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Kreisanzeiger für den Landkreis Elbe-Elster
Ausgabe 12/2025
Aus der Kreisverwaltung
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Die Schwarze Elster braucht wieder Luft zum Atmen

Begradigter Flusslauf der Schwarzen Elster zwischen Kahla und Elsterwerda im November 2024.

Im Interview mit dem Kreisanzeiger spricht Landrat Christian Jaschinski über Renaturierung, regionalen Rückhalt und die Chance auf ein bundesweit beispielhaftes Klimaanpassungsprojekt

Die Renaturierung unserer Flüsse und der Schutz des Landschaftswasserhaushalts sind zentrale Themen der Umweltdebatte. Ein aktuelles Beispiel ist die Schwarze Elster: Geplant sind Maßnahmen wie Altarmanschlüsse, Sohlaufhöhungen und Deichverlegungen, um Hochwasserschutz, naturnahe Flusslandschaften und touristische Nutzung zu verbinden.

Das Projekt wurde von engagierten Menschen vor Ort initiiert und stößt auf breite Zustimmung, auch wenn es bürokratische Hürden zu überwinden gilt. Im folgenden Interview mit Christian Jaschinski, Landrat des Landkreises Elbe-Elster, erfahren Sie, wie die Planungen entstanden sind, welche Fortschritte erzielt wurden und welche Herausforderungen noch bestehen.

Herr Jaschinski, aktuell wird viel über notwendige Veränderungen beim Umgang mit unseren Gewässern gesprochen. Immer wieder fällt dabei das Renaturierungsprojekt an der Schwarzen Elster. Was ist dort konkret geplant?

Die Schwarze Elster ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark menschliche Eingriffe einen Fluss verändern können – und welche Folgen heute angesichts des Klimawandels spürbar werden. Unser Ziel ist es, dem Fluss Schritt für Schritt wieder mehr Raum zu geben, seine Auen zu revitalisieren und den Landschaftswasserhaushalt zu stabilisieren. Konkret heißt das: Wir wollen ehemalige Mäander und Nebengerinne reaktivieren, strukturarme Abschnitte ökologisch aufwerten, Retentionsräume schaffen und damit Hoch- wie Niedrigwasserereignissen besser begegnen. So verbessern wir nicht nur den ökologischen Zustand, sondern erhöhen auch die Resilienz der gesamten Region.

Renaturierungsvorhaben stoßen erfahrungsgemäß häufig auf Skepsis. Wie reagieren die Menschen entlang der Schwarzen Elster?

Erstaunlich positiv. Die Region hat eine doppelte Betroffenheit: Sie leidet sowohl unter Hoch- als auch unter Niedrigwasser. Die Dürrejahre seit 2018 und die extrem niedrigen Abflüsse der Schwarzen Elster haben vielen sehr deutlich vor Augen geführt, dass wir handeln müssen. Gleichzeitig haben zahlreiche Initiativen – etwa der Förderverein Elbe-Elster-Tours e. V., der NABU oder das Aktionsbündnis „Schwarze Elster“ – seit Jahren Aufklärungsarbeit geleistet. Die Menschen wissen, dass Renaturierung kein Selbstzweck ist, sondern ein Schutzinstrument. Die hohe Bereitschaft zu Bürgerdialogen und sogar private Spenden zeigen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung inzwischen bemerkenswert groß ist.

Wann haben die Planungen begonnen, und wie weit ist das Projekt inzwischen gediehen?

Die Wurzeln reichen mehr als 20 Jahre zurück: Bereits 2003 wurde ein ökologisches Entwicklungskonzept erarbeitet, 2017 folgte eine regionale Maßnahmenplanung zum Hochwasserrisikomanagement. Mit den Dürrejahren kamen ergänzende Überlegungen zum Niedrigwassermanagement hinzu. Das heutige Großvorhaben basiert also auf einer langen Phase der Wissens- und Beteiligungsgewinnung.

Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) des Bundes hat sich 2023 erstmals die Möglichkeit ergeben, ein umfassendes Pilot- und Demonstrationsprojekt einzureichen. Aufgrund der Neubildung der Bundesregierung ist das Vorhaben zunächst ins Stocken geraten. Unser Vorhaben umfasst rund 100 Kilometer Fließgewässer und ein Gebiet von etwa 32.700 Hektar – ein Projektvolumen von rund 250 Millionen Euro. Die neue Bundesregierung hat die Förderrichtlinie allerdings noch nicht final beschlossen, weshalb wir uns in einer Übergangsphase befinden. Dennoch arbeitet das gesamte Projektteam weiter: Mit Grundwassermodellen, Machbarkeitsstudien, Priorisierung von Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und einer engen Abstimmung aller Partner.

Was wurde in den vergangenen Monaten konkret erreicht?

Zum einen liegen inzwischen belastbare hydrologische Grundlagen vor. Das vom Verein Elbe-Elster-Tours beauftragte Grundwassermodell erlaubt uns, die Auswirkungen künftiger Maßnahmen viel präziser zu bewerten. Zudem wurde eine Machbarkeitsstudie zur Altarmanbindung am Wehr München erarbeitet, die erstmals detailliert zeigt, wie ein kanalisiertes Teilstück der Schwarzen Elster wieder naturnah gestaltet werden kann. Diese Studien sind wichtige Bausteine, um weitere Abschnitte folgen zu lassen.

Parallel handeln die unteren Wasserbehörden der Landkreise und das Landesamt für Umwelt schon jetzt: Sie setzen Unterhaltungs- und kleinere Strukturmaßnahmen um, wo dies ohne das große Förderprojekt möglich ist. Und nicht zuletzt haben beide Kreistage – in Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz – Grundsatzbeschlüsse gefasst, die Eigenanteile zur Projektumsetzung zu übernehmen. Damit ist die politische Rückendeckung klar gegeben.

Wie sieht der Ausblick aus?

Wir sprechen über ein Vorhaben von mindestens zehn Jahren. Aber wir wollen nicht erst am Ende Ergebnisse sehen – sondern bereits in den kommenden Jahren erste sichtbare Verbesserungen erreichen. Die Region steht bereit, die Akteure arbeiten vernetzt, und der Bedarf ist unbestritten. Die Schwarze Elster war einst ein lebendiger, artenreicher Fluss. Unsere Aufgabe ist es, ihr diese Zukunft wieder zu ermöglichen – und damit auch unserer Landschaft, unserem Wasserhaushalt und den Menschen in der Region eine bessere Perspektive zu geben. (tho)