Im Zuge der Aufarbeitung der Familiengeschichte der Familie Kanitz/Knorr wurde die Stadtverwaltung Eilenburg auf bislang nicht eindeutig dokumentierte Sammelgräber auf dem Bergfriedhof aufmerksam gemacht. Durch Hinweise von Angehörigen sowie Aussagen mehrerer Zeitzeugen konnte die Lage dieser Flächen präzise rekonstruiert werden. Trotz intensiver Recherchen war ein historischer Lageplan zunächst nicht auffindbar.
Der Bergfriedhof war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges unmittelbares Kampfgebiet. Aufgrund seiner exponierten Lage in Richtung Kospa und Wölpern (alte Leipziger Landstraße) wurden auf dem Friedhofsgelände an der südwestlichen Ecke sowie an der nordwestlichen Seite Panzerabwehrkanonen stationiert. Diese kamen unter anderem bei den Kämpfen im Bereich Becher’s Mühle, der Gärten „Zur Taube“ sowie der Lahnstraße zum Einsatz.
Während dieser Kämpfe kam auch die Schwester einer Zeitzeugin ums Leben. Die Zeitzeugin selbst verstarb im Jahr 2021. Die Schwester wurde in einem Sammelgrab auf dem Bergfriedhof bestattet. Nach übereinstimmenden Berichten wurden die Verstorbenen zunächst einzeln nebeneinander beigesetzt; später erfolgten teilweise Umbettungen in andere Grabstätten in Eilenburg und darüber hinaus. Besonders wertvoll waren die detaillierten Erinnerungen der Verstorbenen, die sie an ihre Tochter und Enkelin weitergegeben hatte. Ergänzend konnten weitere Zeitzeugen ausfindig gemacht werden, deren Aussagen die Lokalisierung bestätigten.
Belege aus historischen Luftbildern und rechtliche Sicherung
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Recherchen hochauflösende Luftbilder der US-Armee aus der Zeit unmittelbar vor der Einnahme Eilenburgs im April 1945 ausgewertet. Diese belegen die Lage der Grabflächen eindeutig und zeigen, dass Teile der Fläche bereits damals als Einzelgräber genutzt wurden, während andere Bereiche noch ungenutzt waren. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse steht fest, dass es sich bei den identifizierten Flächen um Kriegsgräber im Sinne des Gräbergesetzes handelt. Diese sind dauerhaft zu erhalten; die Unterhaltung wird durch den Bund finanziert.
Vermessung und nächste Schritte zur Gestaltung
In enger Abstimmung mit den zuständigen Gremien und dem Stadtrat bereitet die Stadtverwaltung nun die würdige und angemessene Gestaltung dieser Flächen vor. Ende Juli führten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs gemeinsam mit der Friedhofsleitung eine Vermessung der Kriegsgräberanlage durch. Unterstützend wurde das Gelände durch die Stadtwirtschaft Eilenburg GmbH vorbereitet, indem der Rasen stark gekürzt und Unebenheiten freigelegt wurden.
Die Maße der Anlage konnten anhand der historischen Luftbilder aus dem Zeitraum vom 15. bis 17. April 1945 ermittelt und auf die heutige Fläche übertragen werden. Damit ist ein bedeutender Schritt zur erstmaligen Gestaltung dieser Kriegsgräberstätte – mehr als 80 Jahre nach Kriegsende – gelungen.
Parallel zu den genannten Aufgaben erfolgte eine detaillierte Recherche der Daten zu den dort Beerdigten durch unsere Stadtarchivarinnen und Museumsmitarbeiterinnen. Diese Daten werden nun der Landesdirektion Sachsen, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräber e. V., Landesverband Sachsen zur Ergänzung der Kriegsgräberlisten und als Vorinformation zur Erstgestaltung dieser neuen Anlage sowie zur Beantragung von Fördermitteln, gesendet. Parallel läuft derzeit über die Enkelin (S. Knorr) ein Ideenwettbewerb zur Gestaltung der Anlage bis zum 22.08.2026. Die Auswertung erfolgt dann im Rahmen der Kunstwoche am 30.08.2026.
Die Stadtverwaltung Eilenburg dankt allen Beteiligten, insbesondere den Zeitzeugen sowie deren Angehörigen, für ihre wertvolle Unterstützung bei der Aufarbeitung dieses wichtigen Teils der Stadtgeschichte.