Die Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträger des Jahres 2025 versammelten sich im Drandorfhof Schlieben gemeinsam mit Landrat Christian Jaschinski (vorne links) und Kulturdezernentin Anja Miersch (2. Reihe, 3. v. l.) zum offiziellen Gruppenfoto. Die Auszeichnungen würdigen herausragendes Engagement in Kunst, Heimatpflege, Denkmalpflege, Heimatgeschichte sowie im Umwelt- und Naturschutz.
Landrat Christian Jaschinski (l.) und Laila Grünwald (r.), Mitglied im Vorstand der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“, überreichten Förderbescheide an Kulturakteurinnen und Kulturakteure aus dem Landkreis. Aus dem gemeinsamen Förderfonds von Landkreis und Stiftung werden rund 40 Projekte unterstützt – von Konzerten über Ausstellungen bis hin zu Theater- und Publikationsvorhaben.
Mit einer festlichen Veranstaltung im Drandorfhof in Schlieben eröffnete der Landkreis Elbe-Elster am 27. Februar offiziell das Kulturjahr 2026 und verlieh zugleich zum 27. Mal seine Kulturpreise. Zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur, Vereinen und Medien folgten der Einladung in die Ritterstraße 8.
Landrat Christian Jaschinski begrüßte Vertreterinnen und Vertreter des Kreistages, der Kommunen, der Sparkassen-Stiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“, Kulturschaffende sowie Unterstützer und Förderer des kulturellen Lebens im Landkreis. Moderiert wurde der Abend von Susanne Wegner und Marcel Zeitel vom Kulturamt Elbe-Elster.
„Kultur ist kein Luxus. Kultur ist Daseinsvorsorge. Sie stiftet Identität, schafft Begegnung und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Landrat Christian Jaschinski in seiner Rede. Er stellte heraus, dass Kultur gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten Dialog ermögliche und Perspektiven eröffne.
Seit 1999 würdigt der Landkreis mit dem Kulturpreis herausragendes Engagement in den Bereichen Kunst, Denkmalpflege, Heimatgeschichte, Heimatpflege und genreübergreifende Kultur sowie neuerdings auch im Umwelt- und Naturschutz. Nach der letzten Verleihung im Graun-Zentrum Wahrenbrück im Jahr 2025 stieg die Zahl der Geehrten mit den sieben neuen Preisträgerinnen und Preisträgern nun auf insgesamt 154. Die Fachjury hatte am 26. November 2025 aus 27 eingereichten Vorschlägen ausgewählt. In der Kategorie Kunst wurden sogar zwei Preise vergeben.
Die Kulturjahreseröffnung fand bewusst an einem Ort statt, an dem Kultur gelebt wird. Gastgeber war der Männergesangverein 1836 e. V., der 2026 sein 190-jähriges Bestehen feiert.
1836 gegründet, entwickelte sich der Chor zu einem kulturellen Mittelpunkt in und um Schlieben. Traditionen wie das Pfingstsingen auf der Naturbühne „Am Spring“ prägen bis heute das kulturelle Leben. 2002 erhielt der Verein die Karl-Friedrich-Zelter-Plakette durch Bundespräsident Johannes Rau. Landrat Jaschinski dankte ausdrücklich der Chorleiterin Ingeborg Noack sowie allen Sängerinnen und Sängern für ihr Engagement – gerade in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen.
Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten Elisabeth und Charlotte Kugler, Schülerinnen der Kreismusik- und Kunstschule bei Diplommusikpädagogin Sandra Kirschenhofer. Sie hatten im Januar 2026 beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ einen ersten Preis erhalten. Auch der Männergesangverein selbst gestaltete das Programm mit.
Die Preisträgerinnen und Preisträger
Umweltpreis: Constanze Eiser
Mit dem Umweltpreis ehrt der Landkreis Frau Constanze Eiser für ihr jahrzehntelanges Engagement im Naturschutz. Als Biologielehrerin am Gymnasium in Finsterwalde begeistert sie Generationen von Schülerinnen und Schülern für die Tier- und Pflanzenwelt. Im NABU-Regionalverband Finsterwalde engagiert sie sich insbesondere in der Jugendarbeit. Seit über 20 Jahren begleitet sie sachlich und vermittelnd die Rückkehr des Wolfes in die Region, dokumentiert Wolfsrudel und sucht den Dialog mit Jägern und Förstern. Ihr Wirken steht beispielhaft für fachkundige, ruhige und nachhaltige Naturschutzarbeit.
Preis für Denkmalpflege: Kerstin Stahl
Den Preis für Denkmalpflege erhielt Kerstin Stahl für ihre herausragende Arbeit zum Erhalt bedeutender Bauwerke in Doberlug-Kirchhain. Unter ihrer Leitung wurden das Refektorium, das Renaissanceschloss sowie zahlreiche weitere historische Gebäude saniert und neuen Nutzungen zugeführt. Sie begleitet Investorenprojekte konstruktiv und steht Bürgerinnen und Bürgern in Denkmalbereichen beratend zur Seite. Mit Fachwissen, Beharrlichkeit und Leidenschaft prägt sie über ein Vierteljahrhundert das bauhistorische Gesicht der Stadt.
Preis für Heimatgeschichte: Redaktion Heimatkalender
Der Preis für Heimatgeschichte ging an die Redaktion des „Heimatkalenders für den Kreis Liebenwerda“.
Seit 1910 dokumentiert der Kalender Geschichte, Kultur, Natur und gesellschaftliche Entwicklungen der Region. Die heutige ehrenamtliche Redaktion – Angelika Gollmer, Guntram Götzelt, Sabine Kretzschmann, Renate Sachse, Günter Sadlowski und Ralf Uschner – leistet mit großem Engagement redaktionelle Präzisionsarbeit. Mit wissenschaftlichen Beiträgen, Erinnerungsberichten und kritischen historischen Analysen schafft sie ein Werk, das Identität stiftet und Geschichte lebendig hält.
Preis für Heimatpflege: Pfarrer Michael Seifert
Pfarrer Michael Seifert erhielt den Preis für Heimatpflege für sein leidenschaftliches Engagement rund um das musikalische Erbe der Brüder Graun. Als Mitbegründer und Vorsitzender der Graun-Gesellschaft Wahrenbrück e. V. initiiert er Konzerte, Festtage und Nachwuchsprojekte. Er archiviert Noten, vernetzt Musikerinnen und Musiker international und öffnet die Kirche in Wahrenbrück für hochkarätige Ensembles. Mit Beharrlichkeit und Begeisterung macht er die Musik der Grauns wieder hör- und erlebbar.
Kunstpreis (1): Rosemarie Böhmchen
Den Kunstpreis für ihr Lebenswerk erhielt Rosemarie Böhmchen. Die diplomierte Formgestalterin, ausgebildet an der Burg Giebichenstein in Halle, verbindet Design, Textilkunst und freie Kunst auf eindrucksvolle Weise. Ihre Arbeiten kreisen um Strukturen, Wandel und regionale Identität – von textilen Wandgestaltungen bis zu Installationen und fotografischen Arbeiten. Mit ihrem Atelier im Landkreis öffnet sie Räume für Austausch, Workshops und künstlerische Begegnung.
Kunstpreis (2): Joachim Walter (posthum)
Mit dem zweiten Kunstpreis ehrte der Landkreis posthum Joachim Walter aus Finsterwalde. Über vier Jahrzehnte prägte er als Chorleiter, Musikpädagoge und Organisator die Gesangsszene der Sängerstadt. Er leitete die Arbeitersänger Finsterwalde, engagierte sich im Sängerkreis Elbe-Elster und setzte sich intensiv für Nachwuchsförderung ein. Sein Wirken reichte weit über die Region hinaus. Die Auszeichnung würdigte sein Lebenswerk und seinen nachhaltigen Einfluss auf Generationen von Sängerinnen und Sängern.
Kulturpreis: Karin Melzer
Mit dem Kulturpreis 2025, der im Rahmen der Veranstaltung überreicht wurde, ehrt der Landkreis Karin Melzer. Sie gründete 1985 die „Finsterwalder Spatzen“ und initiierte später die „Kleinen Finsterwalder Sänger“ sowie die inklusive Gruppe „Lebensfroh“. Mit musikalischer Qualität, sozialer Verantwortung und großem persönlichem Einsatz führt sie Kinder, Jugendliche und Menschen mit Handicap an die Sangestradition der Region heran. Ihr Engagement verbindet künstlerischen Anspruch mit gelebter Inklusion.
Starker Auftakt ins Kulturjahr 2026
Neben der Preisverleihung überreichte der Landkreis gemeinsam mit der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ Förderbescheide für rund 40 kulturelle Projekte im Jahr 2026. Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Publikationen werden so im gesamten Landkreis ermöglicht.
Landrat Christian Jaschinski blickte zum Abschluss optimistisch in die Zukunft: „Kultur entsteht durch Menschen – durch Beharrlichkeit, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein. Sie alle machen Elbe-Elster zu einem lebendigen Kulturraum.“
Mit der feierlichen Veranstaltung im Drandorfhof in Schlieben setzte der Landkreis ein deutliches Zeichen: Kultur bleibt Herzstück, Identitätsanker und Zukunftsinvestition für Elbe-Elster. (tho)