KI-generiert
Kolumne für den Monat Mai
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
es gibt Momente im Jahr, in denen der Kalender unserer Stadt mehr ist, als eine bloße Abfolge von Terminen. Der kommende Mai ist ein solcher Moment. Wenn wir auf unsere Plätze, in unsere Schulen, Sportvereine und auf kulturelle Begegnungsorte blicken, sehen wir das lebendige Herz der Stadt: eine Gemeinschaft, die auf den untrennbaren Pfeilern von Demokratie und Ehrenamt ruht.
Diese Verbindung ist heute wichtiger denn je. Der aktuelle Sachsen-Anhalt-Monitor zeichnet ein bemerkenswertes Bild: Während die allgemeine politische Lage oft mit Verunsicherung wahrgenommen wird, berichten die Menschen von einer auffallend hohen persönlichen Lebenszufriedenheit direkt vor Ort, in ihren Kommunen. Es sind die konkreten Erlebnisse in der vertrauten Umgebung – das Miteinander in der Nachbarschaft, die Sicherheit des gewohnten Umfelds und das gemeinsame Lösen von Problemen vor der eigenen Haustür –, die das Vertrauen in unser Gemeinwesen stabilisieren. Wir sehen: Die Demokratie bewährt sich dort am besten, wo sie unmittelbar erlebbar ist.
Der 23. Mai markiert den Tag des Grundgesetzes. Es ist ein Datum, das der Bundespräsident zum Ehrentag ausgerufen hat. Besonders glücklich macht mich der Blick auf unsere Jugend. Wenn ich am 4. Mai beim Auftakt für die Demokratie-Wochen am Liborius-Gymnasium dabei bin, begegne ich einer Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Drei Wochen lang setzen sich Schülerschaft und Kollegium intensiv mit dem Wert unserer Freiheit auseinander.
Ein unverzichtbarer Motor für Zusammenhalt ist der Sport. Er ist im besten Sinne eine Schule der Demokratie. Auf dem Spielfeld lernen wir sportliche Anständigkeit, Respekt und die Notwendigkeit von Regeln – Werte, die unsere gesamte Gesellschaft stützen. Wenn am 12. Mai wieder zahlreiche Läuferinnen und Läufer beim Firmenlauf an den Start gehen, geht es um Teamgeist und das Erlebnis, gemeinsam für ein Ziel einzustehen.
Aktuell wird das Stadtentwicklungskonzept von Dessau-Roßlau überarbeitet, um eine Strategie für die Entwicklung der Stadt bis 2040 zu haben. Ein Fachbeirat hat hierzu im April seine Arbeit abgeschlossen. Dabei müssen wir den Mut zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme aufbringen: Selbst in einem optimistischen Szenario arbeiten wir mit einer Zielgröße von etwa 70.000 Einwohnern. Stadtentwicklung ist dabei kein Prozess, den die Verwaltung allein steuern kann. Wir sind auf starke Partner angewiesen. Mein besonderer Dank gilt daher allen Investoren, die bereits heute am Standort investieren. Gleichzeitig müssen wir dafür sensibilisieren, dass ein zu hoher Leerstand sowohl bei Wohnraum als auch bei Handelsfläche die gesamte Stadtentwicklung belastet. Insgesamt stehen 14% des Gesamtwohnungsbestands (ca. 6.700 Wohneinheiten) leer.
Die Wohnungswirtschaft in Dessau-Roßlau mit ihren vier großen Wohnungsunternehmen weist zum Ende des Jahres 2025 einen Leerstand von ca. 19,0 Prozent auf. Es gibt einen hohen Marktanteil an gleichartigen Wohnungen des Typs WBS70, P2 Ratio und Q6 Brandenburg. Der durchschnittliche Mietpreis liegt bei 5,30 EUR. Auf Grund des anhaltenden Bevölkerungsrückgangs wechseln im Wesentlichen die Mietinteressenten hin und her – weg vom schlechteren Angebot hin zum besseren Angebot. Der Verkauf von Wohnungsbeständen prägt aktuell die Wohnungswirtschaft in Dessau-Roßlau. Der Neubau von Wohnungen spielt eine kaum spürbare Rolle. Auf der anderen Seite gibt es einen erheblichen Bedarf an modernisierten, barrierearmen Bestandswohnungen und Nachfrage nach qualitätsvollen Neubauwohnungen an ausgesuchten Standorten.
Leerstand birgt für Vermieter und Investoren – ob privat oder kommunal – erhebliche wirtschaftliche Risiken. Die laufenden Kosten für Instandhaltung und Bewirtschaftung bei gleichzeitig fehlenden Mieteinnahmen zehren an der Substanz und verhindern notwendige Investitionen in die Qualität. Auch die Stadtwerke benötigen eine wirtschaftliche Auslastung der Versorgungsinfrastruktur, damit die Kosten für uns Verbraucher dauerhaft finanzierbar sind. Investoren benötigen Planungssicherheit. Angesichts dieser Zahlen und der demografischen Entwicklung benötigen wir Antworten, die der Realität ins Auge blicken. Daher befassen sich Stadt und Wohnungswirtschaft proaktiv mit einer bedarfsgerechten Anpassung der Wohnungsbestände (wohnungswirtschaftliche Gesamtstrategie). Eine Reduzierung der Wohnungsanzahl durch geförderten Abriss, Geschossrückbau in Verbindung mit qualitätvollen Modernisierungen (Änderungen von Wohnungszuschnitten, Aufzüge, Balkone), Wohnumfeldgestaltung in Verbindung mit gezieltem Neubau soll die Zielsetzung für eine Stabilisierung des Wohnungsmarktes sein. Es sollen kleine Quartierslösungen (Stück für Stück) mit den jeweiligen Marktakteuren und Fachleuten (Stadtplanern, Architekten usw.) vertrauensvoll erarbeitet werden.
Mir ist dabei wichtig: Sollten im Einzelfall Veränderungen der Wohnsituation erforderlich werden, so sollen diese umsichtig und mit sozialer Verantwortung begleitet werden. Ziel muss es sein, tragfähige Lösungen zu finden. Die notwendigen Aufwertungen insbesondere in der Innenstadt stellen keine Gefahr für die Bewohner im Quartier dar. Da ausreichend freier Wohnraum verfügbar ist, ist die Gefahr einer Verdrängung nicht gegeben. Wohnen muss für alle bezahlbar sein, auch im Stadtzentrum. Dennoch benötigt die Stadtmitte eine stärkere soziale Durchmischung, hochwertigen Wohnraum und ein attraktives Wohnumfeld, das Angebote für Familien, Jugendliche und Senioren berücksichtigt.
Dies führt mich zu den vier zentralen Handlungsfeldern des Stadtentwicklungskonzepts 2040:
1. Urbane Mitte stärken:
Wir beleben Zentren und werten Räume auf.
Dabei braucht beispielsweise der Friedensplatz im Theaterviertel mitsamt seiner angrenzenden Bebauung eine stärkere Aufmerksamkeit. Diesem Ensemble kommt eine hohe städtebauliche Bedeutung zu. Ich setze mich deshalb beim Land dafür ein, dass die Stadt Städtebaumittel für die Bestandsaufwertung der Gebäude und die Gestaltung des Wohnumfeldes erhält. Das Areal muss so ertüchtigt werden, dass dort auch wieder Kulturveranstaltungen wie das Theater Open Air stattfinden können. Ich freue mich, dass das Land Sachsen-Anhalt unserem Theater ca. 12 Mio. EUR aus dem Sondervermögen zuteilt. Damit können Fassade und Dach saniert werden.
Eine Stärkung des Stadtzentrums erfordert auch Mut bei Schlüsselimmobilien: Am Areal Schadebrauerei, direkt im Herzen der Kernstadt, darf es nach über 30 Jahren Stillstand keine Denkverbote mehr geben. In den letzten zehn Jahren ist mir kein Investor begegnet, der eine Sanierung der Brauerei als wirtschaftlich darstellbar eingeschätzt hätte. 36 Jahre nach der Wende ist das Gebäude noch immer unsaniert. Daher muss die künftige Planung notwendigerweise alle Optionen bis hin zum Rückbau einschließen, um neue Entwicklungsimpulse zu ermöglichen. Andernfalls bleibt der Zustand – so befürchte ich – über weitere Jahrzehnte unverändert. Das ist für unsere Stadt nicht gut und es gibt Alternativen.
Dank künstlicher Intelligenz ist es heute möglich, Ideen schnell zu visualisieren. Ich möchte Ihnen dies gerne am Beispiel der Schadebrauerei demonstrieren. Ausgangspunkt ist ein Foto aus der MZ vom 27.03.2026, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz bearbeitet wurde.
Dazu habe ich der künstlichen Intelligenz folgende Aufgabe gestellt:
„Gestalte die Grünfläche mit der Brauerei neu. Vom Denkmal Brauerei können nur die Türme erhalten werden. Es soll eine Fläche mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Die Bepflanzung soll ganzjährig farbenfroh sein und die Fläche dem Hitzeschutz dienen. Eine Freiluftbühne soll kleinere Kulturveranstaltungen ermöglichen."
Das folgende Bild hat die künstliche Intelligenz erzeugt.
(https://g.co/gemini/share/3b39de5862dd)
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Natürlich ist mir bewusst, dass die Idee nicht eins zu eins umsetzbar ist, weil Aspekte des Denkmalschutzes, Vorstellungen des Eigentümers und Finanzierbarkeit zu beachten sind. Das Bild ermöglicht aber eine Vorstellung davon, dass auf dem Areal sehr Schönes entstehen kann und ich empfehle, dass der laufende Dialog mit dem derzeitigen Eigentümer konstruktiv fortgeführt wird, mit dem Ziel die Fläche bis zur Bundesgartenschau 2035 zu entwickeln – für unsere Stadt.
Auch am Stadteingang Ost soll weiter investiert werden. Zudem sollen zentrale Einrichtungen wie Handel, Schulen und Ämter, die Aufgaben für die ganze Stadt wahrnehmen, primär im Kernbereich der Innenstadt verortet sein. Für die Entwicklung von Roßlau greift das Ortsentwicklungskonzept, so zum Beispiel im Bereich Wohnquartier Biethe.
Die drei weiteren Handlungsfelder im Stadtentwicklungskonzept 2040 sind:
2. Wirtschaftskraft und Zukunftsstandorte sichern: Wirtschaft entwickeln, Forschung ausbauen sowie attraktive Kultur- und Freizeitangebote für Fachkräfte sichern und weiterentwickeln.
3. Resiliente Räume schaffen: Infrastruktur, Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität als Einheit denken.
4. Stadt- und Ortsteile gestalten: Wohnen, Freizeit, Teilhabe und Engagement direkt in den Stadtteilen und Ortschaften stärken.
Passend dazu begrüßen wir im Mai die Landesliteraturtage Sachsen-Anhalt, die in diesem Jahr unter dem Motto „… findet stadt!" stehen und Bestandteil des Programms zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum sind. Weitere Highlights sind der Tag der offenen Tür im Anhaltischen Theater (10.05.) und das 20. Hugo-Junkers-Fest (24.05.).
Liebe Dessau-Roßlauer, Engagement zeigt sich in der Wirtschaft, Verwaltung und Vereinsarbeit ebenso wie in der Nachbarschaftshilfe oder in der familiären Sorge füreinander. Dieses Füreinander-Einstehen bildet das tragfähige Netz unserer Stadtgesellschaft. Darauf können wir alle zu Recht stolz sein.
Herzlichst,
Ihr
Robert Reck