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Amtsblatt Stadt Dessau-Roßlau
Ausgabe 7/2024
Aus dem Rathaus
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Neue Stolpersteine in Dessau-Roßlau zur Erinnerung an Familie Goldmann – Angehörige der Familie reisen aus Australien an

v.l.n.r.: Arnold Goldmann, seine Frau Fanny, Jenny, Marianne, Bernhard und Wolf Goldmann (Quelle: Mitzi Goldmann)

Die Stadt Dessau-Roßlau und die Werkstatt Gedenkkultur (KIEZ e.V.) laden am 4. Juli 2024, um 14 Uhr zur Übergabe neuer Stolpersteine an die Stadt Dessau-Roßlau in die Rabestraße 5 ein.

Wolf und Jenny Goldmann gehörte seit Anfang der 1920-er Jahre das Haus Rabestraße 5 (damals Hausnummer 8). Dort wohnten sie mit ihren drei Kindern Arnold, Marianne und Bernhard Goldmann und betrieben ein Pelzgeschäft samt Kürschnerei. Während des Novemberpogroms am 9. November 1938 wurden die Wohnung und das Geschäft geplündert und demoliert, die jüdischen Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Am folgenden Tag gehörte Wolf Goldmann zu den Männern, die in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und dort über Wochen misshandelt wurden.

Nach seiner Rückkehr war Familie Goldmann klar, dass sie in Deutschland keine Zukunft haben. Ihr Haus in der Rabestraße mussten sie unter Wert an einen „Arier“ verkaufen. Ihr verbliebenes Vermögen fraßen die Zwangsabgaben, die Juden auferlegt waren, und die Reisekosten nach Australien auf. Völlig mittellos kamen sie dort 1939 an. Ohne es damals zu ahnen, hatten sie im letzten Moment ihr Leben gerettet.

Vor dem Haus Rabestraße 5 erinnern bereits Stolpersteine an Hermann, Minna und Charlotte Steinbock. Minna Steinbock war die Schwester von Jenny Goldmann. Steinbocks war die Flucht aus Deutschland nicht mehr gelungen. Sie wurden im April 1942 in das Ghetto Warschau deportiert und fielen der Shoa zum Opfer.

In Anwesenheit zahlreicher Nachfahren von Wolf und Jenny Goldmann, die aus Australien anreisen, werden nun auch Stolpersteine zur Erinnerung an Wolf, Jenny, Arnold, Marianne und Bernhard Goldmann verlegt und in einer feierlichen Gedenkzeremonie eingeweiht.

Die Veranstaltung wird musikalisch durch die Musikschule „Kurt Weill“ umrahmt. Neben Redebeiträgen der Stadt und der Familie Goldman wird Rabbiner Itkin ein Gebet sprechen.

Die Verlegung der Stolpersteine wurde dank zahlreicher Spenden aus der Bürgerschaft möglich. Mit Freude und Dankbarkeit erwarten wir neun Angehörige der Familie Goldmann, die den weiten Weg aus Australien nach Dessau-Roßlau auf sich nehmen. Anschließend trägt sich Familie Goldmann in das Ehrenbuch der Stadt Dessau-Roßlau ein.