Bereits zum 30. Mal stand unser Landkreis ganz im Zeichen der LiteraTour. Neben zahlreichen weiteren Veranstaltungen beteiligte sich auch die Stadtbibliothek Elsterwerda mit einem Autorentag an der Programmvielfalt zwischen Elbe und Elster.
Unserer Einladung, nach Elsterwerda zu kommen, folgte am 27.03.2026 der Berliner Autor Stephan Hähnel. Trotz der großen Freude am Geschichten- und Gedichteschreiben als Kind entschied sich Stephan Hähnel zunächst für eine bodenständige Ausbildung als Mechaniker mit anschließendem Studium. Doch die Begeisterung zog ihn zurück zur Schreiberei und so begann er u. a. Sketche und Drehbücher für Film und Fernsehen zu Papier zu bringen. 2005 wurde sein erstes Buch veröffentlicht und es folgten bis jetzt 17 weitere. Seine Spezialität sind Kinderbücher sowie Krimis und schwarzer Humor.
Am Vormittag des 27.03.2026, dem letzten Schultag vor den Osterferien, begrüßten wir die 4. bis 6. Klassen des Elsterschulzentrums und der Friedrich-Starke-Grundschule zur Lesung im Saal des Stadthauses. Vor der ersten gelesenen Geschichte aus seinem Buch „Mumien küsst man nicht“ erzählte Stephan Hähnel ein wenig zu seiner Person und lud die Kinder ein, ihm Fragen zu stellen. „Wie lange dauere das Schreiben eines Buches?“, „Welches Buch wurde am meisten verkauft?“, „Ob er das ganze Buch vorlese…“ waren einige der Fragen, die die Kinder ihm stellten.
Zwischen den gelesenen Geschichten vermittelte der, in Schulen in ganz Deutschland mit Schreib-Workshops, aktive Autor in Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern einige Grundlagen und Anregungen zum Verfassen von eigenen Gruselgeschichten. So nannten die Kinder als Idee für gruselige Personen u. a. eine alte Lehrerin und für einen gruseligen Ort eine verlassene Gurkenfabrik. Stephan Hähnel war begeistert von der Beteiligung und den außergewöhnlichen Antworten. Mit einem Lesezeichen für die Ferienlektüre bewaffnet zogen die insgesamt neun Schulklassen von dannen.
Den Abend des Autorentages krönte Stephan Hähnel mit seinem, aufgrund des historischen Bezuges und der umfangreichen Recherche, bisher anspruchsvollsten Roman „Des Teufels Heizer“. Auf einer privaten Feier sprach ihn ein Mann an, dass er doch Autor wäre und er hätte ihm seine Geschichte zu erzählen. Was darauf folgte, lässt einem bereits fast das Blut in den Adern gefrieren. Der Mann ist Sohn des Standesbeamten und Krematoriumsleiters des KZ Sachsenhausen, seine Mutter ehemalige Diensthundeführerin der SS im KZ Ravensbrück. Sie lernten sich auf der Flucht kennen und beschlossen, sich zusammenzutun um zu überleben. Erst nach dem Tod einer Verwandten erhält der, behütet aufgewachsene, Mann Unterlagen, die seine bedrückende Familiengeschichte sichtbar machen. Er entschließt sich, dem Unrecht zu begegnen, erzählt von seinem Erlebten und führt Besucher durch die Gedenkstätte Sachsenhausen.
Mit der Familiengeschichte als Grundlage begann Stephan Hähnel zu recherchieren bzgl. weiterer geschichtlicher Ereignisse und stieß auf die große Geldfälscheraktion „Operation Bernhard“ im KZ Sachsenhausen, die ebenfalls Einfluss in seinem Krimi fand. Ganz nebenbei verriet er während der Lesung, dass er als gewissenhafter Autor z. B. bei der Angabe von Tageszeiten und Helligkeit auch die noch nicht eingeführte Sommer- und Winterzeit mit in Betracht gezogen habe, um beim gewieften Leser keinerlei Zweifel an der Geschichte aufkommen zu lassen. So entstand ein Krimi, der, gespickt mit ein paar humoristischen Auflockerungen, die geschichtliche Realität mit phantasievoller Fiktion verschmelzen ließ.
Drei Jahre hat er für die Recherche und das Schreiben benötigt, bis die 480 Seiten fertig waren. Eine unfassbare Geschichte gebettet in einen spannenden Krimi – absolut lesenswert! So wundert es nicht, dass auch einige Bücher am Freitagabend den Besitzer wechselten.
Lust auf die Bücher bekommen? Diese erhalten Sie über alle bekannten Kanäle zum Kauf oder Sie schauen bei uns in der Stadtbibliothek Elsterwerda vorbei. Wir haben jeweils ein Exemplar zum Ausleihen in unserem Bestand. Wer zuerst kommt, liest zuerst.