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Amtsblatt Stadt Dessau-Roßlau
Ausgabe 3/2026
Aus dem Rathaus
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Neue Stolpersteine werden an Martha und Paul Brandenburg erinnern

Martha und Paul Brandenburg zogen 1931 mit ihren vier Kindern von Leipzig nach Dessau, wo Paul Brandenburg in den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken arbeitete. Aufgrund verbüßter Zuchthausstrafen und des politischen Engagements gegen die aufstrebenden Nationalsozialisten war die Familie nach 1933 von der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen und verelendete zunehmend. Nach einem versuchten Lebensmitteldiebstahl 1937 für einige Monate in Haft, wies die Gestapo Dessau Paul Brandenburg am 6. September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald ein. Sein Leben endete am 8. August 1940 im Konzentrationslager Mauthausen. Martha Brandenburg wurde das Sorgerecht für die inzwischen fünf Kinder entzogen. Diese verteilte das Jugendamt auf verschiedene Kinderheime. Im Frühjahr 1943 verhaftete die Polizei auch Martha Brandenburg. Im Mai 1943 in das Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen, verliert sich dort ihre Spur.

Erst im Jahr 2020 erfolgte die Anerkennung der von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ Verfolgten durch den Deutschen Bundestag. Die Stolpersteine zur Erinnerung an Martha und Paul Brandenburg sind die ersten in Dessau-Roßlau, die Menschen dieser Verfolgtengruppen gedenken.

Dass dies im Rahmen des Kurt-Weill-Festes 2026 stattfindet, könnte nicht passender sein, denn Inge Brandenburg, eines der Kinder von Martha und Paul Brandenburg, startete ab den 1950-er Jahren eine Kariere als Jazzsängerin mit Ausnahmetalent. Die Schatten der Vergangenheit begleiteten sie allerdings ihr Leben lang auf tragische Weise.

Die Gedenkrede anlässlich der Übergabe der Stolpersteine an die Stadt Dessau-Roßlau durch die Werkstatt Gedenkkultur im KIEZ e. V. hält der Autor und Filmemacher von „Sing! Inge, Sing! Der zerbrochen Traum der Inge Brandenburg“ Marc Böttcher. Interessierte sind herzlich eingeladen.

07. März 2026, 15 Uhr

Freifläche Ecke Willy-Lohmann-Straße/Ruststraße