Stilles Gedenken an die in Schlieben ums Leben gekommenen Opfer. V. l.: Nancy Heinze (Gedenkstätte Schlieben-Berga), Ministerpräsident Dietmar Woidke, der designierte Landrat Marcel Schmidt sowie Anja Miersch, Dezernentin für Bildung, Jugend und Soziales im Landkreis Elbe-Elster.
Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Schlieben-Berga fand am 25. April ein Tag der offenen Tür mit Gedenkveranstaltung statt. Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft kamen zusammen, um der Opfer zu gedenken und die Bedeutung der Erinnerungsarbeit zu würdigen.
Unter den Teilnehmenden war der künftige Landrat des Landkreises Elbe-Elster, der einen Tag vor seinem offiziellen Amtsantritt an der Gedenkveranstaltung teilnahm. Ebenfalls anwesend waren Anja Miersch, Dezernentin für Bildung, Jugend und Soziales in der Kreisverwaltung Elbe-Elster, sowie Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke.
In seiner Ansprache erinnerte der designierte Landrat an die historische Bedeutung des Ortes, der als drittgrößtes Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald Teil des nationalsozialistischen Lagersystems war. Auf dem weitläufigen Gelände mussten bis zu 5.000 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit für die Rüstungsproduktion leisten.
„Gerade in einer Zeit wachsender Spannungen und gesellschaftlicher Polarisierung zeigt uns dieser Ort, wohin Ausgrenzung und der Verlust von Mitmenschlichkeit führen können. Erinnerung darf nicht beim Rückblick stehen bleiben – sie muss uns Orientierung für unser Handeln heute geben“, erklärte der designierte Landrat. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, dass aus Erinnerung Haltung entsteht und aus Geschichte Verantwortung für die Zukunft erwächst.“
Ministerpräsident Woidke würdigte in seinem Grußwort das Engagement des Trägervereins und überreichte einen Förderbescheid über 7.140 Euro aus Lottomitteln. Mit dem Geld soll ein historischer Güterwagen als weiteres Ausstellungsstück für die Gedenkstätte erworben werden. Er betonte, dass es dem Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger zu verdanken sei, dass dieser Ort vor dem Vergessen bewahrt werde.
Hintergrund
Die Gedenkstätte wurde am 30. April 2011 in der sogenannten „Grünen Baracke“, der ehemaligen Verwaltungsbaracke der Rüstungsfirma HASAG, eröffnet. Träger ist der 2009 gegründete Verein Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga e. V., der sich der Erforschung, Bewahrung und Vermittlung der Geschichte des Lagers widmet.
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit sind die jährlich stattfindenden Tage der offenen Tür rund um den Jahrestag der Befreiung des Lagers am 21. April 1945. Auch in diesem Jahr wurde im Rahmen einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute der 222 in Schlieben ums Leben gekommenen Opfer gedacht. Führungen durch die Gedenkstätte und das Außengelände sowie Ausstellungen und Präsentationen ergänzten das Programm.
Die positive Entwicklung des Erinnerungsortes ist dem engagierten Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder und Unterstützer zu verdanken. Perspektivisch sollen unter anderem digitale Angebote und Bildungsprojekte weiter ausgebaut werden, um insbesondere jungen Menschen einen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen und die Bedeutung der Erinnerung lebendig zu halten. (tiwa)