsische Hofbaumeister und Professor der Baukunst 1832, also noch vor Vollendung des Baues verstarb, trat an seine Stelle der Nachfolger im Amt Gottfried Semper. Decke und Ornamentik im Freskensaal sind Sempers Werk.

In den Jahren1835-1838 schuf Carl Peschel, die wunderschönen Fresken nach Goethedichtungen, die wir seit 2001 wieder bewundern können.

Für Quandt war der Freskensaal Refugium und Arbeitsort, um seinem verehrten Dichter nahe zu sein.

Quandt hatte 1830 bei einem Besuch bei Goethe in Weimar persönlich von seinem Vorhaben informiert. Goethe, der 1832 starb, erlebte die Fertigstellung nicht.

Nach Quandts Tod im Jahre 1859 konnte sein Erbe nur schwer bewahrt werden. Es kam zum Ausverkauf des Quandtschen Erbes. Die Besitzer des Schlosses und damit des Belvederes wechselt häufig. Der Turm wurde in den folgenden Jahren Lager der Gaststätte, Aussiedlerwohnung, Ferienwohnung und zu anderen Zwecken genutzt. Da die Stadt Dresden der letzte rechtmäßige Eigentümer des Schlosses und des Turmes war, bestand kaum Möglichkeit, dass die Gemeinde selbst etwas für die Erhaltung tun konnte. 1974 musste der Turm wegen der baufälligen Treppe gesperrt werden.

1987, es war das Jahr des 200. Geburtstags Quandts, besann man sich wieder seiner.

Vor allem der Initiative von Dr. Bernd Heinrich und seinem Schwiegervater Tischlermeister Eberhard Schneider ist es zu danken, dass die Turmaussicht wieder begehbar wurde. Im gleichen Jahr erschien die noch heute gültige Quandtbroschüre als Festschrift.

1997 erwarb die Gemeinde Dürrröhrsdorf den Turm mitsamt Gaststätte und Flächen von der Stadt Dresden. Damit war der Weg frei, um Fördermittel für die Sanierung zu akquirieren. Diese flossen reichlich, so dass die Arbeiten bis zum Frühjahr 2001 erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Der 1996 gegründete Quandtverein begleitet und organisierte eine Vielzahl an Maßnahmen der Sanierung.

Als es 2004 plötzlich Bestrebungen gab, jenen Verein aufzulösen, „rebellierten“ die Mitglieder in einer denkwürdigen Versammlung. Die Auflösung wurde abgelehnt und ein neuer Vorsitzender gefunden.

Mit Peter Große an der Spitze gelang es in den folgenden Jahren, das Belvedere wieder zu einem touristischen und künstlerischen Treffpunkt zu entwickeln. Lesungen, Vorträge, kleine Konzerte und vor allem die jährlichen 2 Ausstellungen im Obergeschoss gehörten dazu.

Im Lieblingstal und im Schlosspark tat sich unter seiner Mitwirkung Großartiges. Der Wiederaufbau der Hubertuskapelle, der beiden Denkmäler, der Teufelsbrücke, die wasserschöpfende Nymphe Ernst Rietzschels, der Apollino u.a. bildeten den Grundstock des heute so attraktiven Rundwanderwegs.

 

 

Erwähnt sei hier unbedingt der Architekt Eberhart Harnisch, er maßgeblich für die planerischen und bautechnischen Belange verantwortlich zeichnet und sich bis heute für das Lieblingstal engagiert.

Im Rahmen der feierlichen Veranstaltung bedankten wir uns ganz herzlich bei Peter Große für sein Engagement und Ringen. Der stellv. Bürgermeister Prof. Hubert Braun dankte im Namen der Gemeindeverwaltung.

Nach wunderschönen Melodien inmitten der schönsten Fresken, begann die Vernissage zur Ausstellung von Steffen Fischer.

Die Dresdner Galeristin Frau Weber würdigte die Werke des Künstlers. In ihrer Laudatio und im Ausstellungsprospekt heißt es dazu:

„Steffen Fischer ist ein bildgewaltiger Zeichner dionysischer Mysterien, von Ekstasen, Parodie und Grotesken. Er beschäftigt sich mit alten und neuen Mythen und fügt die in sein Welttheater ein. Die realistische Bildsprache ist geprägt von lasziver Schönheit und monströser Körperlichkeit. Mit der spontan fließenden Linie begibt sich der Künstler auf den Weg, um das einzukreisen, was ihn beunruhigt und bewegt und hoffen lässt, dass sich der Mensch nicht in der Gier nach Macht verliert“

 

 

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die besondere musikalischen Umrahmung der Veranstaltung durch Herrn Kammersänger Prof. Mathias Henneberg und die Pianistin Frau Prof. Marlies Jacob auch im Namen der begeisterten Zuhörer.

Steffen Fischer lud im Anschluss an die Auftaktveranstaltung alle Gäste und Besucher in die Ausstellungsräume im Obergeschoss ein. Noch lange wurden interessante Gespräche geführt.

J. Frank
Quandtverein