es ist Sommer in unserer Stadt und das schöne Wetter lädt nach draußen ein. Der Juni war durchwachsen und so erlebten einige von uns das wunderbare Theater Open Air am Mausoleum unter dem Titel „Ströme des Lebens“ bei frischen 17 Grad. Die Künstler auf der Bühne trugen zum Teil Mütze und Mantel, was für Mitte Juni doch recht ungewöhnlich ist. Ein herzliches Dankeschön geht an das Anhaltische Theater und seine Mitarbeiter, die uns ganzjährig erfreuen und unseren Tierpark, in dem es für die ganze Familie viel zu entdecken gibt. Im Mitteldeutschen Theater gab es ebenfalls gute Unterhaltung mit Abba - Waterloo im Bällebad. Nun steht vom 3. bis 5. Juli das Stadtfest vor der Tür, das rund um die Zerbster Straße stattfindet.
Auf der Zerbster Straße hatte ich unlängst eine interessante Begegnung. Dabei wurde eine Frage an mich gerichtet, die vermutlich auch den einen oder anderen von Ihnen interessiert. Es geht um die Sanierung der historischen Lustgartenmauer und die damit verbundenen Kosten. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete jüngst auch unter der Überschrift „Stück für Stück erneuern - Lustgarten am Dessauer Johannbau“ über das Vorhaben. Die Kosten belaufen sich derzeit auf etwa 650.000 EUR.
Ich verstehe gut, dass sich in unserer Bürgerschaft die Frage gestellt wird, ob das nicht zu viel Geld für ein Stück Mauer ist. Die Frage hat mich selbst umgetrieben und so habe ich mich auf eine Recherchetour und kleine Zeitreise begeben. Und siehe da, bereits am 18. Januar 2024 hat das Referat für Stadtgrün im Bauausschuss das Konzept zur Sanierung der Lustgartenmauer vorgestellt. Die MZ hat auch darüber berichtet. Die Mauer wurde um 1712 errichtet. Etwa 1750 erfolgte der Aufbau von 8 Sandsteinskulpturen, die die 4 Elemente und 4 Jahreszeiten darstellen. Hinzu kommen zwei Vasen. Die seitlichen Torbögen entstanden um 1870. Im Krieg wurde die Mauer 1945 zerstört und um 1966 saniert.
Ein Restaurator hat den aktuellen Zustand untersucht. Die Ergebnisse wurden im Konzept zur Sanierung der Lustgartenmauer zusammengefasst. Der Sandstein der Sandsteinfiguren stammt vermutlich aus sächsischen Brüchen. Die festgestellte Schadensituation zeigt eine deutliche Neigung der Pfeiler nach Osten und Mauerwerksrisse im Nordpfeiler. Es wurde Materialverlust an den Ziegeln bzw. am Naturstein festgestellt. Zudem wurde eine unsachgemäße Neuverfugung und die Verwendung von fehlerhaften Fugenmörtel bei früheren Sanierungen erkannt. Das Bauwerk wird durch Feuchte und diversen Bewuchs belastet. Die Eisenklammern im Naturstein sind verrostet. Es gibt schadhafte Putze und Graffiti. Die Mauer gründet auf Auelehm mit Talsandunterlagerung.
Im Ergebnis wurden verschiedene Maßnahmen zur denkmalgerechten Sanierung der Mauer vorgeschlagen, die nun umgesetzt werden. Für die Sanierung und Abdichtung von Fundament und Mauerwerk fallen Kosten in Höhe von ca. 166.000 EUR an. Die Sicherung der Mauer mit Natursteinarbeiten kostet etwa 155.000 EUR. Die Restaurierung der Skulpturen und weiterer Schmuckelemente verursacht Kosten in Höhe von rund 328.000 EUR. Etwa die Hälfte der Kosten entfällt auf die Restaurierung der Skulpturen und Schmuckelemente. Die Sanierung der Lustgartenmauer wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt. Hier kommen speziell Mittel der Denkmalpflegeförderung zum Einsatz.
Unsere Stadt hat aufgrund der enormen Kriegszerstörungen leider sehr viel ihrer historischen Bebauung verloren. Die Sanierung der Lustgartenmauer sichert ein Stück Stadtgeschichte. Sie steht im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Lustgartenareals. Der Lustgarten und das östliche Areal vor dem einstigen Residenzschloss, das wir heute als Johannbau kennen, wurden bereits erneuert. Die Aufenthaltsqualität hat sich dadurch deutlich erhöht und unsere Stadt ist attraktiver geworden. Der Aufenthalt im auffällig blühenden Lustgarten ist ein Genuss zu dieser Zeit. Das Stadtgeschichtsmuseum im Johannbau und die Bewohner am Lustgarten haben auch mit dem erst kürzlich umgestalteten Platz vor dem Lustgartentor ein schönes Umfeld erhalten.
Ich möchte Sie nun alle in unser Stadtgeschichtsmuseum einladen. Dort können Sie eine gerade eröffnete Sonderausstellung besuchen. Sie trägt den Titel „Das Bauhaus kommt in die Stadt - Dessau in den 1920er Jahren“. Die Ausstellung ist vom 14. Juni bis zum 29. November von Mittwoch bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In der Ausstellung sind zwei Sandsteinskulpturen zu sehen, die Quellnymphen darstellen, die an Elb- und Muldpavillon im Lustgarten standen und nun dauerhaft das Museumscafe und die Dauerausstellung bereichern. Dabei lohnt es sich auch, die Dauerausstellung zur Geschichte unserer Stadt zu besichtigen. Die Veranstaltungsreihe zur Ausstellung, Führungen und die museumspädagogischen Angebote für Kinder finden Sie auf unserer Stadtseite.
Vielleicht möchten Sie den Besuch im Museum mit einem Spaziergang zur Mulde verbinden. Die Neugestaltung des Muldeufers gegenüber dem Lustgarten startet zum Ende des Jahres.
Der Juli ist auch Ferien- und Urlaubszeit. Ich wünsche allen gute Erholung und schöne Erlebnisse.
Herzliche Grüße