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Amtsblatt Stadt Dessau-Roßlau
Ausgabe 13/2023
Aus dem Rathaus
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250 Jahre Philanthropinum Dessau

Als „Schule der Menschenfreundschaft“ wurde das Philanthropinum 1774 durch Johann Bernhard Basedow in Dessau gegründet, als „Stammmutter aller guten Schulen“ lobte der Philosoph Immanuel Kant schon kurze Zeit später das fortschrittliche Institut. Obwohl es in seiner ursprünglichen Form nur knapp zwei Jahrzehnte Bestand hatte, entfaltete das Philanthropinum im Zeitalter der Aufklärung eine enorme Ausstrahlung, die weit über die engen Grenzen des Fürstentums Anhalt-Dessau hinausging. Heute gilt es als wichtigste deutsche Reformschule des 18. Jahrhunderts und stellt einen bedeutsamen Gedächtnisort der Pädagogik dar, dessen Wirkung bis heute international anerkannt ist.

Die Stadt Dessau-Roßlau und das Gymnasium Philanthropinum nehmen das 250- jährige Gründungsjubiläum zum Anlass, die Geschichte und Gegenwart der Schule mit zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen eines Festjahres 2024 zu würdigen.

Gemeinsamer Neujahrsempfang der Stadt Dessau-Roßlau und des Gymnasiums Philanthropinum am 14. Januar 2024

Anlässlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums des Philanthropinum Dessau findet der Neujahrsempfang der Stadt Dessau-Roßlau in diesem Jahr gemeinsam mit dem Gymnasium Philanthropinum statt. Zu diesem Anlass wird am 14. Januar 2024 um 17.00 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau der eigens für das Jubiläum aufgenommene „Philan-Song“ mit dem Schulchor des Gymnasiums „Die Fürstsingers“ präsentiert. Ein Festvortrag mit dem Dessauer Autor und Dramaturgen Andreas Hillger führt in das Jubiläumsjahr ein. Um 19.00 Uhr schließt sich der Tradition folgend zum Auftakt des neuen Jahres die Anhaltische Philharmonie Dessau mit Auszügen aus dem Neujahrskonzert unter dem Motto „Ouvertüre 2024“ an. Dahinter verbirgt sich ein überaus abwechslungsreiches Programm, das den musikalischen Bogen von barocker Festmusik bis zur Filmmusik der 1930er spannt.

Lesereihe „Pflanzschule der Menschheit“ von Januar bis Dezember 2024

Anlässlich des 250-jährigen Philanthropinum-Jubiläums findet in Dessau-Roßlau 2024 eine Lesereihe unter dem Titel „Pflanzschule der Menschheit“ statt. Dabei werden an ausgewählten Orten, die zum Teil engen Bezug zu der historischen Schule besitzen, im Monatsrhythmus Autoren und Texte aus dem Umfeld der Bildungsanstalt und der Zeit der Aufklärung präsentiert. Zum Auftakt der Reihe, in deren Rahmen namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Kunst und Religion auftreten, liest der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalt, Joachim Liebig, am 16. Januar 2024 um 18.00 Uhr in der Aula des Gymnasiums Philanthropinum aus dem „Elementarwerk“ von Johann Bernhard Basedow.

Mit diesem „Vorrath der besten Erkenntnisse zum Lernen, Lehren, Wiederholen und Nachdenken“, der den Bildungshorizont für junge Leser abstecken sollte, legte der Pädagoge 1774 fast zeitgleich zur Gründung seiner Dessauer Schule ein Kompendium des Wissens über den Menschen und die Welt vor. Das seinerzeit viel gelesene Buch versammelt neben biologischen und physikalischen, geografischen und historischen Abschnitten auch moralische und religiöse Einsichten - „ohne im geringsten zu urtheilen, und zwar mit weltkundiger Gewißheit beschrieben“. Dies begründet den aufklärerischen Wert des Werks – ebenso wie die Tatsache, dass sich unter den 100 Kupfertafeln, die Daniel Chodowiecki beisteuerte, auch ein Porträt des jüdischen, aus Dessau stammenden Gelehrten Moses Mendelssohn befand.

Dass sich Basedow der Vorläufigkeit seiner Schrift bewusst war, dass er sie immer wieder „durch Vermehrung, durch Verminderung und durch Aenderung“ verbesserte, zeigt sein Selbstverständnis als lebenslang Lernender. Der Lehrer sah sein Werk nicht als unfehlbar, sondern als Angebot zur Fortschreibung. Noch im Vorwort der letzten von ihm bearbeiteten Auflage kommt er Kritikern zuvor, indem er mögliche Fehler einräumt: „Ich that, was zu thun möglich war.“ Zudem flankierte er sein „Elementarwerk“ mit anderen Publikationen wie dem „Methodenbuch“ und empfahl Übersetzungen des Textes als Mittel der Sprachübung. Unter den Lehrern seiner Dessauer Schule, die alle auch publizistisch tätig waren und teilweise fortdauernden Nachruhm erlangten, darf er damit den Rang eines Enzyklopädisten beanspruchen – auch wenn sich etliche Passagen inzwischen wirklich überholt haben. So weiß Basedow über die Meeresbewohner zu berichten: „Man redet auch von Seemännern und Seeweibern, die vorn einige Aehnlichkeit mit Menschen haben.“