Als in Frankena Silber auf Bundesebene und ein Sonderpreis für einen niederschwelligen außerschulischen Lernort zur Vermittlung ländlicher Alltagspraktiken verkündet wurden, kannte der Jubel keine Grenzen.
Nach drei eindrucksvollen Stunden verabschiedete Frankena die Bundesbewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Vor dem Jurybus stellten sich (v. l.) Stephan Müller mit seinen Kindern (Vorsitzender des Vereins „Wir in Frankena e. V.“), Ortsvorsteher Immo Nieswand, Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Enrico Reiche, Landrat Marcel Schmidt sowie Carolin Winkel vom Verein „Wir in Frankena e. V.“ zum Erinnerungsfoto.
Mit Herzblut, Ideenreichtum und einem außergewöhnlichen Miteinander präsentierte sich Frankena Ende Juni der Bundesbewertungskommission im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Nun steht fest: Das Engagement der Dorfgemeinschaft wurde gleich doppelt belohnt. Der Ortsteil von Doberlug-Kirchhain gewann beim Bundeswettbewerb am 1. Juli die Silbermedaille und erhielt zusätzlich einen von bundesweit nur sechs Sonderpreisen. Ausgezeichnet wurde Frankena für seinen niederschwelligen außerschulischen Lernort zur Vermittlung ländlicher Alltagspraktiken.
Damit zählt Frankena bundesweit zu den erfolgreichsten Dörfern des Wettbewerbs. Insgesamt hatten sich 26 Orte aus ganz Deutschland für das Bundesfinale qualifiziert. Die Siegerdörfer werden traditionell im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin ausgezeichnet. Für die Silbermedaille erhält Frankena ein Preisgeld von 10.000 Euro, für den Sonderpreis weitere 3.000 Euro.
Schon beim Empfang der Bundesjury am 27. Juni wurde deutlich, was Frankena auszeichnet: Hier ziehen Generationen an einem Strang, Tradition und Innovation gehen Hand in Hand und ehrenamtliches Engagement ist gelebter Alltag. Unter dem Leitspruch „Frankena … Halt durch. Wir wollen, dass es weitergeht!“ führten die Einwohnerinnen und Einwohner die Jury durch ihren Ort und machten die besondere Identität ihrer Gemeinschaft an zahlreichen Stationen erlebbar.
Dabei wirkte nichts gestellt – im Gegenteil. Während die Bundesjury den Ort erkundete, ging das Dorfleben ganz selbstverständlich weiter. Parallel zum Rundgang wurde in Frankena eine Hochzeit gefeiert, Geburtstagskinder wurden beglückwünscht und das alltägliche Leben nahm seinen gewohnten Lauf. Gerade diese Authentizität machte deutlich, dass sich Frankena nicht für einen Wettbewerb verstellte, sondern der Jury einen ehrlichen Einblick in das Dorf gewährte.
Die Besucher erhielten Einblicke in Projekte und Initiativen, die weit über das Übliche hinausgehen. Zwei stark frequentierte Spielplätze fördern das Miteinander von Familien, der seit Jahrzehnten bestehende Jugendclub gibt seinen Schlüssel symbolisch von einer Generation an die nächste weiter und steht damit für gelebte Verantwortung und Vertrauen. Gleichzeitig werden alte Bräuche mit großer Selbstverständlichkeit gepflegt – von der Fastnacht über den Storch zur Begrüßung von Neugeborenen bis hin zur Hochzeitsranke und dem traditionellen Flechten der Erntekrone.
Auch während des Rundgangs zeigte sich, wie pragmatisch und lösungsorientiert die Dorfgemeinschaft handelt. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen entschied die Agrargenossenschaft kurzfristig, die vorgesehenen Pferde zu schonen und stattdessen Traktoren vor die Kremser zu spannen. Für eine willkommene Abkühlung sorgte zwischendurch eine spontan organisierte Eispause, die bei Jury und Gästen gleichermaßen bestens ankam.
Dass Tradition und Moderne in Frankena selbstverständlich zusammengehören, zeigte sich auch an anderer Stelle. Zwei im Dorf ansässige Veranstaltungstechniker statteten den gesamten Rundgang mit professionellen Audioguides aus. So konnten alle Mitglieder der rund 20-köpfigen Bundesjury sowie die Begleiter die Erläuterungen an jeder Station trotz der großen Gruppe und der lebhaften Atmosphäre problemlos verfolgen.
Zu den emotionalen Höhepunkten des Tages gehörte der gemeinsame Gesang in der angenehm kühlen Dorfkirche. Bei der anschließenden Kremserfahrt wurde den Gästen mit frisch gebackenem, knusprigem Klemmkuchen eine regionale Spezialität gereicht – ein kulinarischer Botschafter der gelebten Gastfreundschaft Frankenas.
Landrat Marcel Schmidt zeigte sich bereits beim Jurybesuch beeindruckt vom Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner: „Frankena beweist eindrucksvoll, dass die Zukunft des ländlichen Raums vor allem von den Menschen gestaltet wird, die Verantwortung übernehmen und ihre Heimat mit Leidenschaft entwickeln. Was hier an Zusammenhalt, Kreativität und Ehrenamt geleistet wird, ist beispielgebend weit über die Kreisgrenzen hinaus.“
Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse gratulierte der Landrat der Dorfgemeinschaft zu ihrem außergewöhnlichen Erfolg: „Silber auf Bundesebene und zusätzlich ein Sonderpreis – das ist eine herausragende Auszeichnung für Frankena und den gesamten Landkreis Elbe-Elster. Dieser Erfolg gehört allen, die sich seit Jahren mit Herzblut für ihren Heimatort einsetzen. Frankena zeigt eindrucksvoll, wie viel erreicht werden kann, wenn Menschen gemeinsam anpacken, Verantwortung übernehmen und ihre Heimat aktiv gestalten. Darauf können alle Beteiligten mit Recht stolz sein.“
Auch Bürgermeister Enrico Reiche würdigte den Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer, Vereine und Initiativen, die den Auftritt bis ins Detail vorbereitet hatten. Die Präsentation habe einmal mehr gezeigt, dass Frankena seine Stärken nicht nur darstellen, sondern täglich leben könne.
Der Weg zu diesem Erfolg begann mit dem Sieg im Kreiswettbewerb 2024, führte über den zweiten Platz beim Landeswettbewerb 2025 bis in die bundesweite Endrunde. Dort überzeugte Frankena die Fachjury mit seinem außergewöhnlichen Gemeinschaftsgeist, der Pflege lebendiger Traditionen, innovativen Ideen und dem großen ehrenamtlichen Engagement seiner Einwohnerinnen und Einwohner. (tho)